Polysilizium kostet Importeure in den USA ab dem 4. Dezember mindestens 18,27 Euro je Kilogramm. Der Weltmarkt zahlt derzeit 4,18 Euro, die Differenz erhebt die US-Zollbehörde als Abgabe. Bei Solarmodulen liegt der Mindestpreis bei 33 Cent je Watt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Polysilizium steht der 4. Dezember als Stichtag im US-Bundesanzeiger. Ab diesem Tag passiert der Werkstoff die amerikanische Zollgrenze nur noch zu einem staatlich gesetzten Mindestpreis, den Präsident Trump am 6. August unterschrieben hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Die USA setzen ab dem 4. Dezember 2026 Mindestimportpreise für Polysilizium, Wafer, Solarzellen und Module.
- Für Polysilizium gilt eine Untergrenze von 18,27 Euro je Kilogramm, für Solarmodule 33 Cent je Watt.
- Auf abgeleitete Produkte kommen 15 Prozent Zoll, bei Waren aus der EU deckelt die Proklamation die Gesamtbelastung auf 15 Prozent.
- Handelspartner mit einer gleichwertigen Preisuntergrenze kann das Handelsministerium ausnehmen.
Wie funktioniert eine Preisuntergrenze an der Zollgrenze?

Eine Preisuntergrenze wirkt anders als ein Zollsatz. Importeure bestätigen bei der Einfuhr schriftlich, dass der erste Verkauf an einen fremden Dritten in den USA zum Mindestpreis oder darüber stattfindet. Verträge, die vor dem 6. August zu festen Konditionen geschlossen wurden, bleiben ausgenommen.[1]
Fehlt diese Bestätigung, erhebt die Zollbehörde einen Zoll in voller Höhe des Mindestpreises, nicht nur die Rechnungslücke. Eine falsche Bestätigung kostet den Importeur und alle verbundenen Unternehmen dauerhaft das Recht, Polysilizium in die USA einzuführen.
Vier Untergrenzen gelten parallel: 18,27 Euro je Kilogramm Polysilizium, 87 Euro für Barren und Wafer, 19 Cent je Watt für Solarzellen und 33 Cent je Watt für Module. Dazu kommen 15 Prozent Zoll auf abgeleitete Produkte. Der globale Durchschnittspreis für Solar-Polysilizium lag am 12. August bei 4,18 Euro je Kilogramm.[2]
Warum trifft die Regel auch europäische Hersteller?
Der Anteil der USA an der weltweiten Polysilizium-Kapazität fiel laut Handelsministerium von 50 Prozent im Jahr 2005 auf unter 2 Prozent im Jahr 2024. Die Weltproduktion wuchs seit 2020 um mehr als 270 Prozent, die Lager erreichten Ende 2024 mit 400.000 Tonnen einen Rekordbestand.
Entscheidend für Wacker Chemie ist eine andere Zahl aus dem Bericht: Halbleiter-Polysilizium macht nur noch 2,4 Prozent der Weltproduktion aus. Die teure Reinstfertigung trägt sich deshalb nur mit großen Solarmengen im Rücken. Genau die verkauft Europa seit Jahren unter Wert, und der Stellenabbau von 1.300 Arbeitsplätzen, den Wacker Chemie in Burghausen angekündigt hat, folgt dieser Mechanik.
Als Instrument ist der Mindestpreis in Europa keine Neuheit. Die EU-Kommission hielt von Dezember 2013 bis zum 3. September 2018 eine Preisuntergrenze für chinesische Solarmodule aufrecht und ließ die Maßnahme dann auslaufen. Was diese Entscheidung gekostet hat, zeigt der Solarhersteller Meyer Burger im sächsischen Freiberg.
Washington repariert mit einem Mindestpreis, was fünfzehn Jahre Preisverfall angerichtet haben. Europa hat genau dieses Instrument 2018 aus der Hand gelegt und muss die Entscheidung nun neu begründen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die vier Untergrenzen an der US-Zollgrenze
Womit Washington den Eingriff begründet
Was sollten Einkäufer im deutschsprachigen Raum jetzt klären?
Für Waren aus der EU, aus der Schweiz und aus Liechtenstein begrenzt die Proklamation die Summe aus neuem Zoll und regulärem Satz auf 15 Prozent, für britische Ware auf 10 Prozent. Eine Zollrückerstattung greift nur, sofern das Polysilizium vollständig aus einem Abkommensstaat stammt. Die Herkunft jeder Charge gehört damit in die Lieferantendokumentation.
Eine Klausel richtet sich direkt an Brüssel: Führt ein Handelspartner eine gleichwertige eigene Preisuntergrenze ein, darf das Handelsministerium die US-Regeln für dessen Ware lockern. Fällt der amerikanische Absatz für chinesische Module weg, suchen diese Mengen einen anderen Markt. Der größte offene liegt in Europa, wo die Modulpreise kurzfristig nachgeben dürften. Wie stark, entscheidet auch die Neuordnung der Einspeisevergütung ab 2027.
Zwei Punkte gehören in die nächste Beschaffungsrunde. Lieferverträge mit US-Bezug brauchen eine Regelung für den Stichtag 4. Dezember. Preisannahmen für 2027 sollten den heutigen Spotpreis nicht fortschreiben, weil eine abgeschirmte US-Nachfrage den Weltmarkt in beide Richtungen bewegen kann. Wie empfindlich der Markt reagiert, zeigte schon die Reaktion der Wacker-Aktie auf den ersten Bericht über die Pläne.
Quellen
[1] Federal Register: „Proclamation 11052: Adjusting Imports of Polysilicon and Its Derivatives Into the United States“ (unterzeichnet am 6. August 2026, veröffentlicht am 11. August 2026)
[2] Bernreuter Research: „Polysilicon Price Trend“ (Stand 12. August 2026)
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