Ab dem 1. Juli 2026 zwingt Australien seine Stromanbieter zu einem ungewöhnlichen Angebot: drei Stunden kostenloser Strom am Mittag, sogar für Haushalte ohne eigene Solaranlage. Hinter dem Gratisstrom steckt ein Problem, das auch deutsche Netze kennen. Ein Blick nach Down Under lohnt sich für alle, die hierzulande Stromkosten steuern.

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Gratisstrom am Mittag ist in drei australischen Bundesstaaten ab Juli 2026 kein Werbegag mehr, sondern gesetzliche Pflicht. Australiens Energieminister Chris Bowen hat Anbieter verpflichtet, täglich ein dreistündiges Nulltarif-Fenster bereitzustellen. Der Grund liegt im Solarstrom, der mittags im Überfluss anfällt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anbieter in New South Wales, im Südosten Queenslands und in Südaustralien müssen ab 1. Juli 2026 drei Stunden Gratisstrom am Mittag anbieten.
  • Bis zu 24 Kilowattstunden pro Tag sind kostenlos, genug für einen durchschnittlichen Fünf-Personen-Haushalt.
  • Voraussetzung ist ein Smart Meter, der Tarif bleibt freiwillig (Opt-in).
  • Deutschland kennt denselben Solarüberschuss, setzt aber auf dynamische Tarife statt auf feste Gratisfenster.

Wie funktioniert Australiens Gratisstrom-Fenster?

Dekorative Sonne mit Katze und dem Text „Strom 0€, 12 bis 15 Uhr“ an einer Schnur
Stromanbieter mit über 1.000 Kunden müssen Haushalten mit Smart Meter täglich drei Stunden kostenlosen Strom mittags anbieten, maximal 24 Kilowattstunden

Stromanbieter mit mehr als 1.000 Kunden müssen Haushalten mit Smart Meter täglich drei Stunden kostenlosen Strom in der Mittagszeit anbieten, gedeckelt auf 24 Kilowattstunden. Das Fenster liegt je nach Bundesstaat zwischen 11 und 15 Uhr, der Tarif bleibt freiwillig.

Das kostenlose Zeitfenster fällt bewusst in die Mittagsspitze, wenn Millionen Dachanlagen mehr Strom liefern, als das Netz aufnehmen kann.[1] In New South Wales und im Südosten Queenslands läuft das Fenster von 11 bis 14 Uhr, in Südaustralien von 12 bis 15 Uhr. Haushalte, die Wärmepumpe, Boiler oder Wallbox in diese Stunden legen, heizen und laden zum Nulltarif.

Verpflichtet sind alle Anbieter mit mehr als 1.000 Kunden in den regulierten Bundesstaaten. Die Regulierungsbehörde AER legt die Details bis zum Start fest, bis 2027 sollen weitere Bundesstaaten folgen.

Warum verschenken Anbieter überhaupt Strom?

Australiens Dächer produzieren mittags so viel Solarstrom, dass der Großhandelspreis regelmäßig gegen null oder ins Minus fällt. Kostenloser Mittagsstrom verschiebt den Verbrauch in diese Überschussstunden und entlastet die teure Abendspitze.

Mehr als vier Millionen australische Haushalte tragen eine Solaranlage auf dem Dach, gemessen an der Bevölkerung die höchste Dichte weltweit. Zur Mittagszeit drückt diese Flut den Börsenpreis unter die Nulllinie, während die teure Spitze erst am Abend kommt.

Die Rechnung geht für beide Seiten auf. Anbieter kaufen den Mittagsstrom faktisch umsonst ein und senken zugleich die Abendlast, Haushalte ohne eigene Anlage bekommen erstmals Zugang zum billigen Solarstrom.

Australiens Gratisstrom am Mittag

Wie das Solar-Sharer-Modell den Mittagsüberschuss nutzbar macht

3 Stunden
Gratisstrom pro Tag, je nach Bundesstaat zwischen 11 und 15 Uhr
24 kWh
kostenloses Tageslimit, genug für einen Fünf-Personen-Haushalt
1. Juli 2026
Start in drei Bundesstaaten, weitere sollen bis 2027 folgen
573 Stunden
negative Börsenpreise in Deutschland 2025, ein Rekord

Australien

Gesetzlich verordnetes Gratisfenster von drei Stunden am Mittag, Zugang auch ohne eigene Solaranlage.

Deutschland

Kein Gratisfenster, dafür Pflicht zum dynamischen Tarif seit Januar 2025, Vorteil nur mit Smart Meter.

Australien beantwortet den Solarüberschuss mit einem klaren Preissignal, Deutschland überlässt das dem Kleingedruckten dynamischer Tarife. Das billigste Kilowatt nützt niemandem, der den günstigen Zeitpunkt nicht kennt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Modell für deutsche Betriebe?

Deutschland hat denselben Mittagsüberschuss, verpflichtet Versorger seit Januar 2025 aber nur zu dynamischen Tarifen, nicht zu festen Gratisfenstern. Betriebe, die Lasten in die günstigen Stunden verschieben, sparen trotzdem, sofern ein Smart Meter den Viertelstundenpreis erfasst.

Der deutsche Strommarkt zeigt dasselbe Muster wie Australien. 2025 ist der Börsenpreis in 573 Stunden ins Minus gerutscht, ein Rekord, getrieben vom Solarausbau. Ein gesetzlich verordnetes Gratisfenster fehlt hierzulande allerdings.

Stattdessen greift Paragraf 41a des Energiewirtschaftsgesetzes: Versorger mit mehr als 100.000 Kunden müssen seit Januar 2025 einen dynamischen Tarif anbieten, der die Börsenpreise stündlich weiterreicht.[2] Den Vorteil heben aber nur Haushalte und Betriebe mit intelligentem Messsystem, und dessen Einbau stockt.

Für deutsche Entscheider zählt jetzt vor allem der Smart Meter. Ohne intelligentes Messsystem bleibt der billige Mittagsstrom unerreichbar, deshalb lohnt der Antrag beim Netzbetreiber. Flexible Verbraucher wie Wallbox oder Wärmepumpe gehören danach auf die Mittagsstunden, kombiniert mit einem dynamischen Tarif.

Erste Bausteine dafür stehen bereits: E.ON zahlt Boni fürs Laden in Schwachlastzeiten, Wärmepumpen lassen sich am Strommarkt vermarkten, und der Ladetarif-Vergleich zeigt, wann Strom am günstigsten fließt.

Quellen

[1] Australian Government, Department of Climate Change, Energy, the Environment and Water: „Next steps for Solar Sharer Offer“

[2] Bundesministerium der Justiz: „§ 41a EnWG: Lastvariable, tageszeitabhängige oder dynamische Stromtarife“

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