Max aus Musterhausen bestellt sich einen BYD Atto 3 für rund 40.000 Euro und hat dabei ein schlechtes Gewissen. Das Auto fährt gut, der Preis war attraktiv, aber die Frage bleibt, ob das eine vernünftige Entscheidung ist oder eine, die er in drei Jahren bereuen wird.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDieser Artikel beantwortet die Frage ohne Pauschalurteile. Wir vergleichen Garantiebedingungen, Restwerte, Datenschutzrisiken, Ersatzteilversorgung und Finanzierungsoptionen, jeweils mit belegbaren Zahlen und ohne einen Hersteller zu schonen.
Was spricht für ein chinesisches Elektroauto?

Chinesische Elektroautos bieten messbar bessere Fahrzeuggarantien, großzügige Serienausstattungen und niedrigere Kaufpreise als vergleichbare deutsche Modelle. Euro NCAP bewertet MG4, BYD Seal und Xpeng G6 mit fünf Sternen.[4]
Der BYD Atto 3 startet ab rund 38.000 Euro, der MG4 ab rund 32.000 Euro. Beide Fahrzeuge kommen serienmäßig mit Wärmepumpe, Head-up-Display, kabellosen Ladepads und aktuellen Fahrerassistenzsystemen, Ausstattungsmerkmale, für die deutsche Hersteller teilweise Aufpreise verlangen.
Bei der Fahrzeuggarantie liegt China klar vorn. MG bietet 7 Jahre[7], BYD 6 Jahre[6] und Xpeng 7 Jahre auf das Gesamtfahrzeug. BMW, Mercedes und VW garantieren gesetzlich vorgeschriebene 2 Jahre und bieten eine Garantieverlängerung nur gegen Aufpreis an.[5]
Bei der Batteriegarantie sind chinesische und deutsche Hersteller gleichauf. BYD garantiert 8 Jahre oder 250.000 km[6], MG 7 Jahre oder 150.000 km[7], Xpeng 8 Jahre oder 160.000 km. BMW bietet 8 Jahre oder 160.000 km, Mercedes EQS 10 Jahre oder 250.000 km.[5]
Fahrzeug- und Batteriegarantie im direkten Vergleich – Stand: 2026
Welche Risiken trägt, wer ein China-E-Auto kauft?

Das größte belegte Risiko ist der Restwert: Die DAT dokumentiert 47,2 Prozent nach vier Jahren, verglichen mit 54 Prozent Marktdurchschnitt. Dazu kommen Datenschutzfragen, ein dünnes Servicenetz außerhalb der Großstädte und eine unsichere Marktpräsenz chinesischer Marken ab 2030.
Der Unterschied beim Restwert ist real und messbar. Die DAT beobachtete den durchschnittlichen Restwert chinesischer Elektroautos in Deutschland innerhalb von zwei Jahren, von 61 Prozent auf 47,2 Prozent.[1] Wer ein chinesisches Elektroauto für 40.000 Euro kauft, verliert nach vier Jahren rund 21.100 Euro an Wert.
Laut einer Konsumenten-Befragung im DAT-Report 2026 befürchtet fast jeder zweite Befragte, dass viele chinesische Marken in den nächsten Jahren wieder vom deutschen Markt verschwinden werden.[1] Das Risiko eines Marktaustritts ist bei chinesischen Marken real – und drückt den kalkulierten Restwert vorsorglich nach unten.
EU-Ausgleichszölle seit November 2024 belasten die Margen der Hersteller. BYD trägt 17,0 Prozent, Geely 18,8 Prozent, SAIC den höchsten Satz von 35,3 Prozent.[3] BYD subventioniert die Zölle aktuell quer; wie lange das anhält und ob Preissteigerungen folgen, ist offen.
