Autonome Lkw gehen bei Daimler Truck 2027 in Serie. Den fahrerlosen Freightliner testet die Tochter Torc Robotics längst auf texanischen Interstates, mit redundanter Bremse und Lenkung. In Deutschland fehlen 120.000 Fahrer, doch der erste Roboter-Lkw rollt am Golf von Mexiko, nicht auf der A9.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAutonome Lkw prägen die Wachstumsgeschichte, die Daimler Truck vor dem Halbjahresbericht an diesem Donnerstag erzählt. Die Prognose für 2026 hob der Konzern gerade an, dank des boomenden US-Geschäfts.[1] Dort, in den USA, fällt auch die Entscheidung über das fahrerlose Fahren.
Das Wichtigste in Kürze
- Daimler Truck plant den Serienstart autonomer Level-4-Lkw für 2027, zunächst nur in den USA.
- Zwei Partner teilen sich die Technik: Waymo und die Tochter Torc Robotics fahren im Dual-Track.
- In Deutschland fehlen laut BGL 120.000 Berufskraftfahrer, ein Regelbetrieb autonomer Lkw gilt aber erst ab 2030 als realistisch.
- Den Ausschlag gibt nicht die Technik, sondern die Zulassung: US-Bundesstaaten winken den Roboter-Lkw durch, die EU noch nicht.
Warum fährt der autonome Lkw zuerst durch Texas?

Der Betriebsablauf entscheidet, nicht die Ingenieurskunst allein. Auf US-Highways läuft der autonome Lkw von Hub zu Hub: Ein Mensch bringt den Auflieger nur zum Terminal an der Interstate, die lange, gerade Autobahnetappe fährt die Software dann allein. Am Ziel rangiert wieder ein Mensch. Diese Hub-to-Hub-Aufteilung passt zum weiten, warmen Sun Belt besser als zu jeder europäischen Ballungsregion.
Torc Robotics fuhr bereits 2024 einen Freightliner Cascadia ohne Menschen an Bord über eine abgesperrte Strecke in Texas, mit Tempo 105. Für 2027 plant Daimler Truck den kommerziellen Serienstart.[2] Dass Robotrucks schneller ans Ziel kommen als Robotaxis, zeigt auch der chinesische Anbieter Pony.ai, der 1.000 fahrerlose Sattelzüge in Aussicht stellt.
Was macht den autonomen Lkw fahrerlos?
Fail-operational lautet das technische Prinzip. Fällt eine Komponente aus, muss eine zweite den Lkw sicher zum Stehen bringen, weshalb Daimler Truck ein Chassis mit doppelter Lenkung, Bremse und Bordnetz baut. Auf dieses redundante Fahrgestell setzen beide Partner ihre Fahrsoftware auf.
Daimler Truck fährt bewusst zweigleisig: Waymo und Torc Robotics entwickeln getrennt, damit Speditionen später zwischen zwei Systemen wählen. Die Sensorik liefern spezialisierte Firmen wie Innoviz und Aeva, deren LiDAR die Fahrbahn dreidimensional abtastet. Der Fahrersitz bleibt trotzdem leer, denn die eigentliche Arbeit erledigt die Rechnereinheit hinter der Kabine.
Daimler Truck löst mit dem Roboter-Lkw ein US-Problem und lässt das deutsche zurück. Der Fahrermangel drückt hier härter, die Zulassung kommt aber Jahre später als in Texas.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den deutschen Güterverkehr?
Der Fahrermangel ist in Deutschland längst strukturell. Der Bundesverband Güterkraftverkehr beziffert die Lücke auf 120.000 Berufskraftfahrer,[3] ein Drittel der Aktiven ist älter als 55 Jahre, und pro Jahr scheiden deutlich mehr aus, als nachrücken. Autonome Lkw klingen da wie die naheliegende Antwort.
Die Realität sieht anders aus. Deutschland erlaubt Level 4 seit 2021 per Gesetz, doch die EU-weite Typgenehmigung fehlt, und Fachleute rechnen frühestens ab 2030 mit einem Regelbetrieb. Brüssel setzt kurzfristig lieber am Führerschein an und senkt das Mindestalter für den Lkw auf 18 Jahre. Für Verlader heißt das: Die erste fahrerlose Transportkapazität entsteht in den USA, und deutsche Logistiker planen besser mit dem Fahrer, nicht ohne ihn.
USA: freie Fahrt
Einzelne Bundesstaaten lassen fahrerlose Lkw pragmatisch zu. Lange, gerade Interstates im warmen Sun Belt vereinfachen die Technik.
Deutschland: Wartespur
Das Level-4-Gesetz gilt seit 2021, doch die einheitliche EU-Typgenehmigung fehlt. Dichte Ballungsräume und Winter erschweren den Betrieb.
FAQ: Autonome Lkw von Daimler Truck
Wann kommen autonome Lkw auf deutsche Straßen?
Einen Regelbetrieb autonomer Lkw auf deutschen Autobahnen halten Fachleute frühestens ab 2030 für realistisch. Deutschland erlaubt Level 4 zwar seit 2021 per Gesetz, doch die einheitliche EU-Typgenehmigung und die Infrastruktur fehlen noch. Der kommerzielle Start läuft deshalb zuerst in den USA.
Was bedeutet Level 4 bei einem Lkw?
Level 4 heißt hochautomatisiert: Das Fahrzeug übernimmt die gesamte Fahraufgabe in einem festgelegten Bereich ohne menschliches Eingreifen, etwa auf der Autobahn zwischen zwei Logistikzentren. Ein Fahrer sitzt dann nicht mehr an Bord. Außerhalb des freigegebenen Bereichs fährt der Lkw nicht.
Fährt der Lkw von Daimler Truck wirklich ganz ohne Fahrer?
Ja, im Zielbetrieb fährt der autonome Lkw von Daimler Truck ohne Menschen an Bord. Die Tochter Torc Robotics hat einen fahrerlosen Freightliner bereits 2024 auf einer Teststrecke in Texas bewegt. Menschen übernehmen nur noch das Rangieren an den Terminals, nicht die Autobahnfahrt.
Warum starten autonome Lkw zuerst in den USA?
In den USA regeln einzelne Bundesstaaten die Zulassung autonomer Lkw pragmatisch, und lange, gerade Interstates im warmen Sun Belt vereinfachen die Technik. In Europa bremst die fehlende EU-weite Typgenehmigung. Deshalb plant Daimler Truck den Serienstart 2027 zunächst für den US-Markt.
Quellen
[1] Daimler Truck: „Daimler Truck Holding AG erhöht Prognose für das Geschäftsjahr 2026“
[2] Daimler Truck: „Autonomes Fahren: Torc Robotics erreicht Driver-Out-Meilenstein auf Teststrecke“
[3] Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL): „Fahrermangel“
Mehr Newshunger?
- Pony.ai plant 1.000 fahrerlose Lkw: Warum der Robotruck das Robotaxi überholt
- Geely bündelt vier Automarken in einer Verkaufsgesellschaft
- Elmos Semiconductor: 24 Prozent Marge, während die Autobauer sparen
- Mercedes räumt den Touchscreen-Fehler ein und holt die physischen Tasten zurück
- Dahua im Cockpit: Wie Chinas gesperrter Kamerariese Leapmotor beliefert