Robotaxis nehmen in London bald Fahrgäste mit, ohne dass dafür das britische Autonomiegesetz greift. Transport for London hat die selbstfahrenden Ford Mustang Mach-E von Wayve als gewöhnliche Mietwagen lizenziert, wie jedes andere Minicab der Stadt.[1] An Bord bleibt ein lizenzierter Fahrer, der jederzeit ans Lenkrad greifen kann.

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Mehr als 100.000 Londoner stehen auf Ubers Interessentenliste für die ersten Fahrten, die noch in diesem Sommer starten sollen. Die Freigabe gilt für bis zu 15 umgerüstete Fahrzeuge und läuft zunächst ein Jahr. Hinter der schlichten Minicab-Zulassung steckt eine Rechtskonstruktion, die den eigentlichen Autonomie-Genehmigungsweg umgeht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Transport for London hat die Umbauten an bis zu 15 Ford Mustang Mach-E freigegeben und die Wagen als Mietwagen lizenziert, befristet auf ein Jahr.
  • Ein von TfL lizenzierter Fahrer bleibt an Bord und trägt weiterhin die Verantwortung für das Fahrzeug.
  • Der Genehmigungsweg des Automated Vehicles Act 2024 greift erst, sobald dieser Fahrer wegfällt.
  • Deutschland erlaubt den fahrerlosen Betrieb schon seit 2021, kommerziell fährt trotzdem noch niemand.

Warum reicht für Londons Robotaxis eine Mietwagen-Lizenz?

Ein Taxischild mit einem winzigen Fahrer und einem Preisschild vor weißem Hintergrund
Uber erhält in London dritte erforderliche Lizenz für autonome Mach-E Fahrzeuge mit Kameras und Radar

Londons Mietwagenrecht verlangt drei Lizenzen, die alle von derselben Behörde stammen müssen. Diese Triple-Lock-Regel deckt Betreiber, Fahrer und Fahrzeug ab. Uber hält die Betreiberlizenz längst, die Fahrer sind geprüft, gefehlt hat allein die Freigabe für die umgerüsteten Mach-E mit Rundumkameras und Radar.

Rechtlich fährt damit weiterhin ein Mensch. Wayves KI-Fahrer steuert das Auto, die Haftung bleibt beim geprüften Fahrer. Genau diese Aufgabenteilung erspart beiden Firmen die Autonomie-Genehmigung. Denselben Weg geht der Rest des Kontinents, wo der erste europäische Robotaxi-Dienst in Zagreb ebenfalls unter Aufsicht rollte und WeRide für Dänemark erst 2027 plant.

Welches Gesetz greift erst nach dem Fahrer?

Den eigentlichen Genehmigungsweg schuf der Automated Vehicles Act 2024. Seit dem 15. Mai 2026 regeln die Automated Vehicles (Permits for Automated Passenger Services) Regulations 2026 das Verfahren.[2] Diesen Permit erteilt der britische Verkehrsminister, die örtliche Lizenzbehörde muss vorher zustimmen.

Ohne Fahrer an Bord käme Uber an TfL also nicht vorbei. Die britische Regierung will das Gesetz erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 vollständig umsetzen, ein Permit gilt danach höchstens fünf Jahre. Bis dahin bleibt jedes britische Robotaxi ein Mietwagen mit Autopilot. Auf fremde Fahrsysteme setzt Uber ohnehin verstärkt, seit Waymo die Exklusivität beendet hat.

In London ist ein Robotaxi juristisch ein Minicab mit sehr guter Software. Wayve und Uber sparen sich damit den Autonomie-Permit, dessen Prüfung erst ansteht, sobald der Fahrer den Sitz räumt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Europas Robotaxis fahren alle mit Aufpasser
London, Hamburg und der Abstand zwischen Gesetz und Betrieb
bis zu 15
Ford Mustang Mach-E mit Wayve-Technik, von Transport for London als Mietwagen freigegeben
3
Lizenzen verlangt die Triple-Lock-Regel: für Betreiber, Fahrer und Fahrzeug
seit 2021
erlaubt Paragraf 1e StVG in Deutschland den fahrerlosen Level-4-Betrieb im festgelegten Betriebsbereich
26 Mio. €
Bundesförderung für das Hamburger Projekt ALIKE, dessen Testbetrieb seit dem 15. Juli 2026 läuft

Was heißt das für Deutschland?

Deutschland hat den strengeren, dafür weiter reichenden Weg gewählt. Seit 2021 erlaubt Paragraf 1e StVG den fahrerlosen Level-4-Betrieb in einem festgelegten Betriebsbereich, seit 2022 regelt die AFGBV Genehmigung und Betrieb im Detail. Statt eines Fahrers verlangt das Gesetz eine Technische Aufsicht, die aus der Ferne eingreift.

Praktisch rollt trotzdem noch kein deutsches Fahrzeug ohne Aufpasser. MOIA befördert seit dem 15. Juli 2026 in Hamburg Fahrgäste im autonomen ID. Buzz, mit Sicherheitspersonal am Steuer. Auch Chinas verbindliche Autonomie-Norm legt die Messlatte für europäische Hersteller gerade höher.

Für Flottenbetreiber im deutschsprachigen Raum zählen zwei Vorarbeiten. Den Betriebsbereich legt die Landesbehörde vor jedem Start fest. Die Wirtschaftlichkeit entscheidet sich danach an den Ladekosten der E-Flotte. Wie viel Zeit ein Genehmigungsstau kostet, führt Daimler Trucks Start in den USA statt in Deutschland vor.

Quellen

[1] Wayve: „Wayve and Uber move a step closer to autonomous rides in London“

[2] legislation.gov.uk: „The Automated Vehicles (Permits for Automated Passenger Services) Regulations 2026“

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