Bei mehreren Modellen von Lynk & Co schaltet sich die Fahrassistenz mitten in der Fahrt ab, weil der RoboSense-Lidar auf dem Dach fälschlich eine Blockade meldet. Betroffene Halter berichten von wiederkehrenden Warnungen, obwohl der Sensor sauber ist. Der Zulieferer schweigt, der Autobauer sucht die Ursache.

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Der RoboSense-Lidar sollte Lynk & Co den Weg zum autonomen Fahren ebnen, doch ausgerechnet dieser Sensor stoppt jetzt die Assistenz. Seit Ende Juli häufen sich Beschwerden über Fahrzeuge, die ihre Fahrhilfe ohne erkennbaren Grund abschalten. Ein Blick auf die Fehlermeldung zeigt, wo das Problem wirklich sitzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei mehreren Lynk-Co-Modellen wie dem 10 EM-P, dem 900 und dem 08 EM-P meldet der RoboSense-Lidar der M-Serie fälschlich eine Blockade und deaktiviert die Fahrassistenz.
  • Auf der Beschwerdeplattform Chezhiwang sammelten sich zwischen 30. Juli und 3. August mindestens elf Fälle, mit steigender Tendenz seit Juli 2026.
  • Lynk & Co tauscht das Lidar-Modul in der Gewährleistung kostenlos, außerhalb zahlen Halter selbst. RoboSense äußert sich nicht.
  • RoboSense und Hesai liefern zusammen rund 95 Prozent aller ADAS-Lidare weltweit, auch für Marken, die in Europa verkaufen.

Warum schaltet ein sauberer Lidar die Assistenz ab?

Überwachungskamera mit einer schwarzen Schlafmaske davor, Schriftzug
Dach-Lidar meldet fälschlicherweise Verschmutzung und deaktiviert dadurch Assistenzfunktionen wie Autobahn- und Stadtpilot, obwohl der Sensor ungehindert funktioniert

Falsch-positive Selbstdiagnose. Jeder Dach-Lidar prüft laufend, ob seine Optik verschmutzt oder verdeckt ist. Meldet diese Selbstdiagnose eine Blockade, stuft das Assistenzsystem den Sensor als blind ein und deaktiviert Funktionen wie den Autobahn- und Stadtpiloten. Genau diese Schutzlogik greift bei den betroffenen Fahrzeugen ins Leere, denn der Sensor der M-Serie meldet eine Verdeckung, obwohl die Linse frei ist.[1]

Kein Neustart hilft. Halter berichten von Hinweisen wie „Dach-Lidar reinigen“ und „Assistenz eingeschränkt“, die auch nach einem Neustart bleiben. Auf dem Portal Chezhiwang kamen zwischen 30. Juli und 3. August mindestens elf Beschwerden zu zwei Modellreihen zusammen, seit Juli mit klar steigender Kurve.[1] Als Ursache kommen eine zu strenge Firmware-Schwelle, Kondenswasser im gekapselten Dachgehäuse oder ein Kalibrierfehler infrage, bestätigt ist bisher keine.

Steckt hinter dem Fehler ein Mengenproblem?

Wachstum im Akkord. RoboSense lieferte im ersten Halbjahr 2026 rund 719.200 Lidare aus, ein Plus von 169,6 Prozent.[2] Das Robotergeschäft überholte dabei erstmals das Autogeschäft, was die Frage aufwirft, ob die Qualitätssicherung im Fahrzeug mit dem Tempo mithält. Passend dazu verschob RoboSense mit einem Großauftrag über 300.000 Sensoren den Schwerpunkt weiter Richtung Roboter.

Lidar wird Massenware. Der Sensor ist längst kein Premium-Extra mehr, denn mit dem BYD Qin MAX zog die Lidar-Assistenz in die Klasse um 13.000 Euro ein. Je höher die Stückzahl, desto größer die Angriffsfläche für Serienfehler. Gemeinsam mit Hesai, das den Großauftrag von Great Wall gewann, decken beide rund 95 Prozent des weltweiten ADAS-Lidar-Markts ab.[3]

