Liebherr treibt das Elektro-Mining aus der Studie in den Steinbruch: Auf der Steinexpo 2026 zeigt der Baumaschinenkonzern seinen ersten netzgebundenen 130-Tonnen-Bagger und einen fahrbaren 564-kWh-Speicher. Für Betreiber von Steinbrüchen und Großbaustellen rückt damit die dieselfreie Grube in Reichweite.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Bagger, der 130 Tonnen wiegt und trotzdem am Stromkabel hängt: Diesen Widerspruch löst Liebherr im hessischen Nieder-Ofleiden auf. Vier Tage lang, vom 2. bis 5. September 2026, wird der größte Basaltsteinbruch Europas zur Bühne für die Frage, wie schwere Grubenmaschinen ohne Diesel auskommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Weltpremiere R 9150 E: ein 130-Tonnen-Mining-Bagger mit netzgebundenem Elektroantrieb, lokal emissionsfrei am Einsatzort.
- Der mobile Speicher LPO 600 mit 564 Kilowattstunden lädt Batteriemaschinen auch dort, wo das Stromnetz zu schwach ist.
- Insgesamt acht Exponate auf rund 1.000 Quadratmetern, dazu ein Technologie-Pavillon zu alternativen Antrieben.
- Liebherr will bis 2030 für jede Mining-Maschine eine fossilfreie Antriebsoption anbieten.
Was zeigt Liebherr auf der Steinexpo 2026?

Im Mittelpunkt steht eine Weltpremiere: der R 9150 E, ein netzgebundener Mining-Bagger auf Basis des bewährten 130-Tonnen-Modells R 9150.[1] Statt eines Dieselmotors treibt ein Elektromotor den Oberwagen an, gespeist über ein Stromkabel. Am Einsatzort entstehen keine Abgase. Der Geräuschpegel in der Kabine sinkt.
Daneben rollen klassische Dieselmaschinen auf den Stand A27: der Muldenkipper TA 230 Litronic, der Radlader L 580 mit XPower-Antrieb, die Planierraupen PR 726 und PR 756 der Generation 8 sowie der Teleskoplader T 60-9s. Ein Technologie-Pavillon bündelt zusätzlich alternative Antriebe, Assistenzsysteme und Digitalangebote.
Warum hängt der Bagger am Kabel, der Speicher aber nicht?
Die Antwort steckt in der Physik der Baustelle. Ein 130-Tonnen-Bagger gräbt stundenlang unter Volllast und steht dabei fast still. Für so einen Dauerverbraucher hält keine Batterie eine ganze Schicht durch. Ein Kabel liefert dagegen Strom ohne Pause. Wie lange ein Akku unter Dauerlast überhaupt durchhält, hängt zudem an der Batterie-Degradation.
Bewegliche Maschinen wie Muldenkipper, Radlader und Raupen lassen sich nicht anleinen. Diese Maschinen brauchen Akkus, und Akkus brauchen eine Ladequelle mitten in der Grube. Genau diese Lücke füllt der LPO 600, ein fahrbarer Batteriespeicher mit 564 Kilowattstunden, der Maschinen auch an Standorten ohne starkes Netz lädt.[1]
Auf die gleiche Lücke reagieren andere Hersteller unterschiedlich. Mahle setzt beim schweren E-Lkw auf einen Range Extender, um die Elektrifizierung vom Ladenetz zu entkoppeln. Manche Flotten umgehen die Wartezeit an der Säule sogar per Batteriewechsel. So setzt sich die Elektrifizierung aus mehreren Bausteinen zusammen. Das Kabel versorgt den stehenden Bagger, während Akkus die Fahrzeuge antreiben und der mobile Speicher die Lücke im schwachen Netz überbrückt.
Der eigentliche Fortschritt steckt nicht im Elektrobagger, sondern im fahrbaren Speicher. Ohne ihn bleibt jeder Akku-Fuhrpark im Steinbruch stehen, sobald die Schicht länger dauert als die Batterie hält.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
So elektrifiziert Liebherr die Grube
Was heißt das für Steinbrüche in Deutschland?
Der Druck kommt nicht allein vom Dieselpreis. Die EU-Stufe V schreibt für mobile Maschinen ohne Straßenzulassung immer strengere Grenzwerte für Ruß und Stickoxide vor.[2] Ein Elektroantrieb umgeht diese Abgasvorgaben komplett. Zugleich zwingt die CSRD-Pflicht Betreiber, ihre direkten Emissionen offenzulegen, und in der Grube ist Diesel der größte Posten.
Neu ist der Trend nicht. Caterpillar, Komatsu und Volvo elektrifizieren ihre Grubenflotten ebenso, und Liebherr betreibt seit über 40 Jahren Kabelbagger wie den 350-Tonnen-Typ R 9400 E. Beim Batterie-Muldenkipper T 264 liefert der Konzern bis 2030 rund 360 Fahrzeuge an den australischen Erzförderer Fortescue. Dieselben Vorgaben treiben anderswo die Dekarbonisierung ganzer Fabriken voran.
Für Betreiber in der DACH-Region zählt am Ende weniger die Maschine als der Anschluss dahinter. Lokal emissionsfrei arbeitet der Bagger nur mit Ökostrom, und die Batteriemaschinen brauchen eine belastbare Ladeplanung. Auch Wacker Neuson verkauft seinen Aufschwung mit dem Versprechen der emissionsfreien Baustelle. Neue Flotten planen den mobilen Speicher und den Netzausbau deshalb am besten von Anfang an mit ein, sonst scheitert der Umstieg am schwachen Anschluss.
Was ist der Liebherr R 9150 E?
Der R 9150 E ist ein 130-Tonnen-Mining-Bagger mit netzgebundenem Elektroantrieb, den Liebherr auf der Steinexpo 2026 als Weltpremiere zeigt. Er basiert auf dem bewährten Dieselmodell R 9150, bezieht seinen Strom über ein Kabel und arbeitet am Einsatzort lokal emissionsfrei, sofern der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt.
Was kann der mobile Speicher LPO 600?
Der LPO 600 ist ein fahrbarer Batteriespeicher mit 564 Kilowattstunden Kapazität. Er versorgt hybride und vollelektrische Maschinen mit Strom und übernimmt die Schnellladung auch dort, wo das öffentliche Netz zu schwach ist, etwa in abgelegenen Steinbrüchen und auf Großbaustellen.
Warum elektrifiziert Liebherr seine Baumaschinen?
Liebherr will bis 2030 für jede Mining-Maschine eine fossilfreie Antriebsoption anbieten. Treiber sind hohe Dieselkosten, die strengeren Abgasgrenzwerte der EU-Stufe V für mobile Maschinen und die CSRD-Pflicht, direkte Emissionen offenzulegen. Ein Elektroantrieb senkt die lokalen Emissionen auf null.
Wann und wo findet die Steinexpo 2026 statt?
Die Steinexpo 2026 läuft vom 2. bis 5. September 2026 im Basaltsteinbruch Nieder-Ofleiden in Hessen, dem größten Basaltsteinbruch Europas. Liebherr zeigt dort auf rund 1.000 Quadratmetern acht Exponate und einen Technologie-Pavillon zu alternativen Antrieben.
Quellen
[1] Liebherr: „Steinexpo 2026: Liebherr showcases its expertise in machinery and digital innovations for the extraction industry“
[2] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2016/1628 über Emissionsgrenzwerte für Motoren mobiler Maschinen und Geräte (Stufe V)
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