BMW und E.ON haben für ihr Angebot zum bidirektionalen Laden den Bayerischen Energiepreis 2026 erhalten. Dahinter steht Deutschlands erstes kommerzielles Vehicle-to-Grid-Angebot für Privatkunden, bei dem der BMW iX3 Strom auch wieder ans Netz zurückgibt.

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Bidirektionales Laden verwandelt das Elektroauto vom reinen Verbraucher in einen mobilen Stromspeicher, der das Netz stützt. BMW und E.ON haben dieses Prinzip seit Februar 2026 aus dem Forschungslabor in ein bestellbares Produkt überführt. Der bayerische Staatspreis würdigt nun die Infrastruktur dahinter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Angebot: der BMW iX3 der Neuen Klasse, die BMW Wallbox Professional mit 11 kW und der Tarif E.ON ÖkoStrom Home & Drive V2G.
  • Vergütung: 24 Cent je angeschlossener Stunde, gedeckelt auf 720 Euro im Jahr, dazu 40 Cent je zurückgespeister Kilowattstunde.
  • Auszeichnung: Bayerischer Energiepreis 2026 in der Kategorie innovative Infrastrukturprojekte.
  • Weichenstellung: Seit dem 1. Januar 2026 entfallen die doppelten Netzentgelte, die V2G bisher unrentabel gemacht haben.

Was steckt hinter dem V2G-Angebot von BMW und E.ON?

Elektroauto lädt an Säule, daneben Miniaturfigur mit gefülltem Einkaufswagen
BMW iX3 mit bidirektionaler Wallbox: Algorithmus lädt bei günstigen Strompreisen, speist Energie ins Netz zurück und bringt Haltern bis zu 720 Euro jährlich

BMW und E.ON koppeln den iX3 über die bidirektionale Wallbox Professional ans Hausnetz. Ein gemeinsamer Algorithmus lädt automatisch bei günstigen Preisen und speist bei knappem Netz zurück. Bis zu 720 Euro fließen dafür pro Jahr an den Halter.

Die Rückspeisung läuft technisch über eine Wechselstromverbindung mit 11 Kilowatt: Die Leistungselektronik im Fahrzeug wandelt den Gleichstrom der Batterie, die Wallbox reicht ihn ins Netz weiter. Anders als frühere Pilotlösungen braucht es keine teure Gleichstromsäule in der Garage.

Den wirtschaftlichen Kern bildet ein Zwei-Komponenten-Modell: 24 Cent je angeschlossener Stunde plus 40 Cent je zurückgespeister Kilowattstunde[1]. Zur höheren Zyklenlast liefert die Analyse zur Akku-Degradation beim E-Auto die Fakten, den Kostenvergleich der Ladetarife-Vergleich.

Warum wird bidirektionales Laden erst jetzt wirtschaftlich?

Bis Ende 2025 hat zurückgespeister Autostrom ein zweites Mal Netzentgelte gezahlt, obwohl er das Netz entlastet. Seit dem 1. Januar 2026 behandelt das novellierte Energiewirtschaftsgesetz das E-Auto wie einen stationären Speicher, die Doppelbelastung entfällt.

Die eigentliche Weichenstellung ist nicht aus München gekommen, sondern aus dem Bundestag. Mit der EnWG-Novelle vom 13. November 2025 gelten Fahrzeugbatterien seit Jahresbeginn wie Pumpspeicher oder Heimspeicher, die Netzentgelte nur einmal zahlen.

Parallel greift Paragraf 14a EnWG: Netzbetreiber dürfen Wallboxen bei Engpässen drosseln, im Gegenzug sinken die Netzentgelte. Ab dem 1. April 2026 ergänzt die Bundesnetzagentur die Abrechnung um neue MiSpeL-Regeln. Dasselbe Prinzip nutzt E.ON schon beim Nachtladebonus, Viessmann macht daraus die Heizung als Kraftwerk.

Das bidirektionale Auto ist der erste Heimspeicher, den sich Millionen Haushalte ohnehin in die Einfahrt stellen. Die Regulierung, nicht die Technik, hat ihn bisher ausgebremst.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Bidirektionales Laden in Zahlen
Das V2G-Angebot von BMW und E.ON und die neue Rechtslage
720 €
maximale Vergütung pro Jahr für ein angeschlossenes Fahrzeug
24 ct
Bonus je Stunde, in der das Auto für V2G freigegeben ist
40 ct
je tatsächlich ins Netz zurückgespeister Kilowattstunde
1.1.2026
Ende der doppelten Netzentgelte auf zurückgespeisten Autostrom
Der Engpass: rund 3 % Smart-Meter-Quote

Ohne intelligentes Messsystem lässt sich keine Rückspeisung abrechnen. Deutschland liegt beim Rollout deutlich hinter den Niederlanden, Frankreich und Schweden.

Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?

Das größte Hindernis heißt Smart Meter: Nur rund 3 Prozent der deutschen Haushalte besitzen ein intelligentes Messsystem, ohne das keine Rückspeisung abgerechnet wird. Bei der Elektrifizierung von Flotten oder Firmenparkplätzen gehört der Zählertausch jetzt in die Planung.

Ohne Messinfrastruktur bleibt V2G Theorie. Deutschland hinkt beim Smart-Meter-Rollout hinter den Niederlanden, Frankreich und Schweden her, wie die Debatte um die niedrige Smart-Meter-Quote zeigt.

BMW steht damit nicht allein: Volkswagen hat sein eigenes Vehicle-to-Grid-Angebot gestartet, das Forschungsprojekt BDL Next erprobt die Technik mit 20 geleasten iX3 im Alltag. Für Fuhrparkleiter zählt jetzt zweierlei: Ladepunkte bidirektionalfähig auslegen und den Smart-Meter-Einbau nicht aufschieben. So wird der Dienstwagen vom Kostenfaktor zur Einnahmequelle.

Quelle

[1] BMW Group: „Erstes bidirektionales Vehicle-to-Grid (V2G) Ladeangebot Deutschlands von BMW Group und E.ON“

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