Volkswagen prüft einem Bericht zufolge, künftig auch in Europa auf chinesische Plattform- und Softwaretechnik zu setzen statt exklusiv auf die milliardenschwere Partnerschaft mit Rivian. Grund ist eine wachsende Kostenlücke zwischen Wolfsburg und China. Für deutsche Werke könnte der Vorstoß zur unerwarteten Rettung werden.

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VW-China-Technik kostet nach einem Bericht der Bild-Zeitung mit Insiderkontakten nur einen Bruchteil der Entwicklung in Deutschland: 60 Euro pro Entwicklerstunde in China stehen rund 120 Euro in Wolfsburg gegenüber. Diese Lücke bringt den erst 2024 besiegelten Rivian-Deal ins Wanken. Volkswagen prüft demnach, ob künftige Europa-Modelle auf chinesischer Plattform- und Softwaretechnik aufbauen sollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • VW erwägt, die in China entwickelte Plattform CSP (China Scalable Platform) und die Software CEA (China Electronic Architecture) auch für europäische Modelle zu nutzen, laut Bild-Bericht testweise für einen Elektro-Touareg-Nachfolger ab 2028/2029.
  • Der 5,8-Milliarden-Euro-Deal mit Rivian für Software und E-Architektur gerät dadurch zunehmend unter Druck.
  • Grund ist die Kostenlücke: 60 Euro Entwicklerstunde in China stehen etwa 120 Euro in Deutschland und rund 174 Euro im Rivian-Joint-Venture gegenüber.
  • Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies sieht in der China-Technik eine Chance, deutsche Werke auszulasten statt sie zu schließen.

Warum gerät der Rivian-Deal ins Wanken?

Zwei Spielzeugautos auf einer gerollten Geld-Messskala
Volkswagen investiert 5,8 Milliarden Euro in Rivian für Software und Elektro-Architektur, doch der Kostenvorteil Chinas wächst schneller als erwartet

Volkswagen hatte mit der 5,8 Milliarden Euro schweren Rivian-Partnerschaft eigentlich die Weichen gestellt: Die US-Firma soll Software und Elektro-Architektur für VW, Audi und Porsche in Europa und Nordamerika liefern. Die Kostenlücke zu China wächst nach Insider-Angaben aber schneller als erwartet. Auch Stellantis und BMW suchen mit chinesischen Partnern nach ähnlichen Vorteilen. In den USA bleibt chinesische Fahrzeugtechnik ausgeschlossen: Eine neue Regel des US-Handelsministeriums verbietet chinesische Fahrzeugsoftware ab Modelljahr 2027, chinesische Hardware ab 2030. In Europa existiert eine solche Hürde bisher nicht.

Was zeigt der Bosch-Bruch über VWs China-Strategie?

Ein Bosch Smart Tech Chip steckt in einer Steckdose neben einem Schuko-Stecker
Vom deutschen zum chinesischen Partner: VW tauscht beim autonomen Fahren die Technik aus.

Der Vorstoß reiht sich in ein Muster, das sich schon Ende Juni angedeutet hat: Volkswagen hat die „Automated Driving Alliance“ mit Bosch aufgekündigt, nachdem rund 1,5 Milliarden Euro in eine intern als nicht wettbewerbsfähig eingestufte Technik geflossen waren (VW kündigt Bosch-Deal: 1,5 Mrd. Euro verpufft).

Parallel dazu hat der Konzern das Entwicklungszentrum VCTC in Hefei mit mehreren Milliarden Euro ausgebaut und mit dem chinesischen Chip-Spezialisten Horizon Robotics das Joint Venture Carizon für autonomes Fahren gegründet. Laut Fachmedien verkürzen sich Entwicklungszeiten in China dadurch um rund 30 Prozent bei etwa halbierten Kosten.

Deutsche Werke brauchen bezahlbare Elektroautos, und ausgerechnet China liefert derzeit die günstigste Technik dafür.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für deutsche Werke und Jobs?

China-Technik bei VW: die Zahlen hinter dem Plan

Kostenlücke, Zeitplan und Werke im Überblick

Entwicklerstunde im Vergleich
60 €
China
120 €
Deutschland
174 €
Rivian-JV
1,5 Mrd. €
In die eingestellte Bosch-Kooperation geflossen
Die „Automated Driving Alliance“ für autonomes Fahren ist Ende Juni 2026 aufgekündigt worden, die Technik galt intern als nicht wettbewerbsfähig.
9. Juli 2026
Aufsichtsrat entscheidet über Sparprogramm
Rund 60 Mrd. Euro Einsparvolumen stehen zur Abstimmung, betroffen sind mehrere deutsche Standorte.
40.000
Jobs an vier gefährdeten Standorten
Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk Neckarsulm stehen laut Berichten zur Debatte.

Für die Standortdebatte ist der Vorstoß doppeldeutig. Lies plädiert dafür, in China entwickelte Technik und Modelle in deutschen Werken zu bauen, um Schließungen zu verhindern. Konkret stehen Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm zur Debatte, während der VW-Aufsichtsrat bereits am 9. Juli über ein Sparprogramm von rund 60 Milliarden Euro entscheidet (Streicht VW jetzt 100.000 Stellen? Bestätigt sind 50.000.).

Ein exportfähiger Elektro-Touareg auf CSP-Plattform wäre frühestens Ende 2027 realistisch, weil VW die Software zuerst für den europäischen Markt anpassen muss. Zulieferer aus dem deutschen Mittelstand sollten diese Frist nutzen und schon jetzt Kompetenzen in China-kompatibler Antriebs- und Softwaretechnik aufbauen, bevor der Konzern in Wolfsburg entscheidet. Relevant wird die Kostenfrage auch deshalb, weil viele Elektroautos ohnehin schon rasant an Wert verlieren (Wertverlust Elektroauto: Schlimmer als beim iPhone?); günstigere China-Technik könnte diesen Trend zusätzlich verschärfen oder die Einstiegspreise spürbar senken.

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