Remondis lenkt seinen Fuhrpark künftig über ein einziges Bestellportal beim Lkw-Bauer DAF. Der Recyclingkonzern aus Lünen ordnet damit die Beschaffung für über 700 deutsche Standorte neu. Hinter der nüchternen Rahmenvereinbarung steckt der eigentliche Hebel: die Elektrifizierung der Müllabfuhr.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Remondis-Fuhrpark umfasst weltweit 11.500 Nutzfahrzeuge, über 700 Standorte allein in Deutschland greifen künftig auf das Portal von DAF zu.[1] Bislang kaufte jede Niederlassung ihre Lkw weitgehend selbst ein. Zentral einzukaufen senkt die Kosten und schafft zugleich die Basis für den nächsten Schritt, den elektrischen Müllwagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Portal statt Einzelkauf: Über 700 deutsche Remondis-Standorte bestellen ihre Lkw künftig zentral aus dem DAF-Programm und lassen sie lokal mit Aufbauten ausrüsten.
- Fuhrpark im XXL-Format: Remondis betreibt weltweit 11.500 Nutzfahrzeuge an 1.500 Standorten in 30 Ländern.
- Antrieb der Zukunft: Der Vertrag zielt ausdrücklich auf zukunftsweisende Antriebstechnologien, also den Umstieg auf Elektro-Lkw.
- Müllabfuhr als Vorreiter: Feste Touren und die nächtliche Rückkehr zum Betriebshof machen die Abfallsammlung zum idealen Einsatzfeld für schwere E-Lkw.
Was steckt hinter dem Rahmenvertrag von Remondis und DAF?

Ein zentrales Bestellportal ersetzt die verstreute Einzelbeschaffung. Remondis Assets & Services, der DAF-Händler Wietholt und DAF Trucks Deutschland unterzeichneten den Rahmenvertrag im niederländischen Eindhoven. Über die Plattform wählen die Niederlassungen Fahrzeuge aus dem DAF-Programm, konfigurieren sie für den lokalen Bedarf und lassen die nötigen Aufbauten montieren.
Standardisierte Flotten lassen sich günstiger warten und überregional verschieben, weil Ersatzteile, Wartung und Technik konzernweit gleich sind. „Die daraus resultierenden Möglichkeiten werden dazu beitragen, unsere eigenen Nachhaltigkeitsziele mit leistungsfähigen Fahrzeuglösungen von DAF weiter zu unterstützen“, sagt Lars Karnowsky, Geschäftsführer von Remondis IT Services und Leiter des Konzerneinkaufs. Für DAF sichert der Vertrag einen Großkunden mit 45.000 Beschäftigten.
Warum ist die Müllabfuhr der ideale Einstieg für den E-Lkw?
Die nächtliche Rückkehr zum Betriebshof senkt die Ladekosten. Müllwagen fahren feste, kurze Touren im Stadtgebiet und stehen jede Nacht auf demselben Hof. Dort laden die Wagen günstig über Nacht, ganz ohne das teure öffentliche Schnellladenetz an den Autobahnen. Das ständige Anfahren und Bremsen gewinnt über die Rekuperation zusätzlich Strom zurück.
Genau dieses Profil macht kommunale Flotten zum Vorreiter, während Fernverkehrs-Lkw noch an Reichweite und Ladepausen hängen. Welche Branchen wirklich schon elektrisch fahren, zeigt die E-Lkw-Realität 2026. Ob der gesamte Lkw-Markt kippt, bleibt offen, doch die Hersteller bauen ihre Kapazitäten aus, etwa MAN im Werk Krakau.
Ein Bestellportal klingt nach Bürokratie, ist aber die Eintrittskarte in die E-Mobilität: Erst die einheitliche Flotte macht den flächendeckenden Umstieg auf den E-Müllwagen bezahlbar. Remondis elektrifiziert nicht aus Idealismus, sondern weil der Betriebshof über Nacht zur billigsten Tankstelle wird.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Fuhrparkchefs und Kommunen?
Der Druck kommt von der Regulierung. Die EU-Richtlinie über saubere Straßenfahrzeuge schreibt öffentlichen Auftraggebern Mindestquoten für emissionsarme Fahrzeuge vor, in Deutschland umgesetzt im Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz. Weil viele Abfuhrtouren an kommunalen Ausschreibungen hängen, wird der Umstieg für Entsorger zur Pflicht, nicht zur Kür.
Für Fuhrparkchefs zählt vor allem der frühe Netzanschluss am Betriebshof, denn ohne genügend Leistung bleibt jeder E-Lkw stehen. Parallel lohnt eine einheitliche Fahrzeugspezifikation, die Wartung und Ersatzteile vereinfacht. Wie weit die digitale Fuhrparksteuerung inzwischen reicht, zeigt der Blick bis zur vernetzten Kleinflotte.
Die eigentliche Bewährungsprobe kommt mit der Ladeleistung. Steht genug Strom am Hof, elektrifiziert sich die Müllabfuhr fast von selbst; fehlt die Leistung, bleibt der Rahmenvertrag ein Papierprojekt. Remondis hat mit dem Portal die Beschaffung geordnet, die Energiefrage bleibt der nächste Prüfstein.
FAQ: Remondis, DAF und die Flotten-Elektrifizierung
Was hat Remondis mit DAF vereinbart?
Remondis Assets & Services, der DAF-Händler Wietholt und DAF Trucks Deutschland haben einen Rahmenvertrag geschlossen. Über ein zentrales Bestellportal ordern die über 700 deutschen Remondis-Standorte künftig ihre Nutzfahrzeuge aus dem DAF-Programm und lassen sie lokal mit Aufbauten ausrüsten.
Wie groß ist der Fuhrpark von Remondis?
Remondis betreibt weltweit rund 11.500 Nutzfahrzeuge an 1.500 Standorten in 30 Ländern und beschäftigt etwa 45.000 Menschen. In Deutschland greifen über 700 Standorte auf das neue Bestellportal von DAF zu.
Warum eignet sich die Müllabfuhr für Elektro-Lkw?
Müllwagen fahren feste, kurze Touren und kehren jede Nacht zum Betriebshof zurück. Dort laden die Fahrzeuge günstig über Nacht, ohne öffentliches Schnellladenetz. Das ständige Anfahren und Bremsen gewinnt über die Rekuperation zusätzlich Energie zurück.
Ist Remondis börsennotiert?
Nein. Remondis gehört zur Rethmann-Gruppe, einem Familienunternehmen aus Selm in Nordrhein-Westfalen, und ist nicht börsennotiert. Der Konzern zählt zu den größten Recycling- und Entsorgungsunternehmen der Welt.
Welche Vorschriften treiben die Elektrifizierung an?
Die EU-Richtlinie über saubere Straßenfahrzeuge schreibt öffentlichen Auftraggebern Mindestquoten für emissionsarme Fahrzeuge vor. In Deutschland gilt dazu das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz. Weil viele Entsorgungstouren auf kommunalen Aufträgen beruhen, wirkt die Quote mittelbar auch auf private Entsorger.
Quelle
[1] DAF Trucks Deutschland: Presseinformation zur Rahmenvereinbarung mit Remondis über die zentrale Fahrzeugbeschaffung
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