Der Industriestrompreis senkt die Stromkosten energieintensiver Betriebe auf rund 5 Cent je Kilowattstunde. Brüssel hat das Milliardenpaket genehmigt, doch das Geld fließt erst 2027. Ob die Maßnahme die Schwächen des Standorts behebt, bleibt offen.

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Der Industriestrompreis steht. Die Europäische Kommission hat die deutsche Beihilferegelung genehmigt, womit energieintensive Branchen ihren Strom ab dem Förderjahr 2026 zu einem Zielpreis von rund 5 Cent je Kilowattstunde beziehen sollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zielpreis rund 5 Cent je Kilowattstunde, vorgesehen für die Jahre 2026 bis 2028.
  • Rund 91 energieintensive Sektoren sind antragsberechtigt, darunter Chemie, Stahl, Glas und Halbleiter.
  • Gefördert wird höchstens die Hälfte des Jahresverbrauchs, die Auszahlung erfolgt 2027 rückwirkend.
  • Mindestens die Hälfte der Entlastung muss in Dekarbonisierung fließen.

Wer profitiert und wer nicht?

Roter CEE-Stecker mit Kabelstück und Preisschild „5 ct“ auf weißem Grund
Stromkostenzuschuss für 91 Industriesektoren mit Verlagerungsrisiko wie Chemie, Glas, Zement und Halbleiterfertigung

Anspruch hat nur ein klar umrissener Kreis. Berechtigt sind Betriebe der Carbon-Leakage-Liste mit nachgewiesener Stromkostenintensität und Verlagerungsrisiko, rund 91 Teilsektoren von der Chemie über Glas und Zement bis zur Halbleiterfertigung. Laut Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums übernimmt das BAFA das Antragsverfahren, das erst Anfang 2027 startet.

Der breite Mittelstand bleibt außen vor. Betriebe außerhalb der Liste halten sich an die dauerhaft gesenkte Stromsteuer und den Zuschuss zu den Netzentgelten, beide ohne die Planbarkeit des gedeckelten Preises. Wie stark die Netzkosten den Strompreis treiben, ordnet unsere Analyse zur Netzentgelte-Reform 2026 ein.

Fünf Cent klingen nach Rettung, gelten aber nur für die halbe Strommenge und nur für wenige Branchen. Bei der Veredelung von Erzen rechnet Europa weiter mit einem Strompreis über chinesischem Niveau.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum der günstige Strom die Lücke nicht schließt

Ein mit Preistext beschrifteter Stecker wird von einem orangefarbenen Vorhängeschloss blockiert
Hohe Stromkosten gefährden Europas Rohstoffverarbeitung und verstärken die Abhängigkeit von chinesischen Raffinerien

Teurer Strom ist das zweite Problem neben den Rohstoffen. Genau das beschreibt unser Zeugnis zu Europas Rohstoffabhängigkeit, denn ohne bezahlbaren Strom baut Europa die fehlende Veredelung nicht auf, und ohne Veredelung bleibt der Kontinent von chinesischen Raffinerien abhängig.

Hinzu kommt eine offene Finanzierung. Die Förderung soll aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, in der Finanzplanung für 2027 bis 2029 sind laut einem internen Papier des Ministeriums aber keine Mittel hinterlegt. Eine Einigung mit dem Finanzministerium steht aus.

Antragsberechtigte Betriebe sollten jetzt prüfen, ob der Industriestrompreis oder die Strompreiskompensation günstiger ausfällt, denn beide Wege schließen sich pro Jahr aus. Parallel rückt die eigene Erzeugung in den Blick, etwa über sparsame Solarwafer, wie sie NexWafe aus Freiburg entwickelt.

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