Der Elektroautobauer Lucid prueft mit dem Sanierungsberater AlixPartners einen Rueckzug von der Boerse und ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11. Das Unternehmen selbst nennt die Insolvenzgeruechte falsch. Die Aktie hat am Dienstag trotzdem 41 Prozent verloren.

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Fuer jeden Euro Umsatz hat Lucid im Jahr 2025 rund 2,80 Euro verbrannt. Genau diese Relation, nicht das Dementi aus Kalifornien, entscheidet ueber die Zukunft des Herstellers. Betroffen sind auch deutsche Kunden, die den Gravity ab 116.900 Euro bestellt haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lucid arbeitet mit dem Sanierungsberater AlixPartners zusammen, der dem Aufsichtsrat Optionen bis hin zu Chapter 11 vorgelegt hat.
  • Kommunikationschef Nick Twork nennt die Insolvenzgerüchte komplett falsch, eine Insolvenz sei nicht empfohlen worden.
  • 2025 stand ein negativer freier Cashflow von 3,3 Milliarden Euro einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro gegenüber (Kurs 0,87, Stand 14. Juli 2026).
  • Der Berater rät laut Bericht dazu, die Europa-Expansion zu bremsen und die Kräfte auf den Gravity zu bündeln.

Warum ist die Aktie um 41 Prozent gefallen?

Sparschwein mit Ladekabel und Preisschild auf weißem Grund
Lucids Sanierungsberater legte Aufsichtsrat Insolvenzoptionen vor, was Aktienkurs um 49 Prozent einbrechen ließ

Ein Branchenbericht hat offengelegt, dass Lucids Sanierungsberater dem Aufsichtsrat Optionen bis hin zu Chapter 11 vorgelegt hat. Lucid bestreitet eine Insolvenzabsicht, bestätigt aber das Mandat. Diese Kombination hat den Kurs zeitweise um bis zu 49 Prozent einbrechen lassen.

Dementi mit Lücke. Kommunikationschef Nick Twork hat gegenüber Bloomberg erklärt, die Gerüchte seien komplett falsch, AlixPartners habe weder dem Management noch dem Board eine Insolvenz empfohlen[1]. Bestätigt hat Lucid allerdings das Beratermandat und die laufende Prüfung strategischer Optionen.

Liquidität auf Pump. Am 6. Juli 2026 hat der Hersteller 800 Millionen Dollar (rund 696 Millionen Euro) aus der Kreditlinie der PIF-Tochter Ayar gezogen, bereits die zweite Ziehung in diesem Jahr. Die eigene Kasse reiche bis weit ins kommende Jahr, teilt Lucid mit.

Woran krankt Lucid wirklich?

Nicht an der Technik, sondern an der Fixkostenbasis. Lucid unterhält Werk, Handelsnetz und Entwicklung eines Massenherstellers, verkauft aber die Stückzahlen einer Manufaktur. Jedes ausgelieferte Auto trägt deshalb nur einen Bruchteil der Kosten, die es tragen müsste.

Verbrennungsrate. 2025 hat Lucid bei 1,2 Milliarden Euro Umsatz einen Nettoverlust von rund 2,3 Milliarden Euro ausgewiesen und 3,3 Milliarden Euro freien Cashflow verbrannt. Der saudische Staatsfonds PIF hat seit 2018 mehr als 7,8 Milliarden Euro zugeschossen, während der Börsenwert am Dienstag auf rund 2,0 Milliarden Euro gefallen ist.

Muster statt Einzelfall. Fisker hat im Juni 2024 Chapter 11 angemeldet, Nikola ist im Februar 2025 gefolgt, Canoo ist im Januar 2025 in die Liquidation gegangen. Keiner der drei ist an der Technik gescheitert, sondern daran, dass ein Direktvertrieb ohne Händlernetz erst ab hohen Stückzahlen trägt. Selbst Kaliforniens neue Kaufprämie, die Lucid ausdrücklich bevorzugt, hat den Absatz nicht gedreht.

Lucid in Zahlen: Wenn ein Euro Umsatz 2,80 Euro kostet

Geschäftsjahr 2025 und Marktdaten vom 14. Juli 2026. Alle Beträge zum Kurs 0,87 in Euro umgerechnet.

2,80 €
verbrannter freier Cashflow je 1 € Umsatz im Jahr 2025
3,3 Mrd. €
negativer freier Cashflow 2025, bei 1,2 Mrd. € Umsatz
7,8 Mrd. €
Kapital des Staatsfonds PIF seit 2018
2,0 Mrd. €
Börsenwert am 14. Juli 2026, nach minus 41 Prozent
Europa-Plan gegen Berater-Empfehlung

Der Plan von Anfang 2026

  • Ausweitung von 4 auf bis zu 12 europäische Märkte bis Ende 2026
  • Gravity in Deutschland ab 116.900 €, Touring-Variante ab 99.900 €
  • Limousine Air und SUV Gravity parallel im Markt

Was der Sanierungsberater rät

  • Eintritt in weitere europäische Märkte verlangsamen oder aussetzen
  • Kräfte auf den Gravity bündeln, die Limousine Air zurückfahren
  • Qualitätsprobleme zuerst lösen, weil sie den Markenaufbau bremsen
  • Weitere Restrukturierungsrunde in den USA und in Europa

Das Muster: Fisker (Juni 2024), Nikola (Februar 2025) und Canoo (Januar 2025) sind nicht an der Technik gescheitert, sondern an zu kleinen Stückzahlen für ein zu großes Fixkostengerüst.

Lucid hat nie ein Produktproblem gehabt, sondern ein Mengenproblem. Ein Staatsfonds kann Verluste jahrelang tragen, eine Fabrik füllen kann er nicht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Käufer in Deutschland?

Der Gravity kostet in Deutschland ab 116.900 Euro. Fällt die Europa-Expansion aus, treffen Restwertverfall und ein dünnes Servicenetz genau die Kunden, die jetzt bestellen. Bei Fisker haben Halter nach der Insolvenz monatelang auf Ersatzteile und Software-Updates gewartet.

Restwertrisiko. Lucid hat den Gravity im September 2025 in München für Europa vorgestellt, die Grand-Touring-Variante ab 116.900 Euro, die Touring-Version ab 99.900 Euro[2]. Geplant ist bislang eine Ausweitung von vier auf bis zu zwölf europäische Länder bis Ende 2026. Genau diese Expansion soll der Berater laut Bericht stoppen wollen, womit der Wertverlust eines Neuwagens unmittelbar an der Markenpräsenz hängt.

Marktkontext. Der deutsche Markt selbst wächst: Die Neuzulassungen haben im Juni um 78 Prozent zugelegt. Etablierte Anbieter wie Mercedes-Benz und Polestar verteilen ihre Fixkosten über vorhandene Werke und Händlernetze. Selbst Volkswagen hat den eigenen Rivian-Deal zuletzt hinterfragt.

Handlungsempfehlung. Vor einer Bestellung lohnt der Blick auf zwei Punkte: die Garantieabwicklung über die europäische Vertriebsgesellschaft und die verbindliche Zusage eines erreichbaren Servicepartners. Flottenverantwortliche sollten Restwerte konservativ kalkulieren, Leasing dem Kauf vorziehen und die Akku-Degradation in die Kalkulation einbeziehen, weil bei einem Marktaustritt auch Garantiezusagen auf die Batterie an Wert verlieren.

Quellen

[1] Bloomberg: „Lucid Shares Plunge as Report Says Bankruptcy Filing Is Being Weighed“

[2] Lucid Group: „Die vollelektrische Kraft der Anziehung: Einführung des Lucid Gravity in Europa“

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