Oracle stellt die Stromversorgung des KI-Rechenzentrums Project Jupiter in New Mexico mitten im laufenden Bau um. Statt Gasturbinen und Dieselgeneratoren liefern künftig Brennstoffzellen bis zu 2,45 Gigawatt. Der Umbau legt offen, woran die Kalkulation großer KI-Rechenzentren tatsächlich hängt.

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Oracles Brennstoffzellen in Doña Ana County ersetzen eine Kraftwerksplanung, die bereits feststand. Bloom Energy liefert die Anlagen, der gesamte Campus läuft danach als ein einziges Inselnetz statt als Verbund aus Turbinen und Notstromaggregaten.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis zu 2,45 Gigawatt Brennstoffzellen ersetzen die geplanten Gasturbinen und Dieselgeneratoren.
  • Die Stickoxid-Emissionen sinken dadurch um rund 92 Prozent.
  • Oracles Investitionen sind im Geschäftsjahr 2026 auf 48,5 Milliarden Euro gestiegen, nach 18,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
  • Für das laufende Geschäftsjahr sind 78 bis 83 Milliarden Euro geplant.

Warum wirft Oracle die Gasturbinen aus der Planung?

Alter Stromzähler mit
Brennstoffzellenkraftwerk reduziert Stickoxid-Emissionen um 92 Prozent und spart Wasser gegenüber herkömmlichen Gaskraftwerken

Wasser und Luft haben den Ausschlag gegeben. Der Standort liegt in einer Wüstenregion, in der Anwohner den Wasserverbrauch und die Luftqualität eines Gaskraftwerks zum Politikum gemacht haben. Brennstoffzellen erzeugen Strom elektrochemisch statt durch Verbrennung.

Der Effekt zeigt sich in beiden Streitpunkten: Die Stickoxid-Emissionen sinken um etwa 92 Prozent, der Wasserbedarf auf eine vernachlässigbare Menge.[1] Dazu kommen 43,5 Millionen Euro für lokale Wassersysteme und 313 Millionen Euro für Schulen und Infrastruktur.

Die Rechnung für den Strom trägt Oracle vollständig. Genau das ist der Punkt, an dem aus einem Umweltzugeständnis eine Bilanzfrage wird.

Woran scheitert die Kalkulation von KI-Rechenzentren?

Nicht an den Chips. Grafikprozessoren lassen sich bestellen, Kraftwerksleistung nicht. Genehmigungen und lokaler Widerstand entziehen sich der Planung, und jede Umplanung im laufenden Bau schlägt direkt auf die Investitionssumme durch.

Die Größenordnung steht in Oracles eigener Bilanz: Die Investitionen haben sich im Geschäftsjahr 2026 mehr als verdoppelt, der freie Mittelzufluss ist dabei tief ins Minus gerutscht.[2] Das US-Fachmedium The Information hat berichtet, der Wechsel auf Brennstoffzellen koste Oracle mehrere Milliarden mehr als die Turbinenplanung; Oracle hat dazu keine Zahlen genannt.

Das Muster wiederholt sich in der ganzen Branche. Meta lässt sein Rechenzentrum in Louisiana von zehn eigenen Gaskraftwerken versorgen, Microsoft bezieht von Chevron ein Kraftwerk ganz ohne Netzanschluss, und der Bundesstaat New York hat als erster ein Moratorium für neue Rechenzentren verhängt. Die Ratingagentur S&P hat Oracle bereits auf BBB- herabgestuft und dabei ausdrücklich auf unterschätzte Investitionen verwiesen.

Project Jupiter: Was der Umbau der Stromversorgung bedeutet
Oracle ersetzt in New Mexico Gasturbinen durch Brennstoffzellen. Die Zahlen dahinter.
2,45 GW
Brennstoffzellen-Leistung ersetzen Gasturbinen und Dieselgeneratoren
92 %
weniger Stickoxide gegenüber der ursprünglichen Turbinenplanung
357 Mio. €
für lokale Wassersysteme, Schulen und Infrastruktur zugesagt

Oracles Investitionen je Geschäftsjahr

Geschäftsjahr 2025
18,4 Mrd. €
Geschäftsjahr 2026
48,5 Mrd. €
Geschäftsjahr 2027 (Planung)
78 bis 83 Mrd. €
Zum Vergleich: Stromverbrauch aller Rechenzentren in Deutschland 2025
21 Mrd. kWh
Der Netzanschluss ist hierzulande der längere Zeitfresser, nicht die Baugenehmigung.

Rechenleistung kauft man ein, Kraftwerksleistung verhandelt man mit einer Region. Diese zweite Verhandlung entscheidet inzwischen über die Rendite eines KI-Rechenzentrums.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Rechenzentren im deutschsprachigen Raum?

Der Engpass sieht hier anders aus, wirkt aber genauso. Deutsche Rechenzentren haben 2025 rund 21 Milliarden Kilowattstunden verbraucht, und im Rhein-Main-Korridor dauert die Zusage der Anschlussleistung regelmäßig länger als die Genehmigung selbst.

Seit Januar 2026 verlangen die Übertragungsnetzbetreiber im Reifegradverfahren einen Nachweis über Planungsstand, Genehmigungsfortschritt und Finanzierung, bevor sie eine verbindliche Anschlusszusage erteilen. Parallel schreibt das Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren, die seit dem 1. Juli 2026 in Betrieb gehen, binnen zwei Jahren eine Energieverbrauchseffektivität von 1,2 vor, dazu zehn Prozent Abwärmenutzung und ab 2027 Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen.[3]

Wirtschaftlich gilt dasselbe wie in New Mexico: Die Energiefrage gehört an den Anfang der Kalkulation. RWE will Rechenzentren am Netzausbau beteiligen, Siemens steckt 300 Millionen Euro in Schaltanlagen, und bei SFC Energy lösen Brennstoffzellen den Dieselgenerator ab.

Prüfen Sie bei jedem Cloud- oder Colocation-Vertrag, wie der Anbieter seine Stromversorgung ab 2027 abgesichert hat und wer die Kosten einer nachträglichen Umplanung trägt. Ein Blick auf die größten Rechenzentren Deutschlands zeigt, wie eng Standortwahl und Netzanschluss inzwischen zusammenhängen.

Quellen

[1] Oracle: „Oracle, BorderPlex, and Bloom Energy to Power Project Jupiter with Cleaner, Water-Efficient Fuel Cell Technology“

[2] Oracle Corporation: Form 8-K, Geschäftsergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 (SEC EDGAR)

[3] Bundesministerium der Justiz: Energieeffizienzgesetz, § 11 Anforderungen an Rechenzentren

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