Datenschutz: Kein Gerücht, sondern Gesetz
Die chinesische Norm GB/T 32960 verpflichtet seit Januar 2017 alle in China verkauften Elektrofahrzeuge zur Echtzeit-Übermittlung von Fahrzeugdaten an die staatliche NDANEV-Plattform. GPS-Position, Ladestatus, Geschwindigkeit und Batterieparameter werden kontinuierlich übermittelt, für jedes Fahrzeug, das in China produziert und verkauft wird.[9]
Das chinesische Cybersicherheitsgesetz (Artikel 28, in Kraft seit 2017) verpflichtet Betreiber von Netzinfrastruktur zur technischen Zusammenarbeit mit staatlichen Sicherheitsbehörden.[8] Die bidirektionale Datenverbindung, die GB/T 32960 voraussetzt, macht eine Datenweitergabe an Behörden konstruktiv möglich.
BYD und MG erklären, ihre EU-Marktfahrzeuge kommunizierten nicht mit chinesischen Servern. Unabhängige Audits, die diese Aussagen belegen, liegen nicht vor. EU-Regulierer stellten 2023 fest, dass mehrere chinesische Fahrzeuge in Europa weiterhin Verbindungen zu chinesischen Servern aufbauten.
Für Privatpersonen ist das Datenschutzrisiko weitgehend theoretischer Natur. Für Führungskräfte, Anwälte oder Personen mit beruflich schützenswerten Informationen besteht ein konkreter Handlungsbedarf, der eine ehrliche Bewertung vor der Kaufentscheidung erfordert.
Warum werden Ersatzteile bei China- und Korea-Autos zum Problem?

Ersatzteile für chinesische und koreanische Elektroautos kommen regelmäßig mit Wartezeiten von vier Wochen und länger an. Das Problem ist keine Qualitätsfrage, sondern eine der Logistik: Regionale Zentrallager in Deutschland fehlen weitgehend.
Deutsche Hersteller unterhalten dichte Logistiknetzwerke mit Regionallagern, die Werkstätten innerhalb von 24 bis 48 Stunden beliefern. Für chinesische Marken gilt das nicht: Viele Teile werden direkt aus Asien geordert, was die Lieferzeit erheblich verlängert.
Das Problem betrifft nicht ausschließlich chinesische Marken. Auch bei koreanischen Herstellern wie Hyundai und Kia sind Wartezeiten von drei bis sechs Wochen für spezifische Elektroauto-Komponenten dokumentiert, insbesondere für Teile der Hochvoltarchitektur.
Für Privatpersonen bedeutet ein vierwöchiger Werkstattaufenthalt hauptsächlich Unannehmlichkeit. Für gewerbliche Nutzer kann ein stehendes Fahrzeug Kosten für Ersatzwagen oder ausgefallene Termine bedeuten, die den ursprünglichen Kaufpreisvorteil aufzehren.
Was kostet ein China-E-Auto nach Rabatten wirklich?

Nach einem typischen Händlerrabatt von 22 Prozent auf den deutschen Listenpreis und dem Restwert nach vier Jahren beträgt der reale Kostenvorteil gegenüber einem vergleichbaren deutschen Modell rund 9.400 Euro. Nicht 45.000 Euro.
Der Ausgangspunkt ist trügerisch. Ein BYD Atto 3 kostet rund 40.000 Euro, ein vergleichbares deutsches Elektroauto in der Oberklasse rund 85.000 Euro. Der scheinbare Abstand beträgt 45.000 Euro, auf Listenpreise kauft man in Deutschland jedoch fast nie.
Deutsche Hersteller gewähren im Schnitt Händlerrabatte von 20 bis 25 Prozent. Nach einem typischen Rabatt von 22 Prozent kostet das deutsche Fahrzeug effektiv 66.300 Euro, der Abstand schrumpft damit auf rund 26.300 Euro. Chinesische Marken dagegen gewähren deutlich geringere Rabatte, typischerweise unter fünf Prozent.
