Xiaomi zeigt auf der IFA in Berlin zum ersten Mal seine Autos in Europa und nennt einen Termin: Ab der zweiten Hälfte 2027 rollt der SU7 nach Deutschland. Doch auf chinesische Elektroautos erhebt die EU einen Zoll, der jeden Import um bis zu 45 Prozent verteuert. Wie teuer der Marktstart wird, entscheidet weniger die Rundenzeit am Nürburgring als eine Prozentzahl aus Brüssel.

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Xiaomi hat auf der IFA 2026 in Berlin erstmals seine Elektroautos auf europäischem Boden gezeigt und den Verkaufsstart für die zweite Hälfte 2027 bestätigt, zuerst in Deutschland. Präsident Lu Weibing kündigte den Schritt als Beginn einer schrittweisen Expansion an. Die eigentliche Hürde steht fest, bevor das erste Auto beim Händler steht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Xiaomi startet den Autoverkauf in Europa in der zweiten Hälfte 2027, Deutschland zuerst; Rechtslenkermärkte wie Großbritannien folgen 2028.
  • Auf der IFA in Berlin zeigt Xiaomi den neuen SU7 Max, den SU7 Ultra und die Studie Vision Gran Turismo.
  • Auf chinesische Elektroautos erhebt die EU seit Oktober 2024 Ausgleichszölle von 7,8 bis 35,3 Prozent, zusätzlich zum regulären Zoll von 10 Prozent.
  • Als Neueinsteiger ohne eigene Zollquote dürfte Xiaomi unter den Satz von 20,7 Prozent für kooperierende Hersteller fallen.

Was zeigt Xiaomi in Berlin?

Ein Smart-Modell mit Schranke, Zoll-Stempel und Warnschild
Xiaomi präsentiert in Halle 6.2 den SU7 Max, SU7 Ultra und Vision Gran Turismo. Der SU7 Ultra fuhr die Nürburgring-Nordschleife in 7:04 Minuten

Den Auftritt trägt die Technik. Xiaomi stellt in Halle 6.2 drei Fahrzeuge aus, den neuen SU7 Max, den SU7 Ultra und die Studie Vision Gran Turismo. Der SU7 Ultra umrundete die Nürburgring-Nordschleife in der Serienversion in 7:04 Minuten und trägt einen Akku mit 93,7 Kilowattstunden von CATL.[1] Zeitgleich schaltete das Unternehmen eine globale Auto-Website frei und meldete sein erstes Fahrzeug in Deutschland zur Zulassung an.

Der Zeitplan ist gestaffelt. Der Verkauf beginnt laut Lu Weibing in der zweiten Jahreshälfte 2027 in linksgelenkten Märkten, allen voran Deutschland; Rechtslenkermärkte wie Großbritannien, Japan und Australien folgen 2028. Damit reiht sich Xiaomi in eine Welle chinesischer Hersteller ein, deren Export nach Europa kräftig wächst.

Warum wird der EU-Zoll zur eigentlichen Hürde?

Der teure Teil beginnt an der Grenze. Seit dem 29. Oktober 2024 erhebt die EU-Kommission auf batterieelektrische Autos aus China endgültige Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent, oben auf die üblichen 10 Prozent Einfuhrzoll.[2] Für den SAIC-Konzern summiert sich das auf 45,3 Prozent, für Geely auf 28,8 Prozent, für BYD auf 27 Prozent.

Xiaomi war an der Ursprungsuntersuchung nicht beteiligt und hat deshalb keinen eigenen Satz. Als kooperierender Neueinsteiger fällt der Hersteller voraussichtlich unter den Auffangsatz von 20,7 Prozent, mit dem Basiszoll also rund 30 Prozent auf jeden importierten SU7. Denselben Kostendruck kennt Porsche, das sich beim China-Rivalen XPeng CO2-Hilfe holt.

Xiaomi verkauft in Europa nicht nur ein Auto, sondern einen Preis. Solange der Zoll aus Brüssel fast ein Drittel aufschlägt, entscheidet die Kalkulation über den Erfolg, nicht die Rundenzeit am Nürburgring.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für deutsche Käufer?

Vor dem Preis steht die Wahl der Route. Seit Januar 2026 können chinesische Hersteller den Zoll durch eine Mindestpreis-Zusage ersetzen; im Februar 2026 gab die Kommission als erstes Modell den in China gebauten Cupra Tavascan von Volkswagen gegen einen Mindestpreis und eine Jahresquote frei.[3] Diesen Weg dürfte auch Xiaomi prüfen, was den SU7 in Deutschland eher teurer als billiger macht.

Für Käufer lohnt der nüchterne Blick. Ein niedriger Preis in China sagt wenig über den deutschen Verkaufspreis, und beim Import zählen Servicenetz, Ladetarife und der spätere Wertverlust mehr als die Höchstgeschwindigkeit. Vor einer Bestellung 2027 gehören die endgültige Preisliste und die Garantiebedingungen auf den Tisch, nicht die Rundenzeit.

Xiaomis Weg nach Europa
Termine und Zollsätze für den Marktstart
2. Halbjahr 2027
Verkaufsstart in Deutschland und weiteren Linkslenker-Märkten
1. Halbjahr 2028
Rechtslenker-Märkte: Großbritannien, Japan, Australien
7,8–35,3 %
EU-Ausgleichszoll auf China-Elektroautos, zusätzlich zu 10 Prozent Basiszoll
rund 30 %
voraussichtliche Gesamtbelastung für Xiaomi (Auffangsatz 20,7 Prozent plus Basiszoll)
630 km
SU7 Ultra nach CLTC, Nürburgring-Runde in 7:04 Minuten

Quellen

[1] Xiaomi EV: offizielle Herstellerseite zu SU7, SU7 Ultra und globaler Expansion

[2] Europäische Kommission: „EU imposes duties on unfairly subsidised electric vehicles from China“ (endgültige Ausgleichszölle, 29. Oktober 2024)

[3] Europäische Kommission, GD Handel: Leitfaden zu Mindestpreis-Verpflichtungen für Elektroautos aus China (12. Januar 2026)

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