Ein Lidar, der sich grundlos für blind erklärt, ist gefährlicher als gar kein Lidar. Anbieter von Assistenzsystemen haften für die Zuverlässigkeit des Sensors, nicht nur für seine Reichweite.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
RoboSense-Lidar bei Lynk & Co: der Fehlalarm in Zahlen
Beschwerden, Stückzahlen und Marktmacht, Beträge in Euro
3 Modellreihen
Betroffen sind unter anderem Lynk & Co 10 EM-P, 900 und 08 EM-P mit dem M-Serie-Dachlidar
11+ Fälle
Beschwerden auf Chezhiwang zwischen dem 30. Juli und dem 3. August 2026, Tendenz steigend
719.200
Von RoboSense im ersten Halbjahr 2026 ausgelieferte Lidare, ein Plus von 169,6 Prozent
≈ 95 %
Weltmarktanteil von RoboSense und Hesai zusammen bei ADAS-Lidaren
8,1 Mio. €
Nettoverlust von RoboSense im ersten Halbjahr 2026, rund 36 Prozent kleiner als 2025
0 €
Kosten für den Lidar-Tausch in der Gewährleistung, außerhalb zahlen Halter selbst
Die Schutzlogik schaltet die Assistenz ab, sobald der Lidar sich als blockiert meldet. Bei den betroffenen Fahrzeugen ist genau diese Meldung falsch, die Linse bleibt frei.

Was bedeutet der Lidar-Fehler für Europa?

Europäische Käufer betroffen. Lynk & Co, Zeekr und Polestar gehören alle zum Geely-Konzern und verkaufen in Europa, teils mit derselben Sensorik. In Modellen von Zeekr und IM Motors steckt der gleiche M-Serie-Lidar, bisher ohne Massenausfälle. Für Käufer und Flottenbetreiber zählt damit das Klumpenrisiko eines Zulieferers, dessen Firmware mehrere Marken zugleich schwächen kann.

Regeln und Rechte. In der EU regelt die Allgemeine Sicherheitsverordnung (EU) 2019/2144 die Fahrassistenz, die Typgenehmigung verlangt funktionale Sicherheit nach der Norm ISO 26262. Ein Sensor, der die Assistenz wiederholt grundlos abschaltet, wird damit zum Zulassungs- und im Ernstfall zum Rückrufthema für das Kraftfahrt-Bundesamt. Dass China beim Fahrchip längst eigene Wege geht, zeigt der Vorstoß von Horizon Robotics gegen Nvidia.

Vor der Beschaffung lohnt der Blick auf Feld-Ausfallquote und Single-Source-Abhängigkeit des Lieferanten. Für sicherheitskritische Sensorik gehören Zusagen für Funk-Updates in den Vertrag. Jeder dokumentierte Assistenz-Fehler stützt später Gewährleistungsansprüche nach Paragraf 434 BGB.

FAQ: RoboSense-Lidar und der Fehlalarm bei Lynk & Co

Welche Lynk-Co-Modelle sind vom Lidar-Fehler betroffen?

Beschwerden liegen vor allem zum Lynk & Co 10 EM-P, zum 900 und zum 08 EM-P vor, jeweils mit dem RoboSense-Dachlidar der M-Serie. Der Sensor meldet fälschlich eine Blockade, woraufhin das Assistenzsystem den Autobahn- und Stadtpiloten deaktiviert.

Warum schaltet sich die Fahrassistenz ab?

Ein Dachlidar prüft ständig, ob seine Optik verdeckt ist. Meldet die Selbstdiagnose eine Blockade, stuft das Fahrzeug den Sensor als blind ein und schaltet die Assistenz aus Sicherheitsgründen ab. Bei den betroffenen Autos ist diese Meldung falsch, die Linse ist frei.

Zahlt der Kunde die Lidar-Reparatur?

Innerhalb der Gewährleistung tauscht Lynk & Co das Lidar-Modul kostenlos. Außerhalb der Gewährleistung sollen Halter den Tausch selbst zahlen. Mehrere Betroffene lehnen eine stille Einzelfall-Reparatur ab und verlangen eine grundsätzliche Lösung.

Sind auch andere Marken betroffen?

Denselben M-Serie-Lidar verbauen auch Zeekr und IM Motors, bislang ohne Massenausfälle. Da RoboSense und Hesai zusammen rund 95 Prozent des ADAS-Lidar-Markts halten, kann ein Firmware-Fehler viele Marken zugleich treffen.

Was gilt in der EU für Fahrassistenz-Sensoren?

Assistenzsysteme fallen in der EU unter die Allgemeine Sicherheitsverordnung (EU) 2019/2144, die Typgenehmigung verlangt funktionale Sicherheit nach ISO 26262. Ein Sensor, der die Assistenz wiederholt grundlos abschaltet, kann ein Rückrufthema für das Kraftfahrt-Bundesamt werden.

Quellen

[1] Chezhiwang: Fahrzeug-Beschwerdedatenbank (Meldungen zu Lynk & Co, Juli und August 2026)

[2] RoboSense: „RoboSense Announces H1 2026 LiDAR Sales of 719,200 Units“

[3] Yole Group über Hesai: ADAS-Lidar-Marktanteile 2025 und 2026

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