Der Restwert nach vier Jahren ist der letzte Rechenschritt. Das China-Fahrzeug verliert im Schnitt 52,8 Prozent seines Wertes (Restwert 47,2 Prozent), der Käufer spürt effektiv 21.100 Euro Wertverlust. Das deutsche Fahrzeug verliert 46 Prozent (Restwert 54 Prozent), also 30.500 Euro Wertverlust. Der reale Vorteil des chinesischen Fahrzeugs beträgt rund 9.400 Euro nach vier Jahren, vorausgesetzt, der Hersteller ist noch am Markt.
Listenpreis, Händlerrabatt und Restwert: Drei Schritte zur echten Zahl
Kaufpreis minus Wiederverkaufswert
(China 47,2 %, Deutschland 54 %)
von rund 9.400 Euro über vier Jahre. Vorausgesetzt, der Hersteller ist noch am Markt.
Kaufen, finanzieren oder leasen: Welche Variante passt zu welchem Hersteller?

Für ein chinesisches Elektroauto empfiehlt sich grundsätzlich der Kauf: Der Kaufpreis ist niedriger und das Restwertrisiko trägt der Käufer selbst. Leasing ist bei vielen Anbietern gar nicht möglich, weil belastbare Restwertprognosen für chinesische Marken fehlen.
Beim Kauf liegt das Restwertrisiko beim Käufer. Das ist bei chinesischen Elektroautos nachteilig, aber der niedrigere Kaufpreis relativiert den Nachteil. Wer ein China-EV kauft und nach vier Jahren weiterverkauft, verliert real rund 21.100 Euro. Das ist der Boden, der sich vorher kalkulieren lässt.
Beim Leasing trägt das Restwertrisiko die Leasinggesellschaft. Viele große Leasinganbieter in Deutschland akzeptieren chinesische Elektroautos deshalb nicht oder bieten nur deutlich ungünstigere Konditionen an. Wer auf Leasing angewiesen ist, sollte frühzeitig anfragen, ob das gewünschte Modell überhaupt finanzierbar ist.
Für gewerbliche Nutzer ist die steuerliche Seite entscheidend. Die 0,25-Prozent-Regel gilt für alle reinen Elektrofahrzeuge, unabhängig von der Marke. Gewerbetreibende versteuern den geldwerten Vorteil bei BYD, MG oder Xpeng mit denselben 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises wie bei BMW oder Audi.
Bei deutschen Herstellern ist Leasing oft die bessere Wahl. Leasinggesellschaften kennen die Restwerte, können günstiger kalkulieren und bieten entsprechend niedrigere Monatsleasingraten an. Wer flexibel bleiben und das Fahrzeug nach drei oder vier Jahren zurückgeben will, fährt mit einem deutschen Elektroauto in vielen Fällen günstiger.
Wer kauft überhaupt Elektroautos wirklich?

Der Elektroauto-Markt in Deutschland war lange ein vorwiegend gewerblicher Markt. Wer privat kauft, hat keinen Steuervorteil durch die 0,25-Prozent-Regel und trägt das Restwertrisiko allein.
Betriebe, Flotten und Selbstständige hatten die 0,25-Prozent-Regelung genutzt und sich günstige Leasingverträge gesichert. Mit steigender BEV-Verfügbarkeit und sinkenden Preisen wächst auch der Anteil privater Käufer bei Elektroauto-Neuzulassungen.[2][11]
Für Flottenfahrer und gewerbliche Nutzer rechnet sich ein Elektroauto unabhängig von der Marke. Die Steuerersparnis durch die 0,25-Prozent-Regel ist bei jedem BEV gleich. Ein BYD im Fuhrpark wird steuerlich identisch behandelt wie ein BMW, der Kaufpreisvorteil des BYD bleibt vollständig erhalten.
