BYD will sein Netz aus Megawatt-Ladestationen in China in gut zwei Jahren auf 90.000 Standorte ausbauen, ungefähr so viele, wie das Land Tankstellen hat. Der Chefwissenschaftler des Konzerns, Lian Yubo, nannte das Ziel auf der World New Energy Vehicle Conference in Haikou. Der Kniff steckt im Batteriespeicher jeder Säule. Seit Mai steht ein solcher Lader auch im Allgäu.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMehr als 10.000 Flash-Ladestationen betreibt BYD in China bereits, die 10.000. eröffnete der Hersteller am 28. August in Shenzhen. Bis Ende 2026 sollen 20.000 Stationen stehen, danach peilt BYD 90.000 an, wie das Technikportal IT Home berichtet.[1] Rechnet man bis Ende 2028, muss BYD im Schnitt rund 100 Stationen am Tag eröffnen.
Das Wichtigste in Kürze
- BYD will sein Flash-Ladenetz in China von gut 10.000 auf 90.000 Stationen ausbauen, 20.000 davon bis Ende 2026.
- Jede Säule gibt bis zu 1.500 Kilowatt ab, bezieht aus dem Stromnetz aber nur 100 bis 560 Kilowatt. Die Differenz liefert ein Batteriespeicher mit 370 Kilowattstunden.
- Die volle Leistung erreichen bisher nur Modelle der BYD-Marke Denza, andere Autos mit CCS2-Stecker laden mit ihrer eigenen Höchstleistung.
- In Europa plant BYD rund 3.000 Standorte, die erste deutsche Station steht seit Mai in Oberjoch im Allgäu.
Warum baut BYD so viele Ladestationen?

Das Tankstellennetz dient als Maßstab. China zählt nach Lians Angaben rund 90.000 Tankstellen. Das Flash-Netz soll Städte, Autobahnen und entlegene Regionen in derselben Dichte abdecken.[1] Am 24. September ging an der Raststätte Baoying bei Yangzhou die 2.000. Flash-Station an einer Schnellstraße in Betrieb.[1]
Der Absatz braucht Argumente. Chinas Pkw-Einzelhandel liegt seit Jahresbeginn 21 Prozent unter dem Vorjahr, die Hersteller kämpfen um jeden Käufer. BYD wirbt deshalb mit fünf Minuten Ladezeit für 10 bis 70 Prozent Akkustand. Diesen Wert erreichen Autos mit der zweiten Generation der hauseigenen Blade-Batterie.[2]
Die Konkurrenz zieht mit. Geely stellte am 23. September eine Ladesäule mit 2,2 Megawatt Spitzenleistung vor und will bis Ende 2027 mehr als 22.000 eigene Ladestationen betreiben.[3] Anfang September hatte Geely noch 1.800 Kilowatt als Rekord gemeldet. CATL setzt dagegen auf den Akkutausch und zählt 2.000 Wechselstationen in China.
Wie holt eine Säule 1.500 Kilowatt aus einem schwachen Netz?
Der Pufferspeicher macht den Unterschied. Nach Angaben von BYD UK stecken in jedem Flash-Lader zwei Batteriemodule mit je 185 Kilowattstunden. Aus dem Stromnetz bezieht die Säule zwischen 100 und 560 Kilowatt, die Spitze von 1.500 Kilowatt kommt aus dem Speicher.[2] Bei einem Akku mit 100 Kilowattstunden fließen von 10 auf 70 Prozent rund 60 Kilowattstunden. Der Speicher reicht also für mehrere Schnellladungen hintereinander, bevor er aus dem Netz nachladen muss. XPeng nutzt in Hongkong dasselbe Prinzip.
Das Fahrzeug bleibt die Grenze. Die volle Leistung schaffen laut BYD bisher nur der Denza Z9 GT, der Sportwagen Denza Z und der Plug-in-Hybrid Denza D9. Andere Autos mit CCS2-Anschluss laden an der Säule nur so schnell, wie ihre eigene Batterie zulässt.[2] Wie häufiges Schnellladen die Zellen altern lässt, zeigt unser Ratgeber zur Akku-Degradation beim E-Auto.
Jede Flash-Station von BYD ist ein Batteriespeicher mit Stecker. Dieses Prinzip umgeht den knappen Netzanschluss, an dem in Deutschland viele Ladeparks scheitern.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?
Der Europastart läuft seit dem Frühjahr. Die erste deutsche Flash-Station steht seit Mai an der Iselerbahn in Oberjoch, europaweit plant BYD rund 3.000 Standorte. Für Großbritannien kündigte BYD 300 Flash-Lader binnen zwölf Monaten an. Abgerechnet wird dort pro Kilowattstunde, BYD- und Denza-Fahrer erhalten Rabatt.[2] Die EU-Verordnung AFIR verlangt an öffentlichen Ladepunkten ab 50 Kilowatt, die seit April 2024 neu errichtet wurden, ohnehin Kartenzahlung ohne Vertrag und einen Preis pro Kilowattstunde.[4] Naheliegende Standorte wären die rund 200 deutschen BYD-Händler.
Flottenmanager sollten vor allem auf die Ladekurve ihrer eigenen Fahrzeuge schauen. Ein Dienstwagen mit 150 Kilowatt Höchstleistung lädt an einer 1.500-Kilowatt-Säule nicht schneller als an einer gewöhnlichen Schnellladesäule. Was die Kilowattstunde an den großen Netzen kostet, zeigt unser Vergleich der Ladetarife für E-Autos.
Für Standortbetreiber aus Handel, Hotellerie oder Logistik zählt das Speicherprinzip mehr als die Rekordleistung. Ein Batteriepuffer kann den teuren Ausbau des Netzanschlusses ersetzen, der sich oft lange hinzieht. Wie ein Immobilienkonzern Kundenparkplätze zu Ladehubs umbaut, zeigt ein Beispiel aus dem Einzelhandel. Holen Sie gerne Angebote für Ladeparks mit und ohne Speicher ein und vergleichen Sie die Anschlusskosten.
Wie viele Ladestationen will BYD bauen?
BYD will sein Flash-Ladenetz in China in gut zwei Jahren auf 90.000 Stationen ausbauen, so viele, wie das Land Tankstellen hat. Ende August zählte BYD 10.000 Stationen, bis Ende 2026 sollen 20.000 stehen.
Wie schnell lädt ein BYD-Flash-Lader?
Eine Flash-Säule gibt bis zu 1.500 Kilowatt ab. Autos mit der zweiten Generation der Blade-Batterie laden damit laut BYD in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent. Das schaffen bisher nur Denza-Modelle, andere Autos laden mit ihrer eigenen Höchstleistung.
Steht ein BYD-Flash-Lader auch in Deutschland?
Ja. Die erste deutsche Flash-Station steht seit Mai 2026 an der Iselerbahn in Oberjoch im Allgäu. Europaweit plant BYD rund 3.000 Standorte. Die Säulen stehen allen Autos mit CCS2-Stecker offen.
Quellen
[1] IT Home (IT之家): „比亚迪首席科学家廉玉波:计划未来两年多时间建成 9 万座充电站,目标让充电站密度对标加油站“
[2] BYD UK: „BYD Group FLASH Charging: Key Questions Answered“
[3] Sina Auto (新浪汽车): „单枪充电功率2.2兆瓦 吉利发布AI智充技术“
[4] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR)“
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