Zum 1. Juli 2026 hat Aral Pulse die Ladepreise im Klassik-Tarif gesenkt, Konkurrent Ionity hat am selben Tag erhöht. Dahinter stehen zwei gegensätzliche Geschäftsmodelle. Für Fahrer und Flotten entscheidet die richtige Ladekarte über Hunderte Euro im Jahr.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Ladepreise für E-Autos bewegen sich plötzlich in zwei Richtungen: Aral Pulse hat den kostenlosen Klassik-Tarif um sieben Cent je Kilowattstunde reduziert, rund zehn Prozent. Am selben Stichtag hat Ionity das Schnellladen verteuert. Der deutsche Lademarkt zerfällt damit sichtbar in zwei Lager.
Das Wichtigste in Kürze
- Aral Pulse hat den Klassik-Tarif zum 1. Juli 2026 um sieben Cent je kWh gesenkt, rund zehn Prozent.
- Ionity hat zeitgleich um durchschnittlich vier Prozent erhöht und nennt gestiegene Strombeschaffungskosten als Grund.
- Der Preisunterschied folgt dem Geschäftsmodell: Tankstellenkonzern gegen Autohersteller-Verbund.
- Das Ad-hoc-Laden ohne Registrierung bleibt bei beiden Anbietern am teuersten.
Warum senkt der eine und erhöht der andere?

Standortvorteil bp: Aral Pulse gehört zum Ölkonzern bp und betreibt seine Schnelllader an bestehenden Tankstellen. Die Vorplätze sind erschlossen und stark frequentiert, das Kraftstoff- und Shopgeschäft trägt einen Teil der Kosten mit, und den Strom beschafft bp über die eigene Handelssparte. Beim Ausbau zählt inzwischen weniger die Zahl der Punkte als ihre Leistung und Auslastung.
Kostendruck bei Ionity: Ionity ist als Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Mercedes-Benz, Ford und dem Volkswagen-Konzern entstanden und hat eigene Ladeparks auf der grünen Wiese gebaut, ähnlich den teuren Hochleistungsstandorten wie dem 480-Kilowatt-Park von EnBW. Hoher Kapitaleinsatz je Standort lässt wenig Spielraum, wenn die Strombeschaffung teurer wird.
Was zahlen E-Auto-Fahrer jetzt konkret?
Aral-Tarife: Im Klassik-Tarif kostet die Kilowattstunde nun 0,47 Euro an AC-Punkten, 0,52 Euro am Gleichstromlader bis 50 kW und 0,62 Euro darüber.[1] Das Extra-Abo für 2,99 Euro im Monat drückt die Sätze auf 0,41 bis 0,54 Euro.
Registrierung als Hebel: Bei Ionity klettert das Ad-hoc-Laden auf bis zu 0,76 Euro je kWh, günstiger wird es nur mit Monatsabo. Ohne App oder Vertrag zahlen Fahrer bei Aral ad hoc bis zu 0,79 Euro. Der Registrierungszwang ist der eigentliche Preishebel, ähnlich wie beim Roaming im Mobilfunk.
Aral Pulse: was die Tarife jetzt kosten
Klassik (kostenlos)
Extra (2,99 €/Monat)
Ad-hoc (ohne App)
Der Ladepreis steht nicht mehr an der Säule, sondern im Tarif. Ein E-Auto günstig zu betreiben heißt 2026, die Ladekarte so sorgfältig zu wählen wie früher den Stromanbieter.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Flotten und Dienstwagen?
Kein Preisdeckel: Für Unternehmen mit E-Fuhrpark ist der Tarif-Riss ein direkter Kostenfaktor. Die EU-Verordnung AFIR schreibt seit 2024 zwar die Kartenzahlung an neuen Schnellladern über 50 kW vor, einen Preisdeckel kennt sie aber nicht. Auf der Langstrecke bleibt das Ad-hoc-Laden teuer, auch am neuen Megawatt-Netz an den Autobahnen.
Zwei Stellhebel: Die Ladekarte gehört an das tatsächliche Ladeprofil gekoppelt, wie es Hersteller mit Bündelangeboten wie dem Geely-Paket am EnBW-Netz vormachen. Ad-hoc-Laden schlägt je nach Anbieter bis zu 17 Cent je kWh auf und lässt sich meist vermeiden; bei Bestandsabos lohnt der Blick auf den Bestandsschutz, denn Ionity lässt vor Februar 2026 geschlossene Verträge unangetastet.
Vergleich lohnt: Ein Preisvergleich über mehrere Ladenetze bleibt Pflicht, ebenso der Blick auf zeitabhängige Bonusmodelle. Welche Karte zu welchem Fahrprofil passt, zeigt unser Ladetarife-Vergleich 2026 für Privat- wie Firmenfahrzeuge.
Quelle
[1] Aral Pulse: „Tarife und Bezahlmethoden“ ↩
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