Die EU-F-Gas-Verordnung nimmt den Supermärkten ihr wichtigstes Kältemittel weg. Viessmann rüstet seine Kühlaggregate deshalb auf Propan um, ein Gas mit dem Treibhauspotenzial 3 statt mehreren Tausend. Für Betreiber von Kühltheken beginnt damit ein Umbau, den kein Wartungsvertrag mehr aufschiebt.

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Propan kühlt heute die Getränkeregale, die gestern noch am fluorierten Kältemittel R404A hingen. Seit dem 1. Januar 2025 darf niemand dieses Gas mehr frisch nachfüllen. Viessmann bringt dafür eine ganze Baureihe steckerfertiger R290-Aggregate in Stellung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 senkt die erlaubte Menge fluorierter Kältemittel bis 2050 auf null.
  • Seit dem 1. Januar 2025 gilt ein Nachfüllverbot für Kältemittel mit einem Treibhauspotenzial ab 2.500, darunter das gängige R404A.
  • Viessmann setzt in seiner Tecto-Baureihe auf Propan (R290) mit einem Treibhauspotenzial von 3.
  • Ab 2030 verbietet die EU neue stationäre Kälteanlagen mit Kältemitteln über einem GWP von 150.

Warum verschwindet das alte Kältemittel?

R290-Gerät neben durchgestrichener F-Gas-Flasche auf weißem Hintergrund
Seit März 2024 begrenzt die novellierte F-Gas-Verordnung teilfluorierte Kohlenwasserstoffe stufenweise bis 2050 auf null, was Kältemittel wie R404A knapper und teurer macht

Den Ausschlag gibt die novellierte F-Gas-Verordnung, die seit dem 11. März 2024 gilt.[2] Das Regelwerk drückt die in der EU erlaubte Menge teilfluorierter Kohlenwasserstoffe über feste Quoten schrittweise nach unten, bis 2050 auf null. Je knapper das Angebot, desto teurer und schwerer verfügbar wird ein Kältemittel wie R404A mit einem Treibhauspotenzial von rund 3.922.

Für Betreiber zählt vor allem das Servicedatum. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Techniker Anlagen mit einem Treibhauspotenzial ab 2.500 nicht mehr mit Frischware auffüllen. Erlaubt bleibt nur noch rückgewonnenes oder recyceltes Material, und auch das nur bis 2030. Eine undichte Altanlage wird so schnell zum Stillstandsrisiko.

Was steckt in Viessmanns R290-Aggregaten?

Viessmann Refrigeration Solutions stellt die Tecto-Baureihe konsequent auf das natürliche Kältemittel Propan um.[1] Das Gas kommt auf ein Treibhauspotenzial von 3, rund tausendmal weniger als die alten HFKW-Gemische. Die steckerfertigen Wand- und Deckenaggregate der Reihe Tecto RF liefern etwa 0,5 bis 2,7 Kilowatt Kälteleistung im Normalkühlbereich und 0,8 bis 2,3 Kilowatt in der Tiefkühlung.

Propan brennt, deshalb arbeiten die Geräte mit kleinen, gekapselten Füllmengen und einer Heißgas-Abtauung, die den Zyklus kurz und sparsam hält. Damit zielt der Konzern auf Bäckereien, Metzgereien, Supermärkte und die Gastronomie, also genau die Betriebe mit dem größten Umrüstdruck. In der Heiztechnik verfolgt Viessmann einen ähnlichen Kurs und macht die Wärmepumpe zur offenen Energieplattform.

Über die nächste Kühltheke entscheidet die F-Gas-Verordnung, nicht der Prospekt des Herstellers. Betriebe, die den Umstieg auf Propan bis 2030 verschleppen, zahlen ihn später als Notfall.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Betreiber im DACH-Raum jetzt tun sollten

Der Umstieg lässt sich planen statt aussitzen. Betriebe mit R404A oder R507A im Kreislauf führen seit Anfang 2025 eine Anlage, die im Schadensfall nicht mehr regulär befüllt werden darf. Ab dem 1. Januar 2032 folgt die nächste Stufe, dann greift die Servicebeschränkung auch bei Gasen wie R134a und R410A mit einem Treibhauspotenzial ab 750.