Für Privatpersonen sieht die Rechnung anders aus. Es gibt keinen Steuervorteil, der den niedrigeren Kaufpreis ergänzt. Das Restwertrisiko trägt der Käufer vollständig selbst. Wer ein chinesisches Elektroauto privat kauft, sollte mit einem Haltezeitraum von mindestens drei bis vier Jahren rechnen und vorab sicherstellen, dass ein autorisierter Servicebetrieb erreichbar ist.
Wann ist Made in Germany immer noch die bessere Wahl?

Ein deutsches Elektroauto ist die klarere Wahl, wenn Sie auf Leasing angewiesen sind, im ländlichen Raum wohnen, beruflich schützenswerte Informationen im Fahrzeug transportieren oder das Auto länger als fünf Jahre halten wollen.
Das Servicenetz macht den größten praktischen Unterschied. BMW, Mercedes und VW haben in Deutschland jeweils mehrere Tausend autorisierte Werkstätten. MG betreibt über 200, BYD über 200 und Xpeng rund 40 bis 100 autorisierte Servicepunkte (Stand Mitte 2026, alle Netze im Aufbau). In ländlichen Regionen kann das bedeuten, dass der nächste autorisierte Servicebetrieb mehr als 100 Kilometer entfernt liegt.
Leasen ist bei deutschen Elektroautos deutlich unkomplizierter. Leasinggesellschaften kennen die Restwerte für BMW, Mercedes und Audi, können günstiger kalkulieren und bieten entsprechend niedrigere Monatsleasingraten an. Wer flexibel bleiben und das Fahrzeug nach drei oder vier Jahren zurückgeben will, spart mit einem deutschen Fahrzeug trotz höherem Listenpreis in vielen Fällen Geld.
Für Entscheider mit sensiblen beruflichen Daten ist die Datenschutzfrage ein konkretes Thema. Die Unsicherheiten rund um GB/T 32960 und die fehlenden unabhängigen Audits bedeuten ein unkontrollierbares Restrisiko. Wer als Anwalt, Arzt oder Führungskraft Mandanten- oder Geschäftsdaten mit dem Fahrzeug transportiert, sollte dieses Restrisiko im Vorfeld ehrlich bewerten.
Welche sechs Fragen sollte man sich vor dem Kauf stellen?

Kaufen oder leasen? Stadt oder Land? Kurze oder lange Haltedauer? Privat oder gewerblich? Schützenswerte Daten? Wie weit ist der nächste Servicebetrieb? Wer alle sechs Fragen ehrlich beantwortet, trifft die richtige Entscheidung für die eigene Situation.
- Kaufen oder leasen? Wenn Leasing geplant ist, vorab bei der Leasinggesellschaft prüfen, ob das gewünschte China-Modell überhaupt finanzierbar ist. Viele Anbieter lehnen chinesische Marken ab oder bieten deutlich schlechtere Konditionen.
- Stadt oder ländliche Region? Im Umkreis von 50 Kilometern prüfen, ob ein autorisierter Servicebetrieb des gewünschten Herstellers vorhanden ist. MG, BYD und Xpeng haben in Deutschland deutlich dünnere Netzwerke als deutsche Marken.
- Wie lange wird das Auto gehalten? Wer das Fahrzeug länger als fünf Jahre nutzt, verteilt den Wertverlust auf mehr Jahre und verliert pro Jahr weniger. Bei kurzer Haltedauer schlägt der schlechtere Restwert stärker durch.
- Privat oder gewerblich? Gewerbliche Nutzer profitieren von der 0,25-Prozent-Steuerregel unabhängig von der Marke. Privatpersonen tragen das Restwertrisiko ohne steuerliche Kompensation vollständig selbst.
- Sind schützenswerte Informationen im Fahrzeug? Für Führungskräfte, Anwälte oder Personen mit beruflichem Datenschutzbedarf ist die Frage rund um GB/T 32960 und fehlende unabhängige Audits ein konkretes Thema, keine abstrakte Theorie.
