Siemens steckt 300 Millionen Euro in zwei Werke im Rhein-Main-Gebiet und schafft dort bis 2030 rund 700 Arbeitsplätze. Gebaut wird keine Chiptechnik, sondern Schalttechnik für die Stromverteilung.

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1,9 Milliarden Euro Auftragseingang aus dem Rechenzentrumsgeschäft in einem einzigen Quartal: Diese Zahl erklärt, warum Siemens seine Schaltanlagen-Fertigung in Frankfurt und Offenbach ausbaut. Der Bagger rollt noch in diesem Monat an.

Das Wichtigste in Kürze

  • 300 Millionen Euro fließen in das Schaltanlagenwerk Frankfurt-Fechenheim und ein neues Zulieferwerk in Offenbach.
  • Bis 2030 sollen an beiden Standorten rund 700 Arbeitsplätze entstehen, von der Fertigung bis zur Logistik.
  • Im zweiten Quartal 2026 hat Siemens im Rechenzentrumsgeschäft 1,9 Milliarden Euro Auftragseingang verbucht.
  • Seit Januar 2026 verbietet die EU neue SF6-isolierte Mittelspannungsanlagen bis 24 Kilovolt.

Warum steckt Siemens 300 Millionen Euro in Schalttechnik?

Alter Industrieschalter auf
Siemens investiert 300 Millionen Euro in Expansion: Ausbau des Werks Frankfurt-Fechenheim und neues Zulieferwerk in Offenbach schaffen bis 2030 etwa 700 Arbeitsplätze

Siemens erweitert das bestehende Schaltanlagenwerk Frankfurt-Fechenheim und errichtet sechs Kilometer entfernt in Offenbach ein neues Zulieferwerk. Beide Vorhaben zusammen kosten 300 Millionen Euro und sollen bis 2030 rund 700 Arbeitsplätze schaffen.

Aus den Hallen kommen Energieverteilungssysteme: gasisolierte Last- und Leistungsschalttechnik sowie Varianten ohne fluorierte Treibhausgase, die stattdessen mit dem Isoliergas Clean Air arbeiten.[1] Der Konzern hat den Baustart auf Juli 2026 gelegt.

In Offenbach soll die Produktion im Frühjahr 2027 anlaufen, die neue Frankfurter Halle im Oktober 2027 fertig sein. Der Auftragsbestand gibt den Takt vor: Im ersten Halbjahr 2026 ist der Umsatz mit Rechenzentren um mehr als 45 Prozent gestiegen.

Siemens-Vorstandsvorsitzender Roland Busch begründet die Standortwahl mit gewachsener Fertigungserfahrung: „Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Technologie, Know-how und Erfahrung zusammenkommen.“

Wo klemmt es beim Anschluss von KI-Rechenzentren?

Nicht bei den Chips, sondern beim Strom. Große Transformatoren haben Lieferzeiten von bis zu vier Jahren, und in Ballungsräumen wie Frankfurt sind leistungsstarke Netzanschlüsse für Jahre vergeben.

Ein großes Rechenzentrum hängt nicht einfach an einer Leitung, sondern braucht ein eigenes Umspannwerk samt abgesicherter Reserven. Das vorgelagerte Netz muss die Last ebenfalls tragen. Wie groß diese Anlagen inzwischen ausfallen, zeigt der Blick auf die zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Genau an dieser Stelle sitzen Schaltanlagen, und genau dorthin ist der Engpass gewandert. RWE-Chef Markus Krebber hat deshalb gefordert, Rechenzentren am Netzausbau zu beteiligen, und New York hat als erster US-Bundesstaat ein Moratorium für neue Anlagen verhängt.

Die Dimensionen erklären den Rückstau: Hochtief errichtet für Meta gerade einen Campus mit fünf Gigawatt Anschlussleistung, und Japan hat für seine erste nationale KI-Infrastruktur 27.500 GPUs beschafft.

Der Flaschenhals der KI liegt längst nicht mehr in der Chipfabrik, sondern im Umspannwerk. Siemens verkauft hier keine Zukunftsvision, sondern Bauteile, auf die Betreiber heute jahrelang warten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Siemens baut die Stromverteilung für KI-Rechenzentren aus
300 Millionen Euro für Frankfurt und Offenbach, getrieben vom Auftragsbestand

Die Zahlen hinter der Investition

300 Mio. €
Investition in das Werk Frankfurt-Fechenheim und ein neues Zulieferwerk in Offenbach
700
neue Arbeitsplätze bis 2030 an beiden Standorten, von Fertigung bis Logistik
1,9 Mrd. €
Auftragseingang im Rechenzentrumsgeschäft allein im zweiten Quartal 2026
+45 %
Umsatzplus mit Rechenzentren im ersten Halbjahr 2026

Der Zeitplan bis zur Serienfertigung

Schritt 1
Juli 2026
Baustart an beiden Standorten im Rhein-Main-Gebiet
Schritt 2
Frühjahr 2027
Produktionsstart im neuen Zulieferwerk Offenbach
Schritt 3
Oktober 2027
Fertigstellung der neuen Halle in Frankfurt-Fechenheim
Schritt 4
2030
Zielmarke von 700 zusätzlichen Arbeitsplätzen erreicht
Der regulatorische Stichtag

Seit dem 1. Januar 2026 dürfen in der EU keine neuen SF6-isolierten Mittelspannungsschaltanlagen bis 24 Kilovolt mehr in Betrieb genommen werden. Für die Ebene bis 52 Kilovolt gilt die Sperre ab dem 1. Januar 2030. Der Ausbau ist deshalb auch ein Technologiewechsel hin zu F-Gas-freier Schalttechnik.

Was ändert die F-Gas-Verordnung für Betreiber?

Seit dem 1. Januar 2026 dürfen neue SF6-isolierte Mittelspannungsschaltanlagen bis 24 Kilovolt in der EU nicht mehr in Betrieb genommen werden. Für die Ebene darüber bis 52 Kilovolt greift dieselbe Sperre ab dem 1. Januar 2030.

Grundlage ist die EU-Verordnung 2024/573.[2] Damit ist der Frankfurter Ausbau kein reiner Kapazitätszuwachs, sondern ein Technologiewechsel unter Zeitdruck. Neue Projekte kommen an F-Gas-freier Technik nicht mehr vorbei.

Für Entscheider mit eigener Serverfläche oder Colocation-Verträgen folgen daraus zwei Prüfpunkte:

  • Netzanschluss und Schaltanlagen früher beschaffen als die IT-Hardware, weil die Lieferzeiten dort um Jahre länger liegen.
  • Bei Erweiterungen bestehender Anlagen klären, ob die Ausnahmeregelung der F-Gas-Verordnung greift oder die komplette Anlage getauscht werden muss.

Prüfen Sie bei anstehenden Rechenzentrums- oder Serverraum-Projekten zuerst den Zeitplan des Netzanschlusses, nicht den Lieferstatus der Server. Die Frankfurter Baustelle zeigt, wo der Markt gerade eng ist.

Quellen

[1] Siemens: „Siemens investiert 300 Millionen Euro in Deutschland und schafft 700 Arbeitsplätze“

[2] Amtsblatt der Europäischen Union: Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase

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