Swiss Steel will an seinen deutschen Standorten erneut Stellen streichen. Konzernchef Frank Koch kündigte in der SonntagsZeitung einen weiteren Abbau bei den Deutschen Edelstahlwerken an, nannte aber weder eine Zahl noch ein Werk. Die Belegschaft des Schweizer Stahlkonzerns ist bereits von 13.000 auf 6.500 Menschen geschrumpft.

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311 Millionen Euro Verlust hat Swiss Steel im Jahr 2025 verbucht, nach 197 Millionen Euro im Jahr davor. In Deutschland betreibt der Konzern mit den Deutschen Edelstahlwerken Werke in Witten, Krefeld, Siegen und Hagen, dazu Verarbeitung und Vertrieb unter anderem in Lüdenscheid und Düsseldorf. „Wir sind kein Zombie“, sagte Koch im Interview vom 3. Oktober.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Swiss-Steel-Chef Frank Koch kündigt neuen Stellenabbau in Deutschland an, Zahl und betroffene Werke nennt er nicht.
  • Hauptaktionär Martin Haefner soll laut SonntagsZeitung erneut Geld nachschießen, die Banken sollen auf Forderungen verzichten.
  • Der Umsatz fiel seit 2022 um rund 45 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro.
  • Ab 2028 will Swiss Steel operativ wieder Gewinn erzielen.

Wie konkret ist der neue Abbau bei Swiss Steel?

Zersägter Metallzylinder auf weißem Grund mit orangefarbenem Anhänger und Zahl 2028
Konzern kündigt Betriebsänderung an, offizielle Mitteilung und Betriebsratsbeschluss fehlen noch. Verhandlungen mit Betriebsräten laufen

Bisher liegt nur die Ankündigung vor. Weder eine Mitteilung des Konzerns noch ein Beschluss ist öffentlich, Verhandlungen mit den Betriebsräten sind nicht bekannt. Die IG Metall hat sich bis Montagmittag nicht geäußert. Nach § 111 des Betriebsverfassungsgesetzes muss die Geschäftsführung den Betriebsrat vor einer Betriebsänderung unterrichten und mit ihm beraten.[4]

Für die Deutschen Edelstahlwerke ist der Abbau nicht die erste Sparrunde. Im November 2024 kündigte Swiss Steel den Abbau von rund 800 Vollzeitstellen an: 530 Stellen fielen weg, weitere 270 glich der Konzern über kürzere Arbeitszeiten aus. In den deutschen Werken sank die vertragliche Wochenarbeitszeit damals um rund 15 Prozent.[2] Die Halbierung der Belegschaft geht teils auf Abbau, teils auf verkaufte Werke zurück.

Warum hilft der EU-Schutzzoll den deutschen Werken nicht?

Seit dem 1. Juli 2026 lässt die EU deutlich weniger Stahl zollfrei herein. Die Einfuhrquote sank um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen, auf Mengen darüber fallen 50 statt 25 Prozent Zoll an.[3] Den Werken in Witten oder Siegen hält die Quote Konkurrenz aus Drittstaaten vom Leib. Unter der Regel leidet vor allem die Schweizer Schwestergesellschaft Steeltec in Emmenbrücke, die den Großteil ihrer Produktion in die EU liefert. Laut Koch schrumpfte das zollfreie Exportkontingent der Schweiz um rund 35 Prozent.[1]

Gegen die Schwäche der deutschen Werke hilft kein Zoll. Swiss Steel leidet laut SonntagsZeitung unter der Krise der Autoindustrie und will mit dem Abbau in Deutschland die Abhängigkeit von der Branche verringern.[1] Beim Aktionstag der IG Metall demonstrierten rund 175.000 Beschäftigte gegen den Abbau in der Branche. Auch ein günstigerer Industriestrompreis für die Lichtbogenöfen brächte keine zusätzlichen Aufträge.

Swiss Steel: kleiner, aber noch nicht profitabel
Wie der Stahlkonzern schrumpft und wo der neue Abbau ansetzt
6.500
Beschäftigte zählt Swiss Steel noch, nach früher rund 13.000
311 Mio. €
Verlust im Jahr 2025, nach 197 Millionen Euro im Jahr 2024
2,24 Mrd. €
Umsatz 2025, rund 45 Prozent weniger als 2022
minus 47 %
zollfreie Stahleinfuhr in die EU seit Juli 2026, darüber gilt ein Zoll von 50 Prozent
Wo der Abbau in Deutschland steht
November 2024
Swiss Steel kündigt den Abbau von rund 800 Vollzeitstellen an.
1. Juli 2026
Die neuen EU-Schutzmaßnahmen für Stahl treten in Kraft.
3. Oktober 2026
Frank Koch kündigt weiteren Abbau in Deutschland an, ohne Zahl.
2028
Swiss Steel will operativ wieder Gewinn erzielen.

Die EU hält Importstahl mit 50 Prozent Zoll fern. Bestellungen aus der Autoindustrie bringt dieser Schutz den deutschen Werken nicht zurück.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was bedeutet der Abbau für die Stahlstandorte in NRW?

Alle vier genannten Werke der Deutschen Edelstahlwerke liegen in Nordrhein-Westfalen, wo die Stahlindustrie an mehreren Orten schrumpft. Bei Thyssenkrupp Steel ist der Abbau von 11.000 Stellen zu gut einem Drittel umgesetzt, ArcelorMittal beendet die Stahlerzeugung in Duisburg. Swiss Steel selbst steht zudem finanziell unter Druck: Das Eigenkapital lag laut SonntagsZeitung zuletzt bei 25 Millionen Euro.[1]

Einkäufer im Maschinenbau und bei Autozulieferern sollten ihre Lieferverträge mit den Deutschen Edelstahlwerken auf Laufzeiten prüfen. Für kritische Stahlgüten lohnt sich eine zweite, bereits freigegebene Bezugsquelle, solange die Sanierung läuft. Wie viel Spielraum Industriebetrieben hierzulande bleibt, beleuchtet unsere Analyse „Standort Deutschland: Ist da noch was zu retten?“.

Quellen

[1] SonntagsZeitung: „«Wir sind kein Zombie»“, Interview mit Frank Koch (03.10.2026)

[2] Swiss Steel Group: „Swiss Steel Group consistently implements planned capacity adjustments“ (15.11.2024)

[3] Swiss Steel Group: „New EU steel safeguard measures change framework conditions for Steeltec“ (30.06.2026)

[4] Bundesministerium der Justiz: § 111 BetrVG, Betriebsänderungen

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