- Was ist der Plan für Ersatzteile? Bei einem längeren Werkstattaufenthalt wegen fehlender Teile: Ist ein Ersatzfahrzeug vorhanden oder finanzierbar? Für Privatpersonen meist kein Showstopper, für Berufspendler oder gewerbliche Nutzer ein relevantes Kostenrisiko.
Quiz: Was wissen Sie wirklich über chinesische Elektroautos?
1 Auf welchen Wert ist der Restwert chinesischer Elektroautos laut DAT-Report April 2026 gesunken? Aufklappen ↓
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2 Welche Fahrzeuggarantie bietet MG in Deutschland an? Aufklappen ↓
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3 Was regelt die chinesische Norm GB/T 32960 für Elektrofahrzeuge? Aufklappen ↓
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4 Ein deutsches Elektroauto hat einen Listenpreis von 85.000 Euro. Nach einem typischen Händlerrabatt von 22 % liegt der effektive Kaufpreis bei … Aufklappen ↓
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5 Wie hoch ist der EU-Ausgleichszoll (zusätzlich zum Basiszoll) für Elektroautos von SAIC (Mutterkonzern von MG)? Aufklappen ↓
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Glossar
Batteriegarantie
Batteriegarantie bezeichnet die Hersteller-Zusage über die Mindestnutzungsdauer des Akkus, typisch als Kombination aus Jahren und Kilometergrenze. BMW, VW und Audi: 8 Jahre oder 160.000 km. Mercedes EQS: 10 Jahre oder 250.000 km. BYD: 8 Jahre oder 250.000 km.
BEV
BEV (Battery Electric Vehicle): vollständig elektrisch angetriebenes Fahrzeug ohne Verbrennungsmotor. Dieser Artikel betrachtet ausschließlich BEVs, keine Plug-in-Hybride.
DAT
DAT (Deutsche Automobil Treuhand): Marktforschungsunternehmen, das Restwertprognosen und Bewertungen für den deutschen Fahrzeugmarkt erstellt. Der DAT-Restwert-Report ist Branchenreferenz für Händler und Leasinggesellschaften.
EU-Sonderzölle
EU-Sonderzölle auf chinesische Elektroautos gelten seit November 2024 als Ausgleichsmaßnahme für staatliche Subventionen. Aktuelle Sätze: BYD 17,0 %, Geely 18,8 %, SAIC (MG) 35,3 % zusätzlich zum regulären Zoll.
Fahrzeuggarantie
Fahrzeuggarantie bezeichnet die Herstellergarantie auf das Gesamtfahrzeug, nicht den Akku. In der EU gilt gesetzlich eine zweijährige Gewährleistung. Freiwillige Verlängerungen: MG 7 Jahre, BYD 6 Jahre, Xpeng 7 Jahre. Deutsche Hersteller bieten über die gesetzlichen 2 Jahre hinaus typischerweise keine Verlängerung.
GB/T 32960
GB/T 32960 ist die chinesische Fahrzeugnorm, die seit Januar 2017 alle in China verkauften Elektrofahrzeuge zur Echtzeit-Übermittlung von Telemetriedaten (GPS-Position, Ladestatus, Geschwindigkeit, Batterieparameter) an die staatliche NDANEV-Plattform verpflichtet. Die Norm gilt für alle Hersteller, die in China verkaufen, unabhängig von ihrer Nationalität.
Leasingfähigkeit
Leasingfähigkeit beschreibt, ob ein Fahrzeug von Leasinggesellschaften als finanzierbar eingestuft wird. Grundlage ist der prognostizierte Restwert. Chinesische Elektroautos werden von vielen großen Leasinganbietern aktuell abgelehnt oder zu ungünstigeren Konditionen angeboten, weil belastbare Mehrjahres-Restwertdaten fehlen.
NDANEV
NDANEV (National Big Data Alliance of New Energy Vehicles): staatliche chinesische Plattform, die Fahrzeugtelemetriedaten aller in China zugelassenen Elektrofahrzeuge sammelt und auswertet.
