Ein Stuttgarter Halbleiter-Spezialist will die KI mit Licht rechnen lassen, und der deutsche Hoster IONOS macht die Technik als Erster kommerziell buchbar. Im Sommer 2026 sollen die ersten Cloud-Dienste starten. Für europäische Entscheider ist das mehr als eine Chip-Randnotiz.

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Photonisches Computing verlässt in diesem Sommer das Forschungslabor: Der Chip-Entwickler Q.ANT und der Cloud-Anbieter IONOS haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, um lichtbasierte KI-Prozessoren erstmals kommerziell in die Cloud zu bringen. Angekündigt haben beide den Schritt auf der re:publica in Berlin[1], buchbar werden die ersten Dienste ab Sommer 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • IONOS wird erster kommerzieller Kunde für Q.ANTs photonische Recheneinheit (NPU).
  • Q.ANT nennt eine bis zu 30-fach höhere Energieeffizienz gegenüber klassischen Prozessoren.
  • Gefertigt wird die Technik in einer Pilotlinie in Stuttgart, vollständig in Europa.
  • Erste gemeinsame Cloud-Dienste für KI und HPC sind für Sommer 2026 geplant.

Warum treibt die KI die Stromrechnung in die Höhe?

Lichtprisma zerlegt Licht in Farbspektrum mit '+=' Symbolen; Plakette 'Made in Stuttgart 2026'
Rechenzentren sind Engpässe des KI-Booms. Hauptproblem ist nicht der Chip, sondern der Strombedarf

Rechenzentren sind zum Flaschenhals des KI-Booms geworden, und der eigentliche Engpass ist selten der Chip. Wie sehr die Versorgung klemmt, hat zuletzt die Debatte um den Strom als KI-Engpass gezeigt.

Jede neue GPU-Generation liefert mehr Rechenleistung, zieht aber auch mehr Leistung aus dem Netz. Q.ANT verweist auf Prognosen, nach denen Rechenzentren bis 2030 rund drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs beanspruchen[2]. Genau hier setzt der Ansatz an, nicht schneller zu rechnen um jeden Preis, sondern sparsamer.

Wie rechnet ein Chip mit Licht?

Klassische Prozessoren schieben Elektronen durch Transistoren, jede Rechenoperation erzeugt Abwärme. Q.ANTs Native Processing Unit rechnet stattdessen mit Licht: Die zentrale Matrizen-Multiplikation, das Herzstück jeder KI, geschieht, während Lichtstrahlen in Wellenleitern zusammenlaufen und sich überlagern.

Möglich macht das eine Materialplattform aus Dünnschicht-Lithiumniobat, die Licht extrem schnell moduliert. Die Multiplikation passiert quasi im Vorbeiflug, nahezu ohne Taktung und ohne den Energieaufwand elektronischer Schaltkreise. Dass sich Licht in der KI-Fertigung durchsetzt, zeigt auch der Umstieg von Kupfer auf optisches Packaging.

Q.ANT nennt eine bis zu 50-fach höhere Rechenleistung pro Anwendung und eine bis zu 30-fach bessere Energieeffizienz. Im Test am Leibniz-Rechenzentrum München hat die zweite NPU-Generation bis zum Hundertfachen der ersten erreicht. Den Grafikprozessor ersetzt der Chip nicht, sondern arbeitet als Co-Prozessor neben ihm.

Photonik ist kein Nvidia-Ersatz über Nacht, aber die erste europäische Antwort auf die Energiefrage der KI, die über die Präsentationsfolie hinausgeht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Rechnen mit Licht: Q.ANTs photonischer KI-Chip in Zahlen
Kennzahlen zur IONOS-Partnerschaft, Cloud-Start im Sommer 2026
bis 30×
höhere Energieeffizienz gegenüber klassischen Prozessoren
bis 50×
mehr Rechenleistung pro Anwendung
bis 100×
Sprung der zweiten NPU-Generation im Test am Leibniz-Rechenzentrum
100 %
Fertigung in Europa, Pilotlinie in Stuttgart
Rechenzentren könnten bis 2030 rund drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs beanspruchen. Photonik soll die Rechenleistung liefern, ohne dass die Stromkurve mitwächst.

Was bedeutet das für europäische Anbieter?

Für IONOS ist Photonik ein Souveränitäts-Argument. Für KI-Last, die in Europa unter deutschem Datenschutz laufen soll, führt bislang kaum ein Weg an Nvidia-Hardware und US-nahen Lieferketten vorbei. Eigene Chips aus Europa sollen dieselbe Sorge zerstreuen, die auch hinter Metas Abkehr von Nvidia und hinter dem deutschen Cloud-Aufbau der Telekom steht.

Q.ANT fertigt die Prozessoren zu 100 Prozent in Europa, in einer Pilotlinie mit dem Stuttgarter Institut IMS CHIPS. Das folgt demselben Gedanken wie Europas Aufholjagd bei Halbleiter-Grundstoffen, mit dem Unterschied, dass hier keine Rohstofflücke geschlossen wird, sondern eine Rechenarchitektur aus Deutschland kommt.

Für Entscheider heißt das konkret: Planen Sie KI-Inferenz mit hohem Energiebedarf, gehört die photonische Option ab Sommer 2026 als europäische Alternative auf den Radar, zunächst für spezialisierte Rechenlasten, noch nicht als Komplettersatz der GPU-Flotte.

Quellen

[1] IONOS: „IONOS und Q.ANT vereinbaren strategische Partnerschaft“

[2] Q.ANT: „Q.ANT Takes Photonic AI Computing Commercial as AI’s Power Demand Surges“

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