Wind und Solar lieferten 2025 in Deutschland erstmals mehr Strom als alle fossilen Kraftwerke zusammen. 225 Terawattstunden standen 217 Terawattstunden aus Kohle, Gas und Öl gegenüber. In der Stromrechnung deutscher Betriebe schlägt sich der Rekord bisher nicht nieder.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWind und Solar deckten 2025 rund 44 Prozent der deutschen Stromerzeugung ab, die fossilen Kraftwerke 43 Prozent. Das Londoner Energy Institute weist den Führungswechsel in seinem Statistical Review of World Energy aus.[1] Im ersten Halbjahr 2026 ist der Abstand weiter gewachsen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wind- und Solaranlagen erzeugten 2025 zusammen 225 Terawattstunden, die fossilen Kraftwerke 217.
- Im ersten Halbjahr 2026 stammten 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.
- Der volumengewichtete Börsenstrompreis stieg dennoch von 86,64 auf 93,70 Euro je Megawattstunde.
- Das Netzengpassmanagement kostete 2025 rund 3,07 Milliarden Euro und belastet über die Netzentgelte jede gewerbliche Stromrechnung.
Wie haben Wind und Solar die Fossilen überholt?

Ein Prozentpunkt Vorsprung. Wind- und Solaranlagen speisten 2025 zusammen 225 Terawattstunden ein, Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke kamen auf 217 Terawattstunden. Kohle deckte um die Jahrtausendwende noch über die Hälfte der deutschen Erzeugung und liegt heute bei gut einem Fünftel. Den Ausschlag gaben zwei Jahrzehnte Zubau bei Photovoltaik und Windkraft an Land.
Das Tempo steigt. Im ersten Halbjahr 2026 stammten 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, meldet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme.[2] Windräder lieferten 67,4 Terawattstunden nach 60,1 im Vorjahreszeitraum, Photovoltaikanlagen mit 43,2 Terawattstunden so viel wie in keinem Halbjahr zuvor. Ab 2027 müssen neue Solaranlagen ihren Strom ohnehin selbst vermarkten.
Warum steigt der Strompreis trotz Rekordanteil?
Der Mittelwert täuscht. Der volumengewichtete Börsenstrompreis kletterte im ersten Halbjahr 2026 von 86,64 auf 93,70 Euro je Megawattstunde. Die Volumengewichtung erklärt den scheinbaren Widerspruch, denn jede Stunde geht mit dem Verbrauch genau dieser Stunde in den Schnitt ein. Windarme Januar- und Februartage mit hoher Last prägen den Preis deshalb stark, sonnenreiche Mittagsstunden mit niedriger Last kaum. Ein Jahresanteil von 44 Prozent sagt nichts darüber, wie teuer die Stunden ausfallen, in denen ein Betrieb tatsächlich einkauft.
Zwischen Februar und März 2026 zog der Gaspreis um 48 Prozent an, der Börsenstrompreis blieb vergleichsweise ruhig. Das Fraunhofer ISE führt diese Entkopplung auf den hohen Erneuerbaren-Anteil zurück. Am Außenhandel zeigt sich derselbe Befund, denn der Importsaldo sank von 9,6 Terawattstunden im ersten Halbjahr 2025 auf 1,3 Terawattstunden. Für die teuren Abendstunden fehlen trotzdem Speicher. EnBW rüstet dafür ein 100 Jahre altes Pumpspeicherwerk im Schwarzwald auf.
Erzeugung 2025 im Vergleich
Erstes Halbjahr 2026 in fünf Werten
Der Jahresanteil von 44 Prozent steht in jeder Pressemitteilung, den Einkaufspreis eines Betriebs bestimmen dagegen die windarmen Februarwochen. Genau dort fehlen Deutschland bis heute Speicher und Leitungen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeuten Wind und Solar für deutsche Unternehmen?
Netzkosten steigen mit. Das Netzengpassmanagement kostete 2025 rund 3,07 Milliarden Euro, vier Prozent mehr als im Vorjahr, rechnet die Bundesnetzagentur vor.[3] Allein 433 Millionen Euro entfielen auf Entschädigungen für abgeregelte Wind- und Solaranlagen, 3,5 Prozent der erneuerbaren Erzeugung gingen auf diesem Weg verloren. Über die Netzentgelte landen solche Summen in jeder gewerblichen Stromrechnung, und der Ausbau treibt sie weiter: E.ON steckt bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in die Verteilnetze.
Zwei Hebel wirken. Verlagern Sie energieintensive Schritte in die Mittagsstunden, dann sinken die Beschaffungskosten am schnellsten, weil der Solarstrom dort den Preis drückt. Australien schreibt seinen Versorgern inzwischen sogar drei Gratisstunden am Mittag vor. Für die längere Perspektive kommen feste Lieferverträge in Betracht: dm hat sich zehn Jahre an einen eigenen Solarpark gebunden und kauft den Strom förderfrei.
Der Rekord ist kein Preissignal. Prüfen Sie zuerst, in welchen Stunden Ihr Betrieb tatsächlich Strom bezieht, und legen Sie das Lastprofil neben die Halbjahresdaten der Energy-Charts. Erst danach lohnt der Blick auf dynamische Tarife oder einen Direktliefervertrag.
Quellen
[1] Energy Institute: „Statistical Review of World Energy 2026“
[2] Fraunhofer ISE: „Nettostromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: Solarstrom europaweit auf dem Vormarsch“
[3] Bundesnetzagentur: „Netzengpassmanagement 2025: Maßnahmenvolumen im Gesamtjahr stabil“
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