NEV
NEV (New Energy Vehicle): chinesischer Oberbegriff für Elektro-, Plug-in-Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge. In chinesischen Marktstatistiken werden NEV-Zahlen ausgewiesen; die BEV-Zahlen liegen typischerweise rund 30 % darunter.
Quersubventionierung
Quersubventionierung liegt vor, wenn ein Hersteller Preisaufschläge in einem Markt durch Gewinne in anderen Märkten oder staatliche Unterstützung ausgleicht, statt sie an Kunden weiterzugeben. BYD subventioniert EU-Zölle aktuell quer; wie lange das anhält, ist offen.
Restwert
Restwert ist der Marktwert eines Fahrzeugs zu einem definierten Zeitpunkt nach dem Kauf, häufig nach 4 Jahren als Prozentsatz des Neupreises angegeben. DAT-Referenz April 2026: China-Elektroautos 47,2 %, Marktdurchschnitt 54 %.
Restwertrisiko
Restwertrisiko bezeichnet die finanzielle Unsicherheit, dass ein Fahrzeug beim Weiterverkauf weniger einbringt als kalkuliert. Beim Kauf liegt das Risiko beim Käufer, beim Leasing übernimmt es die Leasinggesellschaft und preist es in die Monatsrate ein.
SAIC
SAIC (SAIC Motor): chinesischer Staatskonzern und Muttergesellschaft der Marke MG sowie mehrerer Gemeinschaftsunternehmen mit VW und GM. Unterliegt im EU-Zollsystem dem höchsten Sonderzollsatz von 35,3 %.
0,25-Prozent-Regel
0,25-Prozent-Regel: Steuerliche Sonderregelung für rein elektrische Dienstfahrzeuge in Deutschland. Statt der regulären 1 % des Bruttolistenpreises monatlich wird für Elektroautos nur 0,25 % als geldwerter Vorteil versteuert, was Elektroautos im gewerblichen Einsatz erheblich günstiger macht.
FAQ: Chinesisches E-Auto: Vernunft oder Verrat?
Lohnt sich ein chinesisches Elektroauto in Deutschland?
Ein chinesisches Elektroauto lohnt sich, wenn Sie kaufen statt leasen, in einer Stadt mit Servicenetz wohnen und das Fahrzeug maximal fünf Jahre halten. Außerhalb dieser Bedingungen wiegen Restwertrisiko (47,2 % nach vier Jahren laut DAT), dünnes Servicenetz in ländlichen Regionen und eingeschränkte Leasingfähigkeit das Einsparpotenzial auf. Wer leasen will, sollte zunächst bei der Leasinggesellschaft anfragen, ob das gewünschte Modell überhaupt finanzierbar ist.
Welche Garantie haben chinesische Elektroautos?
Chinesische Elektroautos bieten bei der Fahrzeuggarantie 6 bis 7 Jahre, also deutlich mehr als die 2 Jahre der deutschen Hersteller. Die Batteriegarantie beträgt 7 bis 8 Jahre, vergleichbar mit BMW, Mercedes und VW. MG: 7 Jahre Fahrzeug, 7 Jahre Batterie. BYD: 6 Jahre Fahrzeug, 8 Jahre Batterie bis 250.000 km. Xpeng: 7 Jahre Fahrzeug, 8 Jahre Batterie / 160.000 km. BMW EV: 2 Jahre Fahrzeug, 8 Jahre Batterie / 160.000 km.
Kann ein chinesisches Elektroauto aus der Ferne abgeschaltet werden?
