Solarkerosin klingt nach Laborprobe, doch die Schweizer Firma Synhelion will es in industriellen Mengen herstellen. Am RWE-Standort Hürth soll eine Anlage rund 30.000 Tonnen synthetischen Treibstoff pro Jahr liefern, vor allem nachhaltiges Flugbenzin. Ob daraus eine Investition wird, klärt zunächst eine Vorplanung mit dem Anlagenbauer Saipem.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Schweizer Firma Synhelion treibt die Industrieproduktion von Solarkerosin voran und hat den Anlagenbauer Saipem mit der Vorplanung einer kommerziellen Fabrik im rheinischen Hürth beauftragt. Bis zu 30.000 Tonnen synthetischer Treibstoff sollen dort künftig jährlich entstehen. Für die Lufthansa-Tochter Swiss, den ersten Abnehmer, geht es dabei um die Frage, wie schnell grünes Kerosin bezahlbar wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Synhelion beauftragt den Anlagenbauer Saipem mit der Vorplanung einer kommerziellen Solarkerosin-Fabrik am RWE-Standort Hürth-Knapsack.
- Die Anlage soll jährlich rund 30.000 Tonnen synthetische Treibstoffe liefern, überwiegend nachhaltiges Flugbenzin, dazu Diesel und Benzin.
- Swiss aus der Lufthansa Group flog 2025 als erste Airline mit Synhelions Solartreibstoff und sicherte sich einen Abnahmevertrag.
- Treiber ist die EU-Vorgabe ReFuelEU Aviation, die ab 2030 eine eigene Quote für synthetische E-Fuels erzwingt.
Was hat Synhelion in Hürth vor?

Vorplanung statt Baustart. Synhelion hat Saipem mit den sogenannten Pre-FEED-Arbeiten beauftragt, der technischen und wirtschaftlichen Grundlage vor der eigentlichen Planung und der Investitionsentscheidung.[1] Am Chemiestandort Hürth-Knapsack sollen später bis zu 30.000 Tonnen Treibstoff pro Jahr entstehen, ergänzend zur geplanten Anlage im nahen Jülich.
Sonne als Hochofen. Ein Spiegelfeld bündelt Sonnenlicht auf einen Turm und erzeugt Prozesswärme von über 1.000 Grad. Diese Hitze verwandelt Wasser und CO2 in ein Synthesegas, das zu synthetischem Rohöl wird; eine Raffinerie veredelt es anschließend zu zertifiziertem Kerosin. Der fertige Treibstoff läuft ohne Umbau durch vorhandene Tanks und Triebwerke.
Warum setzt die Swiss auf grünes Kerosin?
Erster Abnehmer. Swiss aus der Lufthansa Group nutzte 2025 als weltweit erste Fluggesellschaft Synhelions Solartreibstoff und schloss einen langfristigen Abnahmevertrag. Der Konzern steht unter Kostendruck, allein die Kerosinrechnung drückte zuletzt den Gewinn der Lufthansa Group nach unten.
Quote als Hebel. Die EU-Vorgabe ReFuelEU Aviation schreibt Fluggesellschaften wachsende Anteile nachhaltigen Treibstoffs vor, ab 2030 zusätzlich eine eigene Unterquote für synthetische E-Fuels. Fluggesellschaften, die die knappe Menge früh vertraglich binden, verschaffen sich einen Vorsprung, während Airbus weiter auf Sprit statt Wasserstoff setzt.
Grünes Kerosin scheitert nicht an der Chemie, sondern am Preis. Erst die frühe Skalierung entscheidet, ob deutsche Airlines die EU-Quote später aus eigener Kraft erfüllen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Firmen in der DACH-Region?
Kostenrealität. 30.000 Tonnen klingen nach viel, decken aber nur einen Bruchteil des Konzernbedarfs. Solarer Treibstoff kostet weiterhin ein Vielfaches von fossilem Kerosin. Die Vorplanung ist zudem noch keine Zusage, denn die Investitionsentscheidung fällt erst danach. Firmen mit viel Flug- und Frachtverkehr sollten den Aufschlag für die SAF-Quote schon jetzt in ihre Reise- und Logistikbudgets einrechnen.
Standort mit Kalkül. Der Chemiepark liefert Infrastruktur, CO2-Quellen und Netzanschluss, weshalb die Wahl auf Hürth statt auf die Schweiz fiel. Damit reiht sich das Projekt in eine Reihe teurer Energiewenden ein, deren Nutzen sich erst mit der Skalierung rechnet, wie die Debatte um Wasserstoff als Hoffnungsträger oder teure Illusion zeigt.
Quelle
[1] Synhelion: „Synhelion collaborates with Saipem for the development of a commercial-scale synthetic fuel plant“
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