Nio verkündet für das zweite Quartal 2026 den ersten Gewinn der Firmengeschichte, doch die Zahl trägt ein Sternchen. Bereinigt bleiben 3,3 Millionen Euro Überschuss, nach den US-Bilanzregeln dagegen 68 Millionen Euro Verlust. In Europa zahlen Käufer wegen der EU-Zölle fast das Doppelte des chinesischen Preises.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen107.658 Elektroautos hat Nio im zweiten Quartal 2026 ausgeliefert, fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz kletterte um 69 Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro. Trotzdem verfehlt der Konzern die schwarze Null genau dort, wo sie am meisten zählt.
Das Wichtigste in Kürze
- Bereinigt meldet Nio 3,3 Millionen Euro Gewinn, nach US-Bilanzregeln aber 68 Millionen Euro Verlust.
- 107.658 Auslieferungen bedeuten 49,4 Prozent Wachstum, die Fahrzeugmarge steigt auf 18,5 Prozent.
- In Europa verteuert ein Zoll von 30,7 Prozent jedes Modell, der kleinste Nio startet bei 29.900 Euro.
Warum steht der Gewinn nur in der bereinigten Rechnung?

Nio trennt zwei Ergebnisse, die weit auseinanderliegen. Bereinigt, also ohne Aktienvergütung und einzelne Sonderposten, weist der Hersteller einen Nettogewinn von 3,3 Millionen Euro aus.[1] Nach den verbindlichen US-Bilanzregeln steht dagegen ein Nettoverlust von rund 68 Millionen Euro in den Büchern.
Die viel zitierte Wende zur Profitabilität ist damit eine Rechengröße, kein Kassenbestand. Anders als beim Rivalen BYD, dessen Halbjahresgewinn trotz Rekordexporten um 20 Prozent fiel, kämpft Nio noch um den ersten echten Überschuss.
Wie drückt Nio die Verluste?
Die Antwort heißt Menge. Auf die 107.658 Fahrzeuge entfallen 60.945 Autos der Kernmarke Nio, 29.124 des günstigeren Ablegers Onvo und 17.589 des Kleinwagens Firefly. Die Fahrzeugmarge stieg auf 18,5 Prozent, das bereinigte Betriebsergebnis drehte auf rund 27 Millionen Euro ins Plus.
Gründer und Firmenchef William Li stellt die Stückzahl in den Vordergrund, nicht die Bilanz. „Im zweiten Quartal hat das Unternehmen 107.658 smarte Elektrofahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 49,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagt Li. Gut 7 Milliarden Euro an liquiden Mitteln finanzieren den teuren Ausbau des Batteriewechsel-Netzes. Anders als BMW, das gerade zwei Millionen Elektroautos überschritten hat, verdient Nio sein Geld noch nicht im Werk selbst.
Ein bereinigter Gewinn von 3,3 Millionen Euro ist keine Trendwende, sondern eine Punktlandung fürs Schaufenster. Solange nach US-Regeln ein Verlust bleibt, verkauft Nio vor allem Wachstum, nicht Rendite.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Für europäische Käufer zählt weniger die Bilanz als der Zoll. Seit Ende Oktober 2025 belegt die EU importierte Nio-Modelle mit einem Ausgleichszoll von 20,7 Prozent, zusammen mit dem Standardsatz sind das 30,7 Prozent. Der Kleinwagen Firefly startet in Norwegen und den Niederlanden bei 29.900 Euro, nahe dem doppelten China-Preis.
Der Zoll bremst die Expansion spürbar. Nio hat den Ausbau seiner europäischen Wechselstationen gestreckt und neue Modelle vertagt. Für deutsche Interessenten wiegen deshalb Ladetarife und Wertverlust schwerer als der Listenpreis. Der Direktimport chinesischer Marken bleibt die mühsame Ausnahme. Auch etablierte Zulieferer wie ZF spüren den Preisdruck aus China längst.
Vor dem Kauf eines chinesischen E-Autos lohnt der Blick auf Garantie und Wechseldienst, denn Nios europäisches Netz wächst vorerst langsamer als angekündigt.
Quelle
[1] Nio Inc.: „NIO Inc. Reports Unaudited Second Quarter 2026 Financial Results“
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