Covestro liefert künftig maßgeschneiderte Kunststoffe für die Elektroautos, Batterien und Energiespeicher von BYD. Der Leverkusener Werkstoffkonzern, seit Kurzem in der Hand des Abu-Dhabi-Konzerns ADNOC, verlagert sein Wachstum damit sichtbar nach China. Für die deutsche Chemie ist der Pakt Chance und Warnsignal zugleich.

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Die Partnerschaft von Covestro und BYD besiegelt ein Ungleichgewicht: Ein deutscher Traditionskonzern mit 12,9 Milliarden Euro Jahresumsatz knüpft seine Zukunft an einen Autobauer, der Tesla beim Export längst überholt hat. Am 13. Juli 2026 haben beide Seiten eine langfristige strategische Partnerschaft unterzeichnet, die weit über eine klassische Lieferbeziehung hinausgeht.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Covestro entwickelt gemeinsam mit BYD Polycarbonat- und Polyurethanlösungen für Elektroautos, Antriebsbatterien und Energiespeicher.
  • Im Zentrum stehen die CQ-Materialien mit mindestens 25 Prozent alternativen Rohstoffen.
  • Covestro gehört seit November 2025 mehrheitlich dem Abu-Dhabi-Staatskonzern ADNOC.
  • Die neue EU-Altfahrzeugverordnung schreibt schrittweise Rezyklat-Quoten im Neuwagen vor und macht solche Materialien zur Pflicht.

Was steckt hinter dem Materialpakt?

E-Auto-Stecker in grüner Kugel mit Notiz, deutscher und EU-Flagge auf Weiß
Covestro und BYD vereinbaren Zusammenarbeit über gesamte Wertschöpfungskette: Kunststoffe für Beleuchtung und Fahrzeugteile, Hochleistungsmaterialien

Die Vereinbarung ist als Memorandum of Understanding angelegt und zieht sich über die gesamte Wertschöpfungskette. Covestro stellt eigene Forschungsressourcen ab, BYD bindet den Werkstofflieferanten früh in neue Projekte und Technologie-Roadmaps ein.

Vier Felder stehen im Fokus: Kunststoffe für Beleuchtung sowie Innen- und Außenteile von Elektroautos, Hochleistungsmaterialien für Sicherheit und Wärmemanagement in Batterien, Anwendungen im öffentlichen Nahverkehr und Technologien der nächsten Generation. BYD bringt dafür über 120.000 Entwicklungsingenieure ein.

Warum bindet sich Covestro ausgerechnet an BYD?

Der Grund liegt in einer doppelten Schwäche der europäischen Chemie: schwache Nachfrage und hohe Energiekosten. Covestro hat zuletzt rote Zahlen geschrieben, das Wachstum im Heimatmarkt stockt. Seit der Übernahme durch ADNOC im November 2025 soll frisches Kapital gezielt in wachstumsstarke Segmente fließen, allen voran Mobilität und Kreislaufwirtschaft.[2]

BYD liefert genau die Nachfrage, die Europa nicht mehr hergibt. Chinesische Marken erreichen inzwischen rund 6 Prozent der EU-Neuzulassungen, Tendenz steigend. Zulieferer, die am Boom der Elektromobilität teilhaben wollen, kommen am größten Hersteller der Welt kaum vorbei.

BYD ist für Covestro kein Kunde unter vielen, sondern die Wachstumsmaschine, die der deutsche Heimatmarkt nicht mehr liefert. Die deutsche Chemie wird zum Zulieferer der chinesischen Mobilität, und diese Rolle sollten wir nüchtern zur Kenntnis nehmen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Covestro und BYD: Der Materialpakt in Zahlen
Wie sich Deutschlands Werkstoffkonzern an Chinas Elektroautobauer bindet
12,9 Mrd. €
Covestro-Umsatz 2025, bei stockendem Heimatmarkt
≥ 25 %
alternative Rohstoffe in den CQ-Materialien
120.000+
Entwicklungsingenieure bringt BYD in die Partnerschaft ein
4 Felder
E-Autos, Batterien und Speicher, Nahverkehr, Next-Gen-Technik
15 %
recycelter Kunststoff im Neuwagen, sechs Jahre nach Inkrafttreten
25 %
Rezyklat-Quote nach zehn Jahren, exakt die CQ-Marke
1/5
davon muss aus verschrotteten Altautos selbst stammen

Was bedeutet der Deal für Europa?

Für europäische Autobauer und Zulieferer wird Covestros CQ-Konzept zum Vorboten einer neuen Pflicht. Die im Dezember 2025 beschlossene EU-Altfahrzeugverordnung verlangt in Neuwagen zunächst 15 Prozent recycelten Kunststoff, nach zehn Jahren 25 Prozent, ein Fünftel davon aus Altautos selbst.[3]

Materialien mit mindestens 25 Prozent alternativen Rohstoffen erfüllen damit schon heute die kommende Quote. Deutsche Hersteller sollten prüfen, ob ihre Lieferketten diese Quoten erfüllen, bevor die Verordnung greift.

Bleibt die Kehrseite: Je enger sich Covestro an BYD bindet, desto stärker hängt ein Stück deutscher Industrie an der Konjunktur eines einzelnen chinesischen Konzerns. Einkauf und Produktentwicklung verfolgen die Rezyklat-Quoten deshalb am besten schon jetzt, nicht erst zum Stichtag.

Quellen

[1] Covestro: „Covestro and BYD form strategic partnership for the future of mobility, energy and advanced technologies“

[2] Covestro: „Covestro and XRG receive final outstanding regulatory approval for strategic partnership“

[3] Europäisches Parlament: „Circular economy: deal on new EU rules for the automotive sector“

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