Waymo baut seine Robotaxi-Flotte mit über 3.200 Fahrzeugen aus China auf, gebaut von der Geely-Tochter Zeekr in Ningbo. Auf jedes Auto zahlt der Alphabet-Konzern 102,5 Prozent Einfuhrzoll und fährt trotzdem fast halb so günstig wie mit dem früheren Jaguar-Umbau. Die Rechnung zeigt, wie tief Chinas E-Auto-Industrie in der westlichen Autonomie-Technik steckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf einem Betriebshof im arizonischen Mesa parkten im August über 500 fabrikneue Zeekr-Robotaxis in Reih und Glied. Alle kamen aus dem Hafen von Ningbo und drehen jetzt, verzollt mit gut hundert Prozent Aufschlag, als Waymos ihre Runden in San Francisco, Phoenix und Los Angeles. Der Fall verrät mehr über globale Lieferketten als über selbstfahrende Autos.
Das Wichtigste in Kürze
- Waymo hat seit 2024 über 3.200 Zeekr-Robotaxis aus China eingeführt, mehr als 2.600 davon allein 2026.
- Trotz 102,5 Prozent US-Strafzoll kostet ein Fahrzeug rund 89.600 Euro, fast die Hälfte des früheren Jaguar-Umbaus.
- In den amerikanischen Zollpapieren taucht Waymo als Empfänger nicht auf.
- Europa verzollt Geely-Stromer seit Oktober 2024 mit 28,8 Prozent, Zeekr umgeht das mit einer Reichweiten-Variante.
Warum kauft Waymo trotz 100 Prozent Zoll in China?

Einen vergleichbaren, von Grund auf für den Robotaxi-Betrieb gebauten Stromer bietet der Westen zu diesem Preis nicht an. Der Ojai, intern CM1e genannt, ist genau das: eine saubere Neukonstruktion von Zeekr, frei von den Lenkrad-Kompromissen eines umgebauten Serienautos. Kein Ersatz in Sicht hält Waymo an China, selbst wenn der Zoll den Einkaufspreis verdoppelt.
Die Rechnung geht dennoch auf. Ein Chassis kostet nach Zoll rund 67.900 Euro, die eigene Sensor- und Rechentechnik kommt mit etwa 21.800 Euro obendrauf, macht rund 89.600 Euro pro Wagen. Die vorherige Flotte auf Basis des umgebauten Jaguar I-Pace schlug mit rund 174.000 Euro je Fahrzeug zu Buche. Fast halbiert: Selbst mit Strafzoll unterbietet der China-Bau den alten Umbau um 48,5 Prozent. In den Zollpapieren steht Waymo nicht als Empfänger, der eigentliche Importeur bleibt verdeckt.
Wie abhängig ist der Westen von Chinas Autoindustrie?
Der Vorgang steht für ein Muster. Chinas Autoindustrie liefert nicht mehr nur billige Stromer, die in Europa längst die Preise drücken und den Wertverlust ganzer Baureihen beschleunigen, sondern die Hardware-Basis für die autonome Mobilität des Westens. Umgekehrte Rollen: Ausgerechnet der Robotaxi-Marktführer aus dem Silicon Valley hängt an einem Werk der Geely-Gruppe.
Chinas eigene Anbieter drehen den Spieß längst um. Pony.ai und Uber wollen über 2.000 Robotaxis nach Europa bringen, WeRide startet 2027 in Dänemark und Pony.ai setzt daneben auf fahrerlose Lkw. Waymo wiederum baut mit einer eigenen Deutschland-Tochter und einem Abo-Modell vor.
Der Westen liefert die Software fürs autonome Fahren, die Karosserie kommt trotz Strafzoll aus Ningbo. Diese Arbeitsteilung sollte Europas Autobauern die Ruhe rauben.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeuten Chinas E-Auto-Zölle für Europa?
Europa zieht die Zollschraube anders an. Seit dem 30. Oktober 2024 belegt die EU subventionierte Stromer aus China mit endgültigen Ausgleichszöllen, für die Geely-Gruppe 18,8 Prozent zusätzlich zum Basiszoll von 10 Prozent.[1] Zeekr verkauft seine Europa-Modelle deshalb als Reichweiten-Verlängerer, die nur der Basiszoll trifft.
Für einen europäischen Flottenbetreiber heißt das: dieselbe Abhängigkeit von China, nur teurer im Einstieg. BYD, Geely und SAIC klagen gegen die Zölle vor dem Europäischen Gerichtshof, ein Urteil steht aus. Vor dem Aufbau einer eigenen Robotaxi-Flotte gehören Lieferwege, Zollrisiko und die Datenfrage chinesischer Fahrzeug-Hardware früh auf den Tisch.
Häufige Fragen zu Zeekr-Robotaxis
Warum importiert Waymo Zeekr-Robotaxis trotz hoher Zölle?
Ein vergleichbares, von Grund auf für den fahrerlosen Betrieb gebautes Fahrzeug gibt es im Westen nicht zu diesem Preis. Selbst mit 102,5 Prozent US-Strafzoll kostet der von Zeekr gebaute Ojai rund 89.600 Euro und damit etwa 48,5 Prozent weniger als die frühere Waymo-Flotte auf Jaguar-Basis.
Wie hoch sind die EU-Zölle auf Elektroautos von Geely und Zeekr?
Seit dem 30. Oktober 2024 erhebt die EU auf batterieelektrische Autos der Geely-Gruppe aus China einen Ausgleichszoll von 18,8 Prozent zusätzlich zum Basiszoll von 10 Prozent, zusammen 28,8 Prozent. Zeekr verkauft seine Europa-Modelle als Reichweiten-Verlängerer, die nur der Basiszoll von 10 Prozent trifft.
Was kostet ein Zeekr-Robotaxi im Vergleich zum früheren Waymo-Modell?
Der Zeekr Ojai kostet rund 89.600 Euro pro Fahrzeug, davon etwa 67.900 Euro Chassis nach Zoll und 21.800 Euro für Sensor- und Rechentechnik. Die Vorgängerflotte auf Basis des umgebauten Jaguar I-Pace lag bei rund 174.000 Euro je Fahrzeug.
Quelle
[1] Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 über endgültige Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China