Der SDAX-Konzern Friedrich Vorwerk hat sich als Teil einer Arbeitsgemeinschaft den Bau der Wasserstoffleitung H2Coastlink 1 zwischen Emden und Leer gesichert. Der Auftrag liegt im zweistelligen Millionenbereich und ist ein erstes greifbares Stück des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wasserstoff-Kernnetz soll 9.040 Kilometer umfassen und rund 18,9 Milliarden Euro kosten. Bislang war es vor allem eine Karte mit Planungslinien. Mit dem Baustart für H2Coastlink 1 wird an der Nordseeküste erstmals eine konkrete Baustelle daraus.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine 24 Kilometer lange Hochdruckleitung (DN 400, 100 bar) verbindet ab Herbst 2027 Emden und Leer.
- Auftraggeber ist der Fernleitungsbetreiber GTG Nord, Generalübernehmer ist EWE NETZ.
- Die Leitung bindet einen 320-Megawatt-Elektrolyseur an das 9.040 Kilometer lange Wasserstoff-Kernnetz an.
- Für Friedrich Vorwerk ist der Auftrag ein weiterer Baustein eines Rekord-Auftragsbestands von über 1,4 Milliarden Euro.
Was baut Friedrich Vorwerk da genau?

Die Arbeitsgemeinschaft errichtet eine rund 24 Kilometer lange Wasserstoff-Hochdruckleitung von Emden nach Leer, ausgelegt auf DN 400 und 100 bar.[1] Der Baubeginn ist für Sommer 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Herbst 2027.
Die Leitung soll später mehr als 70.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr transportieren und bindet einen entstehenden 320-Megawatt-Elektrolyseur in Emden an das überregionale Netz an. Auftraggeber ist der Fernleitungsbetreiber GTG Nord, als Generalübernehmer tritt EWE NETZ auf.
Der Auftragswert liegt im zweistelligen Millionenbereich. Für Friedrich Vorwerk zählt dabei weniger die einzelne Leitung als das Muster dahinter: Der Konzern verlegt seit Jahren Gas- und Stromtrassen und richtet sein Kerngeschäft nun auf Wasserstoff aus.
Warum das Kernnetz jetzt zum Milliardenmarkt wird
Die Bundesnetzagentur hat das Wasserstoff-Kernnetz am 22. Oktober 2024 genehmigt.[2] Es umfasst 9.040 Kilometer und soll bis 2032 schrittweise ans Netz gehen, rund 60 Prozent davon über umgestellte Erdgasleitungen.
Finanziert wird der Aufbau über ein Amortisationskonto. Anfangs zu niedrige Netzentgelte werden gestundet und erst bis 2055 ausgeglichen, der Staat sichert das Modell ab. Damit sinkt das unternehmerische Risiko für die Betreiber deutlich.
Genau diese Absicherung macht den Bau für Auftragnehmer planbar. Ähnlich wie beim Streit um den Stromnetzausbau entscheidet am Ende die Infrastruktur darüber, wie schnell die Energiewende vorankommt.
Das Kernnetz ist kein Umweltprojekt, sondern ein staatlich abgesichertes Infrastrukturprogramm. Den größten Hebel haben nicht die Wasserstoffproduzenten, sondern die Firmen, die im Boden die Rohre verlegen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
- 2024Bundesnetzagentur genehmigt das Kernnetz am 22. Oktober
- 2026Baustart von H2Coastlink 1 an der Nordseeküste
- 2027geplante Inbetriebnahme der Leitung im Herbst
- 2055Ausgleich des Amortisationskontos über Netzentgelte
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Der Auftragsbestand von Friedrich Vorwerk lag zum 31. März 2026 bei 1.074,3 Millionen Euro, samt Gemeinschaftsunternehmen bei 1.441,0 Millionen Euro. Der Auftragseingang im ersten Quartal hat sich auf 192,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Für die Industrie an der Küste zählt vor allem der Zugang zu grünem Wasserstoff, den etwa Stahl- und Zementwerke für ihre Dekarbonisierung brauchen. Am Standort Emden, wo zuletzt auch VW um sein Werk gerungen hat, entsteht so ein regionales Wasserstoff-Ökosystem.
Ein Nebeneffekt betrifft alle Gaskunden: Das Amortisationskonto verteilt die Baukosten über Netzentgelte, die langfristig auf der Rechnung landen. Für die Planung von Standorten und Lieferketten wird der Fahrplan des Kernnetzes bis 2032 damit zur Pflichtlektüre.
Quellen
[1] Friedrich Vorwerk Group SE: „FRIEDRICH VORWERK erhält als Teil einer Arbeitsgemeinschaft Großauftrag für den Neubau der Wasserstoffleitung H2Coastlink 1 von Emden nach Leer“ ↩
[2] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur genehmigt Wasserstoff-Kernnetz“ ↩
Mehr Newshunger?
- Strom für die KI: RWE-Chef will die Rechenzentren am Netzausbau beteiligen
- CO₂-Abscheidung im Zementwerk: thyssenkrupp weiht die weltweit erste Oxyfuel-Anlage ein
- 300 Millionen Euro im Jahr für den eigenen Namen: Siemens Energy wird zu Omterra
- EnBW stoppt das Neukundengeschäft von Senec: Warum dem Heimspeicher-Pionier der Markt wegbricht
- Australiens Stromanbieter müssen drei Stunden Gratisstrom am Mittag liefern