Drei Schritte lohnen sich früh:

  • das eingesetzte Kältemittel und dessen GWP-Wert dokumentieren
  • die Restlaufzeit der Bestandsanlage gegen den Sanierungsstau rechnen
  • bei jeder Neuanschaffung direkt auf ein natürliches Kältemittel wie Propan, CO₂ oder Ammoniak setzen

In der Schweiz gilt mit der ChemRRV eine eigene Systematik, die teilfluorierte Kältemittel ähnlich streng behandelt.

Der F-Gas-Fahrplan der EU
Warum die gewerbliche Kälte auf natürliche Kältemittel umsteigt

Treibhauspotenzial im Vergleich (GWP)

3.922
R404A, altes HFKW-Gemisch, im Service seit 2025 beschränkt
1.430
R134a, ab 2032 in der Wartung eingeschränkt
3
R290 (Propan), Viessmanns natürliches Kältemittel

Die Stufen der F-Gas-Verordnung

  • 11.03.2024Die novellierte Verordnung (EU) 2024/573 tritt in Kraft.
  • 01.01.2025Nachfüllverbot für Kältemittel ab einem Treibhauspotenzial von 2.500.
  • 2030Verbot neuer stationärer Kälteanlagen mit Kältemitteln über GWP 150.
  • 2032Servicegrenze ab GWP 750, betrifft auch R134a und R410A.
  • 2050Die erlaubte Menge fluorierter Kältemittel sinkt auf null.

Die Ladenkühlung wird damit zur Investitionsfrage mit festem Fahrplan. Ein früher Wechsel auf Propan spart die Preisaufschläge, die knappe F-Gase in den kommenden Jahren erzeugen.

FAQ: Propan statt F-Gas in der gewerblichen Kälte

Was ist R290 als Kältemittel?

R290 ist die Kältemittel-Bezeichnung für hochreines Propan. Als natürliches Kältemittel kommt es auf ein Treibhauspotenzial von nur 3 und fällt damit nicht unter den HFKW-Abbaupfad der EU-F-Gas-Verordnung. Wegen der Brennbarkeit gelten Grenzen für die Füllmenge und Vorgaben zur Aufstellung.

Warum wird R404A eingeschränkt?

R404A hat ein Treibhauspotenzial von rund 3.922. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Betriebe Anlagen mit einem GWP ab 2.500 nicht mehr mit neuer Ware nachfüllen. Erlaubt bleibt nur noch rückgewonnenes oder recyceltes Material, und auch das nur bis 2030.

Ab wann sind F-Gase in neuen Kälteanlagen verboten?

Ab dem Jahr 2030 untersagt die EU-F-Gas-Verordnung das Inverkehrbringen der meisten neuen stationären Kälteanlagen mit fluorierten Kältemitteln über einem Treibhauspotenzial von 150. Für einzelne Anlagentypen greifen schon vorher strengere Grenzen.

Ist Propan als Kältemittel gefährlich?

Propan ist brennbar, gilt in geschlossenen, gekapselten Systemen mit begrenzter Füllmenge aber als beherrschbar. Steckerfertige Aggregate halten die Menge klein und sind werkseitig dicht geprüft. Für Aufstellung und Wartung gelten festgelegte Sicherheitsabstände und Belüftungsregeln.

Lohnt sich die Umrüstung auf natürliche Kältemittel?

Die Kosten hängen von Größe und Zustand der Anlage ab, weshalb eine pauschale Zahl in die Irre führt. Wirtschaftlich entscheidend ist der Vergleich zwischen Sanierung der Altanlage und Neukauf. Steigende Preise für knappe F-Gase verschieben diese Rechnung zunehmend zugunsten des Neugeräts.

Quellen

[1] Viessmann Refrigeration Solutions: „Economical, innovative and climate-friendly: Viessmann’s new Tecto RF WMx3 refrigeration units“

[2] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase (F-Gas-Verordnung)

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