Der Bahnfunk auf Rumäniens wichtigstem Güterkorridor wird erneuert. Kontron Transportation hat mehrere Aufträge für die Funkkommunikation auf dem Orient/East-Med-Korridor gewonnen, zusammen mit dem Partner Hitachi Rail Romania. Hinter dem Auftrag steckt ein europaweiter Technikwechsel, denn das bisherige GSM-R-Netz läuft bis etwa 2035 aus.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Kontron Transportation gewinnt mehrere Aufträge für die Bahn-Funkkommunikation auf dem rumänischen Abschnitt des Orient/East-Med-Korridors, gemeinsam mit Hitachi Rail Romania.
  • Die Umsetzung ist auf 48 Monate angelegt. Einen Auftragswert nennt Kontron nicht.
  • Der Auftrag fällt in den europaweiten Wechsel vom alten GSM-R-Funk zum 5G-basierten Nachfolger FRMCS, dessen Vorgänger bis etwa 2035 ausläuft.
  • Für Kontron ist Rumänien nach Portugal und einem europäischen Rahmenvertrag der nächste Baustein einer Bahnfunk-Strategie aus der früheren Kapsch-Sparte.

Was hat Kontron in Rumänien gewonnen?

Gittermast mit FRMCS-5G-Schild, Storch im Nest, rumänischem Wimpel und Schienenbogen
Kontron Transportation liefert Funklösung für rumänischen Orient/East-Med-Korridor in Zusammenarbeit mit Hitachi Rail Romania über 48 Monate

Kontron Transportation, die Bahnfunk-Sparte des Technologiekonzerns Kontron, liefert eine komplette Funklösung für den rumänischen Teil des Orient/East-Med-Korridors und arbeitet dabei mit Hitachi Rail Romania zusammen.[1] Die Umsetzung ist auf 48 Monate angelegt, einen Vertragswert veröffentlicht der Konzern nicht.

Der Korridor verbindet Mittel- und Südosteuropa und zählt zu den Kernstrecken des transeuropäischen Verkehrsnetzes. Auf solchen Strecken ist der Zugfunk sicherheitskritisch: Über ihn steuern Fahrdienstleiter und Lokführer den Betrieb, und daran hängt auch die Zugsicherung ERTMS.

„Diese Aufträge sind ein wichtiger Meilenstein für uns in Rumänien und ein Zeichen des Vertrauens in unsere Verlässlichkeit“, sagt Richard Neussl, Geschäftsführer von Kontron Transportation.

Warum steckt hinter dem Auftrag ein Technikwechsel?

Das europäische Bahnfunk-System GSM-R stammt aus den späten 1990er-Jahren und beruht auf 2G-Mobilfunk. Der internationale Eisenbahnverband UIC beziffert das Ende der Unterstützung auf etwa 2035; betroffen sind über 130.000 Kilometer Strecke und rund 90.000 aktive Bordfunkgeräte in Europa.[2]

Der Nachfolger heißt FRMCS und baut auf 5G auf. Das neue System überträgt weiter die kritischen Sprechverbindungen und den Notruf, transportiert zusätzlich aber die Daten der Zugsicherung ETCS und des automatisierten Fahrens.[2]

Genau diese Bandbreite deckt Kontron ab: von klassischem GSM-R über FRMCS bis zu privaten 4G- und 5G-Netzen samt der nötigen Cybersicherheit.[1]

Der Umstieg von GSM-R auf FRMCS ist die größte Bahnfunk-Umrüstung seit einer Generation, und die Aufträge dafür verteilen sich über das nächste Jahrzehnt. Kontron besetzt dieses Zeitfenster gerade konsequenter als die großen Namen, die man im Bahngeschäft zuerst vermutet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Umstieg für die DACH-Region?

Rumänien ist kein Einzelfall. Kontron hat 2026 bereits Portugals GSM-R-Kernnetz modernisiert und sich einen europäischen Rahmenvertrag über knapp 100 Millionen Euro gesichert, der bis 2035 läuft.

Das Bahngeschäft stammt aus der früheren Kapsch CarrierCom, die Kontron 2019 übernommen und in Kontron Transportation umbenannt hat. Während der Konzern sein Solargeschäft zurückfährt, wächst der Bahnfunk zum strategischen Kern.

Für Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Umstieg mehr als eine rumänische Randnotiz. Der Orient/East-Med-Korridor führt Güter von Mitteleuropa bis an die Schwarzmeerküste, und ein einheitlicher FRMCS-Standard entscheidet über den grenzüberschreitenden Betrieb. Zugleich rückt die Kontrolle über die kritische Funktechnik im Schienennetz in den Vordergrund.

Planer von Bahn- und Logistikprojekten sollten den GSM-R-Ausstieg im Blick behalten. Ab etwa 2035 fällt die alte Technik weg, und die Umrüstung bindet über Jahre Budgets und Fachkräfte.

Vom GSM-R zum FRMCS: die Zahlen zum Bahnfunk-Umstieg
Kontrons Rumänien-Auftrag im europäischen Technikwechsel
48 Monate
Umsetzungszeit für den Bahnfunk auf Rumäniens Orient/East-Med-Korridor
2035
voraussichtliches Ende der Unterstützung für das alte GSM-R-Netz in Europa
130.000 km
europäisches Streckennetz, das heute mit GSM-R funkt
90.000
aktive Zug-Bordfunkgeräte auf GSM-R in Europa
5G
technische Basis des Nachfolgers FRMCS

Quellen

[1] Kontron AG: „Kontron Transportation strengthens its position in the European railway market with new contracts for railway communication network solutions“

[2] UIC (International Union of Railways): „FRMCS: Future Railway Mobile Communication System“

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