Ein explizites Fernabschaltgesetz für Export-Fahrzeuge gibt es nicht. Die Norm GB/T 32960 verpflichtet jedoch alle in China produzierten Elektrofahrzeuge zur Echtzeit-Telemetrieübermittlung an staatliche Plattformen, was konstruktiv bidirektionale Steuerung ermöglicht. BYD und MG erklären, ihre EU-Marktfahrzeuge kommunizierten nicht mit chinesischen Servern. Unabhängige Audits fehlen. EU-Regulierer stellten 2023 fest, dass mehrere chinesische Fahrzeuge in Europa weiterhin Verbindungen zu chinesischen Servern aufbauten.
Warum haben chinesische Elektroautos schlechtere Restwerte?
Weil belastbare Langzeitdaten fehlen und das Risiko eines Marktaustritts real ist: Leasinggesellschaften und Händler können den Wiederverkaufswert nicht sicher kalkulieren. Die DAT dokumentiert einen Rückgang von 61 % auf 47,2 % in nur zwei Jahren. Laut einer Befragung im DAT-Report 2026 befürchtet fast jeder zweite Befragte, dass viele chinesische Marken den deutschen Markt bald wieder verlassen. Dieses Risiko drückt den kalkulierten Restwert vorsorglich nach unten.
Was kostet ein chinesisches Elektroauto in Deutschland 2026?
Chinesische Elektroautos kosten 2026 zwischen 30.000 und 55.000 Euro Listenpreis. MG4 ab rund 32.000 Euro, BYD Atto 3 ab rund 38.000 Euro. EU-Zölle sind teilweise eingepreist, teilweise noch quersubventioniert. Chinesische Marken gewähren deutlich geringere Händlerrabatte als deutsche Hersteller. Ein BMW oder Mercedes mit 85.000 Euro Listenpreis kostet nach typischem Händlerrabatt von 22 % effektiv 66.300 Euro, was den nominellen Abstand von 45.000 Euro auf rund 26.300 Euro schrumpft.
Sind chinesische Elektroautos sicher?
Ja. BYD Seal, MG4 und Xpeng G6 haben beim Euro NCAP fünf Sterne erzielt. Aktive Sicherheitstechnik ist bei chinesischen Elektroautos kein valider Kritikpunkt mehr. Crashtest-Ergebnisse sind öffentlich auf euroncap.com einsehbar. Der sicherheitsrelevante Unterschied zu deutschen Marken liegt nicht im Crashverhalten, sondern im Servicenetz: Schnelle Fahrzeugreparatur nach einem Unfall ist bei dünnem Servicenetz deutlich schwieriger.
Quellen
- [1] DAT Deutsche Automobil Treuhand: Restwert-Report, Pressemitteilung April 2026 ↩
- [2] ecomento.de: Zulassungsstatistik Elektroautos September 2025, Privat vs. Gewerbe ↩
- [3] Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 – Ausgleichszölle auf Elektrofahrzeuge aus China, Oktober 2024 ↩
- [4] Euro NCAP: Crashtestergebnisse BYD Seal, MG4 Electric, Xpeng G6 ↩
- [5] BMW Group: Garantiebedingungen BMW iX, i4, i7 – Gewährleistung & Garantie ↩
- [6] BYD Europe: Garantiebedingungen – Batteriegarantie 8 Jahre / 250.000 km, Stand Januar 2026 ↩
- [7] MG Motor Deutschland: Fahrzeuggarantie 7 Jahre – Garantiebedingungen 2026 ↩
- [8] Volksrepublik China, Cybersicherheitsgesetz (网络安全法), Artikel 28, in Kraft Juni 2017: Englische Übersetzung via DigiChina / Stanford University ↩
- [9] Standardization Administration of China (SAC): GB/T 32960 – Technical Specifications for Remote Service and Management of Electric Vehicles, 2016/2017 ↩
- [10] Statistisches Bundesamt (Destatis): E-Autos und Plug-in-Hybride: Ausstattung in Haushalten hängt stark vom Einkommen ab, Januar 2026
- [11] Kraftfahrt-Bundesamt (KBA): Neuzulassungen nach Antriebsarten – Statistik Elektrofahrzeuge ↩