Neta galt als abgeschrieben: Werk still, Gläubiger auf dem Rückzug, kein einziges Gebot für die Fabrik. Jetzt legt die Investmentgesellschaft Taiyi Shenglian rund 386 Millionen Euro auf den Tisch und will die Marke fürs Ausland wiederbeleben. Der eigentliche Wert steckt dabei nicht in den Autos, sondern in einem Stück Papier.

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Chinas E-Auto-Startup Neta stellt seit über einem Jahr keine Fahrzeuge mehr her. Ausgerechnet in dieser Lage bewertet ein neuer Geldgeber die insolvente Mutter Hozon mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Hinter dem Comeback-Versuch steckt eine Logik, die auch Europas Autobranche betrifft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Investmentgesellschaft Taiyi Shenglian will laut Sanierungsentwurf rund 386 Millionen Euro einschießen und dafür 70,62 Prozent an Hozon übernehmen.
  • Etwa 150 Millionen Euro fließen in die Schuldentilgung, rund 236 Millionen Euro bleiben als Betriebskapital.
  • Zuerst soll das Modell Neta X wieder vom Band laufen, mit Zielrichtung Export und 10.000 Fahrzeugen im Jahr.
  • Die Gläubigerversammlung muss dem Entwurf noch zustimmen.

Warum ein stillgelegtes Werk 386 Millionen Euro wert ist

Eine Lotosblüte trägt ein gerolltes Dokument mit Siegel und einem Anhänger
Taiyi Shenglian kauft für 386 Millionen Euro die Produktionslizenz eines gescheiterten Herstellers, da Peking kaum neue Genehmigungen für Elektroautofertigung vergibt

Der Kern des Deals ist nicht die Marke, sondern die Produktionslizenz. Peking vergibt seit Jahren kaum noch Genehmigungen zum Bau von Elektroautos, deshalb ist die bestehende Zulassung eines gescheiterten Herstellers das eigentliche Tafelsilber. Taiyi Shenglian bezahlt mit den umgerechnet 386 Millionen Euro (3 Milliarden Yuan, Kurs vom 11. September 2026) vor allem das Recht, überhaupt Autos bauen zu dürfen, im Gegenzug für 70,62 Prozent an Hozon.[2]

Von der Summe sind laut dem Entwurf, über den die Gläubigerversammlung erst noch abstimmt, rund 150 Millionen Euro für Altschulden und Verfahrenskosten reserviert. Die übrigen 236 Millionen Euro sollen den Betrieb wieder anschieben, berichtet das Technikportal IThome.[1] Bis dahin steht das Werk im Bezirk Tongxiang weiter still, ein Insolvenzverwalter sitzt vor Ort.

Neta ist kein Einzelfall

Neta reiht sich in eine ganze Pleitewelle ein. Auch WM Motor und der Luxusanbieter HiPhi stecken in der Sanierung, von einst über 400 chinesischen E-Auto-Marken verkaufen heute nur noch wenige Dutzend in nennenswerter Stückzahl. Der Preiskrieg im Heimatmarkt drückt die Schwachen aus dem Feld, während Leapmotor bereits schwarze Zahlen schreibt.

Das Muster dahinter heißt Konsolidierung. Chinas Elektroauto-Anteil liegt inzwischen über 60 Prozent, doch der Kampf um diese Käufer ist so hart, dass Kapital allein keine Marke trägt. Die leere Auktion um Netas Fabrik hat gezeigt, wie wenig ein Autobauer ohne Aufträge noch wert ist. Passend spielt schon der Name des Investors auf einen Neuanfang an: Taiyi Shenglian verweist auf den Mythos, in dem der Gott Nezha aus einer Lotusblüte wiedergeboren wird.

Ein Sanierungsplan rettet keine Marke, er rettet eine Lizenz. Neta baut künftig vielleicht wieder Autos, doch die eigentliche Trophäe ist die Genehmigung, die in China kaum noch zu bekommen ist.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was der Neustart für Europa bedeutet

Der Sanierungsplan zielt ausdrücklich auf den Export, der Neta X soll zuerst außerhalb Chinas verkauft werden. Für Europa bedeutet das zusätzlichen Angebotsdruck, obwohl die EU seit Oktober 2024 Antisubventionszölle auf chinesische Elektroautos erhebt. Andere Hersteller weichen den Zöllen längst aus, BYD über einen Hybrid-Trick und XPeng über den britischen Markt.

Heikler ist die Frage nach Ersatzteilen und Garantie. Beim Kauf einer insolventen, gerade erst wiederbelebten Marke droht ein hohes Risiko beim Wiederverkauf, wie schon der Restwert billiger China-Stromer zeigt. Für Flottenbetreiber und Händler in der DACH-Region ist das ein guter Grund, die Zulassungshistorie genau zu prüfen.

Netas Rettungsplan in Zahlen
Die geplante Sanierung des insolventen Herstellers Hozon
386 Mio. €
Gesamtinvestition von Taiyi Shenglian für 70,62 Prozent an Hozon
150 Mio. €
davon für Altschulden und Verfahrenskosten
236 Mio. €
davon als Betriebskapital für den Neustart
10.000
Fahrzeuge pro Jahr als Ziel für den Neta X, vor allem im Export
Über ein Jahr ohne Produktion: Das Werk in Tongxiang steht still. Der Sanierungsentwurf muss noch von der Gläubigerversammlung bestätigt werden.

Entschieden ist noch nichts, die Gläubiger stimmen erst über den Entwurf ab. Fuhrparkmanager und Händler mit Interesse an chinesischen Stromern sollten Neta vorerst als Wette behandeln und Garantiezusagen schriftlich absichern, bevor der erste wiederbelebte Neta X in Europa steht.

FAQ: 386 Millionen Euro für Neta

Wer will Neta übernehmen?

Laut dem Sanierungsentwurf will die Investmentgesellschaft Taiyi Shenglian rund 386 Millionen Euro in Netas insolvente Mutter Hozon einschießen und dafür etwa 70,62 Prozent der Anteile übernehmen. Die Gläubigerversammlung muss dem Plan noch zustimmen.

Warum ist Neta insolvent geworden?

Neta hat den harten Preiskrieg auf Chinas E-Auto-Markt nicht überstanden und stellt seit über einem Jahr keine Fahrzeuge mehr her. Die Mutter Hozon rutschte in die Insolvenz und stand kurz darauf ohne Käufer da: Eine erste Auktion der Fabrik blieb ganz ohne Gebot.

Was passiert mit dem Modell Neta X?

Der Sanierungsplan sieht vor, zuerst den Neta X wieder zu produzieren, mit einem Zielabsatz von 10.000 Fahrzeugen im Jahr und dem Schwerpunkt Export. Ob es dazu kommt, hängt vom Votum der Gläubiger ab.

Kommt der Neta X nach Europa?

Der Neta X soll vor allem außerhalb Chinas verkauft werden, ein Marktstart in Europa ist damit möglich. Käufer müssen aber die EU-Antisubventionszölle sowie das Risiko bei Ersatzteilen und Garantie einer frisch sanierten Marke einkalkulieren.

Was bedeutet der Fall für Chinas E-Auto-Markt?

Der Fall steht für die Konsolidierung des Marktes: Von einst über 400 Marken überleben nur wenige. Der eigentliche Wert eines gescheiterten Herstellers ist oft die knappe Produktionslizenz, nicht die Marke selbst.

Quellen

[1] IThome: „Neta legt Sanierungsplan vor: Taiyi Shenglian will 3 Milliarden Yuan investieren“

[2] Jiemian: „Taiyi Shenglian will mit 3 Milliarden Yuan bei Neta einsteigen“

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