dm bezieht künftig Solarstrom direkt aus einem neuen Park in Bayern, komplett ohne EEG-Förderung. Der Zehn-Jahres-Vertrag mit Energiekontor und EHA zeigt, wie Unternehmen ihre Grünstromversorgung selbst absichern, ausgerechnet während der Markt für solche Direktverträge das zweite Jahr in Folge schrumpft.

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Ein Grünstrom-PPA über gut 13 Gigawattstunden im Jahr steht seit dem 22. Juli 2026 zwischen dm, EHA und dem Projektentwickler Energiekontor. Der Strom kommt aus einem Solarpark, der erst noch gebaut wird, und fließt zehn Jahre lang ohne einen Cent staatlicher Förderung. Für Entscheider ist weniger der einzelne Park interessant als die Beschaffungslogik dahinter.

Das Wichtigste in Kürze

  • dm sichert sich per Stromabnahmevertrag über zehn Jahre den Ertrag eines neuen Solarparks in Kolitzheim-Herlheim (Bayern), rund 11 Megawattpeak.
  • Der Park liefert ab dem ersten Halbjahr 2027 über 13 Gigawattstunden Grünstrom im Jahr und spart rechnerisch etwa 9.000 Tonnen CO2.
  • Der Vertrag läuft komplett förderfrei, also zu Marktpreisen statt mit EEG-Vergütung.
  • Laut Deutscher Energie-Agentur ist der deutsche PPA-Markt 2025 auf 1,3 Gigawatt gefallen, nach 3,8 Gigawatt im Spitzenjahr 2023.

Was steckt hinter dem Direktvertrag?

Einkaufskorb, verbunden mit Solarmodul und Preisschild „10 Jahre Festpreis“
Solarpark Kolitzheim: Energiekontor baut, EHA verwaltet, dm kauft Strom für zehn Jahre. Inbetriebnahme H1 2027

Energiekontor baut den Solarpark, EHA übernimmt die energiewirtschaftliche Abwicklung samt Bilanzkreisführung, und dm nimmt den erzeugten Strom über zehn Jahre ab. Der Park entsteht in Kolitzheim im Landkreis Schweinfurt und geht im ersten Halbjahr 2027 ans Netz.

Die drei Partner teilen sich klar getrennte Rollen. Energiekontor entwickelt und errichtet die rund 11 Megawattpeak große Anlage, EHA strukturiert die physische Lieferung und speist die Mengen in das Bilanzkreisportfolio von dm ein, sodass der Grünstrom direkt in die Filialversorgung fließt.[1]

Zusätzliche Kapazität entsteht dabei bewusst. Der Park wird eigens für diesen Abnahmevertrag gebaut, nicht aus einem Bestand herausverkauft. Genau diese Zusätzlichkeit unterscheidet ein solches Power Purchase Agreement von einem Ökostromtarif, bei dem oft nur Herkunftsnachweise den Besitzer wechseln.

Warum kauft dm den Strom direkt beim Erzeuger?

Ein PPA sichert dm über zehn Jahre einen kalkulierbaren Strompreis und echten Grünstrom aus neuer Erzeugung. So umgeht der Händler die Schwankungen des Börsenstroms und erfüllt zugleich die wachsenden Nachweispflichten zur Dekarbonisierung seiner Lieferkette.

Preissicherheit ist das erste Argument. Ein für zehn Jahre festgeschriebener Strompreis entkoppelt einen Teil der Energiekosten von Börsenspitzen und geopolitischen Schocks. So entsteht Planungssicherheit, die ein kurzfristiger Beschaffungsmix nicht bietet.

Dazu kommt der Bilanzeffekt. Unter Regelwerken wie der CSRD müssen Unternehmen die indirekten Emissionen aus ihrem Stromeinkauf ausweisen und senken, und ein Vertrag über eigens gebaute Erzeugung liefert dafür einen belastbaren Nachweis. „Hochwertige Solarprojekte in Deutschland können auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich realisiert werden“, sagt Peter Szabo, Vorstandsvorsitzender von Energiekontor.

Ein Solarpark, der nur für einen Abnehmer gebaut wird, ist kein grünes Etikett, sondern harte Beschaffungsstrategie. Genau das trennt ernst gemeinte Nachhaltigkeit vom Zertifikatehandel.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Grünstrom per Direktvertrag: dm und der Solarpark Kolitzheim-Herlheim
Ein förderfreies Solarprojekt versorgt zehn Jahre lang die Filialen.
11 MWp
installierte Leistung des Solarparks
13 GWh
Grünstrom pro Jahr für die Filialversorgung
10 Jahre
feste Laufzeit des Stromabnahmevertrags
9.000 t
vermiedenes CO2 pro Jahr (rechnerisch)

Der deutsche PPA-Markt schrumpft

2023
3,8 GW
2024
2,2 GW
2025
1,3 GW
Im europäischen Vergleich ist Deutschland auf Platz 4 zurückgefallen, hinter Spanien, Italien und Polen.

Der Markt schrumpft, die Strategie überzeugt trotzdem

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Laut der PPA-Marktanalyse der Deutschen Energie-Agentur sind 2025 nur noch 27 solcher Verträge über zusammen 1,3 Gigawatt zustande gekommen, nach 51 Abschlüssen mit 2,2 Gigawatt im Vorjahr und einem Rekord von 3,8 Gigawatt im Jahr 2023.[2] Deutschland ist damit in Europa hinter Spanien, Italien und Polen auf Platz vier zurückgefallen.

Fallende Preise und das Risiko negativer Börsenpreise in sonnenreichen Stunden drücken vor allem auf reine Solarprojekte ohne Speicher. Dass dm gerade jetzt abschließt, zeigt, wie unterschiedlich Erzeuger und industrielle Abnehmer die Lage bewerten. Zugleich verschiebt sich das Kapital großer Versorger zurück in deutsche Netze, während EnBW sein Ökostromgeschäft im Norden verkauft und sich Genehmigungen für neue Windparks stapeln.

Für Entscheider im Mittelstand ergibt sich eine klare Prüffrage. Ist der eigene Stromverbrauch groß und über Jahre planbar, kann ein langfristiger Direktvertrag die Energiekosten stabilisieren und den Dekarbonisierungsnachweis liefern, den Kunden und Regulierer zunehmend verlangen. Schwankt der Verbrauch, bleibt der Bezug über die Börse oder ein Speichermodell die flexiblere Wahl, zumal die Versorgungslücke nach dem Kohleausstieg die Preise ohnehin in Bewegung hält.

Quellen

[1] Energiekontor AG: „Energiekontor, EHA und dm setzen auf langfristige Grünstromlieferung aus Solarpark Kolitzheim-Herlheim“ (EQS-News, 22. Juli 2026)

[2] Deutsche Energie-Agentur (Dena): „PPA-Marktanalyse 2025“

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