Der ZF-Stellenabbau erreicht die Verwaltung: 4.500 Bürojobs in Deutschland stehen zur Disposition, während das Kerngeschäft mit Fahrzeugantrieben schwächelt. Ausgerechnet die Wehrtechnik soll dem Friedrichshafener Zulieferer neue Luft verschaffen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer ZF-Stellenabbau hat eine neue Stufe erreicht: Nach der Produktion trifft der Rotstift jetzt die Verwaltung. Der Konzern hat 2025 einen Nettoverlust von 2,1 Milliarden Euro verbucht. Parallel wächst ein Geschäft, das lange als Nebensache gegolten hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Bis zu 4.500 Verwaltungsstellen in Deutschland stehen im Sparprogramm auf der Kippe; betriebsbedingte Kündigungen bleiben bis Mai 2028 ausgeschlossen.
- 2025 hat ZF 2,1 Milliarden Euro Verlust verbucht, bei 38,8 Milliarden Euro Umsatz und einem Minus von sechs Prozent.
- Die schwache Nachfrage nach E-Antrieben drückt das Kerngeschäft, während Aufträge aus der Wehrtechnik zulegen.
- ZF liefert Antriebstechnik für Radpanzer Boxer und Leopard 2, zudem entwickelt der Konzern das Getriebe für den Panzer der Zukunft mit.
Warum trifft der Rotstift ausgerechnet die Verwaltung?

Rund 14.000 Stellen will ZF bis 2028 in Deutschland abbauen, 4.500 davon in der Verwaltung. Betroffen sind Finanzen, Personal, Einkauf und Kommunikation, also die zentralen Ressourcen abseits der Fertigung. Konzernchef Mathias Miedreich hat die weltweit 161.000 Beschäftigten früh eingestimmt: „In der Verwaltung müssen wir definitiv schlanker werden.“
Ein neues Abfindungsprogramm soll den Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen tragen, die bis zum 1. Mai 2028 tabu bleiben. Der Grund steht in der Bilanz: 2025 hat ZF 2,1 Milliarden Euro Verlust geschrieben, der Umsatz ist um sechs Prozent auf 38,8 Milliarden Euro gefallen.[1] Schon Mitte Juli hat der Konzern zudem die Zeppelin-Zulage am Standort Friedrichshafen gestrichen.
Was das Panzergetriebe für ZF bedeutet
Bei ZF hat die Wehrtechnik lange als diskretes Zweitgeschäft gegolten. Der Zulieferer liefert Antriebs- und Lenktechnik für den Radpanzer Boxer, das Sekundärgetriebe des Kampfpanzers Leopard 2 und Motoren für den Schützenpanzer Puma.
Für die nächste Panzergeneration greift ZF nach mehr: Gemeinsam mit Rolls-Royce Power Systems entwickelt der Konzern das elektrifizierte Lenkgetriebe eLSG 5000 für das Main Ground Combat System, den deutsch-französischen Nachfolger von Leopard und Leclerc.[2] Vergeben hat den Auftrag das Beschaffungsamt der Bundeswehr.
Das Kalkül dahinter ist zyklisch: Rüstungsaufträge laufen über Jahrzehnte und federn Einbrüche im Autogeschäft ab. Mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr fließt Geld in genau die Antriebstechnik, die ZF ohnehin baut.
Ein Panzergetriebe rettet keinen einzigen der 4.500 Verwaltungsjobs. Für ZF ist die Wehrtechnik ein Anker für Marge und Moral, kein Ersatz für den Weltmarkt Auto.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zweites Standbein Wehrtechnik
ZF liefert Antriebs- und Lenktechnik für den Radpanzer Boxer, das Sekundärgetriebe des Leopard 2 und entwickelt mit Rolls-Royce das Lenkgetriebe eLSG 5000 für den Panzer der Zukunft (MGCS).
Reicht der Rüstungsboom, um die Zulieferer-Krise zu drehen?
Die Größenordnung spricht dagegen. ZFs Wehrtechnik bleibt ein Bruchteil des Konzernumsatzes von 38,8 Milliarden Euro. Ein Panzerauftrag ersetzt keinen einbrechenden Weltmarkt für Pkw-Antriebe.
ZF steht mit dem Schwenk nicht allein. Der Motorenbauer Deutz ist mit einer Milliardenübernahme ins Rüstungsgeschäft eingestiegen, Rheinmetall errichtet in Neuss auf früherem Zulieferer-Gelände eine Satellitenfabrik. Quer durch die deutsche Autoindustrie wird die Wehrtechnik zum zweiten Standbein.
Für Einkäufer heißt das: Die Transformation läuft zweigleisig. Auch Bosch und Volkswagen streichen zeitgleich Tausende Stellen; die Lieferfähigkeit angeschlagener Partner gehört deshalb auf den Prüfstand, statt allein auf den Rüstungsboom zu hoffen.
Quellen
[1] ZF Friedrichshafen AG: „Geschäftsbericht 2025“ ↩
[2] Rolls-Royce Power Systems: „Rolls-Royce und ZF entwickeln Antrieb für künftigen europäischen MGCS-Panzer“ ↩
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