Zwei Elektro-Flugzeugschlepper bewegen am Frankfurter Flughafen künftig auch Großraumjets, ohne dass ein Dieselmotor läuft. Fraport nimmt die batterieelektrischen Zugmaschinen vom Typ Goldhofer Phoenix E im vierten Quartal 2026 in Betrieb, erstmals für die schwersten Maschinen. Rund 700.000 Euro mehr als ein Dieselschlepper kostet der Umstieg pro Fahrzeug. Genau daran zeigt sich, warum die Elektrifizierung am Vorfeld erst jetzt bei den Großraumjets ankommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Fraport nimmt am Frankfurter Flughafen zwei vollelektrische Flugzeugschlepper vom Typ Goldhofer Phoenix E in Betrieb, erstmals für Großraumflugzeuge.
- Die Schlepper schieben Maschinen mit bis zu 352 Tonnen Startgewicht vom Gate und rangieren sie zwischen den Positionen, ganz ohne Triebwerkseinsatz.
- Das Land Hessen fördert die Anschaffung mit 213.000 Euro, die Mehrkosten gegenüber Dieselschleppern liegen bei rund 700.000 Euro je Fahrzeug.
- Der Betrieb startet im vierten Quartal 2026, Fraport bewegt am Flughafen bereits rund 800 Elektrofahrzeuge.
Warum kommt der Elektroschlepper erst jetzt für Großraumjets?

Ein Schlepper für Großraumjets braucht enorme Zugkraft, und die war batterieelektrisch lange schwer darstellbar. Ein Phoenix E hebt das Bugfahrwerk an und schiebt so Maschinen bis 352 Tonnen, allerdings nur in kurzen Kraftstößen beim Zurückschieben vom Gate, dazwischen steht das Fahrzeug still. Dieses Lastprofil passt zur Batterie, sobald Antrieb und Akkupaket stark genug ausfallen. Ein Dieselschlepper lässt seinen Motor dagegen durchlaufen.
Der praktische Gewinn liegt genau vor dem Terminal. Der elektrische Schlepper stößt am Vorfeld weder Abgase noch den typischen Diesellärm aus, direkt dort, wo Personal und Passagiere stehen.[1] Denselben Weg vom Diesel zum Akku gehen längst schwere Maschinen anderswo, etwa als 130-Tonnen-Bagger am Stromnetz im Steinbruch.
Wie weit ist die Elektrifizierung am Vorfeld schon?
Fraport steigt spät bei den Großen ein, nicht bei der Technik an sich. Der Dienstleister Lufthansa LEOS bewegt in Frankfurt bereits neun Phoenix E, seit 2021 rangiert er damit mehr als die Hälfte der Lufthansa-Maschinen lokal emissionsfrei. Rund 800 Elektrofahrzeuge fahren insgesamt über das Gelände, vom Passagierbus bis zum Gepäckschlepper.
Die Zugmaschine ist damit das letzte schwere Glied, das an die Reihe kommt. Antrieb und Batteriemanagement stammen aus derselben Entwicklung, die auch die Straße erfasst, etwa wenn Schaeffler und CATL das Batteriemanagement für Europas E-Autos bauen. Was im Pkw funktioniert, trägt am Ende auch die 352-Tonnen-Last am Bugfahrwerk.
Am Vorfeld verbrennt ein Flughafen Diesel direkt vor dem Terminal. Genau diesen Teil seiner CO2-Bilanz kann er selbst abstellen, die Bodenflotte ist dafür der schnellste Hebel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Fraports Umstieg auf batterieelektrische Schlepper für Großraumjets kostet und bewegt
Neu ist der Einsatz nicht: Lufthansa LEOS bewegt in Frankfurt bereits neun Phoenix E und rangiert seit 2021 mehr als die Hälfte der Lufthansa-Maschinen lokal emissionsfrei.
Was heißt das für Flughäfen und Flottenbetreiber?
Die Bodenfahrzeuge sind der Teil des Flugbetriebs, den ein Flughafen bei der CO2-Bilanz selbst in der Hand hat. Das Kerosin der Flugzeuge zählt nicht dazu, der Diesel am Vorfeld schon. Fraport will bis 2045 an allen vollkonsolidierten Standorten Netto-Null erreichen, und die eigene Fahrzeugflotte ist der direkteste Weg dorthin.[1] Weniger Abgase am Vorfeld wirken zudem messbar, wie das Beispiel saubererer Luft in Londons Umweltzone zeigt.
Für Betreiber schwerer Flotten ergeben sich daraus drei konkrete Schritte.
- Die Gesamtkosten rechnen: Mehrpreis, geringere Wartung und Förderprogramme wie die 213.000 Euro aus Hessen gegen den Diesel stellen.
- Die Ladeinfrastruktur früh planen, weil kurze, hohe Lastspitzen und die Alterung des Akkus eigene Anforderungen an Netzanschluss und Ladepunkte stellen.
- Die Elektrifizierung der Bodenflotte als kurzfristigen Hebel für die eigene Scope-1-Bilanz behandeln, nicht als fernes Ziel.
Fraport macht mit zwei Schleppern den Anfang bei den Großraumjets sichtbar. Der Blick lohnt sich für jeden Betreiber eines schweren Fuhrparks, weil sich Kosten, Förderung und CO2-Ziel hier zum ersten Mal auch im schwersten Segment rechnen lassen.
Was ist ein Elektro-Flugzeugschlepper?
Ein Elektro-Flugzeugschlepper ist eine batterieelektrische Zugmaschine, die Flugzeuge ohne deren Triebwerke bewegt, etwa beim Zurückschieben vom Gate oder beim Rangieren zwischen Parkpositionen. Das Modell Goldhofer Phoenix E hebt das Bugfahrwerk an und schiebt Maschinen mit bis zu 352 Tonnen Startgewicht, ohne Abgase am Vorfeld auszustoßen.
Warum setzt Fraport auf elektrische Schlepper?
Fraport will bis 2045 an allen vollkonsolidierten Standorten Netto-Null erreichen. Der Diesel der Bodenfahrzeuge zählt zur eigenen CO2-Bilanz (Scope 1), das Kerosin der Flugzeuge nicht. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ist deshalb der direkteste Hebel, den ein Flughafen selbst steuern kann. Am Frankfurter Flughafen fahren bereits rund 800 Elektrofahrzeuge.
Was kostet der Umstieg auf elektrische Schlepper?
Die Anschaffung eines vollelektrischen Schleppers für Großraumjets kostet rund 700.000 Euro mehr als ein vergleichbarer Dieselschlepper. Das Land Hessen fördert die beiden Fahrzeuge mit 213.000 Euro aus einem Programm zur Förderung der Elektromobilität. Der Betrieb am Frankfurter Flughafen startet im vierten Quartal 2026.
Bewegt ein Elektroschlepper auch die größten Flugzeuge?
Ja. Der eingesetzte Goldhofer Phoenix E schiebt schleppstangenlos Maschinen mit einem maximalen Startgewicht von bis zu 352 Tonnen und deckt damit auch Großraumflugzeuge ab. Der Dienstleister Lufthansa LEOS bewegt in Frankfurt bereits neun dieser Schlepper und rangiert seit 2021 mehr als die Hälfte der Lufthansa-Maschinen lokal emissionsfrei.
Quelle
[1] Fraport: „EcoTow: Fraport erhält hessische Fördermittel für E-Flugzeugschlepper“
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