Das KI-Rechenzentrum in Norwegen, das Anthropic ab Dezember mit Rechenleistung versorgen soll, gehört einem Bitcoin-Miner. Bitdeer vermietet seine Halle im Ort Tydal für 16 Jahre an das erst im Frühjahr gegründete Startup Volta, das die Kapazität für 8,7 Milliarden Euro weiterverkauft. Über den Zuschlag entschied ein fertiger Netzanschluss, nicht der Strompreis.

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Der Campus geht in zwei Stufen ans Netz, die erste am 31. Dezember 2026 mit 121 Megawatt IT-Last, die zweite Ende März 2027.[1] Neu gebaut wird dafür wenig. Die Hallen im norwegischen Tydal standen längst, ausgelegt für das Schürfen von Bitcoin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Bloomberg hat Anthropic einen Sechsjahresvertrag über 8,7 Milliarden Euro Rechenleistung mit dem Infrastruktur-Startup Volta geschlossen. Volta selbst nennt den Kunden nicht.
  • Volta mietet dafür den Bitdeer-Campus Tydal: 16 Jahre Grundlaufzeit, 4,09 Milliarden Euro Mieterlös, mit Verlängerungsoption 6,96 Milliarden Euro.
  • 121 Megawatt IT-Last laufen auf ausschließlich erneuerbarem Strom, überwiegend Wasserkraft, bei einem PUE von rund 1,1.
  • Nvidia und Michael Dell haben in Volta investiert und liefern zugleich die Hardware, die Volta einkauft.

Warum reicht ein halbes Jahr für 121 Megawatt?

CEE-Stecker mit Textanhänger und Figur, die ein „Besetzt“-Schild hält
Bitdeer errichtet AI-Rechenzentrum Tydal mit doppelter Netzanbindung, Wasserkraft und Kühlung zur Umrüstung auf Nvidia-Systeme

Der knappe Rohstoff im Ausbau der künstlichen Intelligenz ist nicht der Beschleuniger, sondern der genehmigte und bereits bestromte Netzanschluss. Darauf sitzen die Bitcoin-Miner. Bitdeer hat Tydal mit doppelter Netzanbindung und lokaler Wasserkraft errichtet, samt Hülle, Umspannwerk und Kühlung. Für die Umrüstung auf Nvidia-Systeme veranschlagt das Unternehmen noch rund 435 Millionen Euro, umgerechnet etwa 3,48 Millionen Euro je IT-Megawatt.[1] Der Anschluss ist hier der eigentliche Wert, nicht das Grundstück. Anderswo liegt genug Kapital bereit und die Kapazität stockt trotzdem.

Wer finanziert hier eigentlich wen?

Volta wurde laut Bloomberg im Frühjahr 2026 von zwei früheren Infrastruktur-Managern des Vermögensverwalters Brookfield gegründet, Ricard Boada und Sofia Gumuzio. Die jüngste Runde über 261 Millionen Euro führen Andreessen Horowitz und Altimeter an, beteiligt sind Nvidia sowie Michael Dell. Dieselben Namen stehen auf der Lieferantenseite, denn Volta kauft Nvidia-Beschleuniger und Dell-Systeme. J.P. Morgan und ein zweites Institut stellen Akkreditive über rund 1,13 Milliarden Euro.[1]

„Rechenleistung wird zur bestimmenden Infrastruktur-Anlageklasse unserer Generation“, sagt Ricard Boada, Mitgründer und Vorstandschef von Volta.[1] Das Finanzierungsmuster ist aus dem laufenden Jahr vertraut, von Nvidias Bürgschaft für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio bis zu AMDs Einstieg bei Anthropic. Auf 20 Jahre hat sich Anthropic schon einmal gebunden.

Ein Bitcoin-Miner vermietet auf 16 Jahre, der Mieter verkauft davon nur sechs Jahre weiter. Das Restrisiko dieser Laufzeitlücke bleibt am Vermieter in Tydal hängen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Tydal, Norwegen: eine Halle, drei Rechnungen
Alle Beträge umgerechnet zum Kurs 0,87 US-Dollar je Euro, Stand 4. August 2026
8,7 Mrd. €
Vertragswert
Anthropics Sechsjahresvertrag über Rechenleistung, laut Bloomberg
4,09 Mrd. €
Mieterlös
Mieterlös für Bitdeer über 16 Jahre, mit Option 6,96 Mrd. €
121 MW
IT-Last
IT-Last, 133 MW brutto, ausschließlich erneuerbarer Strom
176 €
Miete
Miete je Kilowatt und Monat im Schnitt, plus 3 Prozent pro Jahr

Wer zahlt an wen?

Anthropic
Bucht Rechenleistung für sechs Jahre und zahlt 8,7 Mrd. €
Volta
Mietet 16 Jahre, kauft Nvidia- und Dell-Technik, gegründet 2026
Bitdeer
Stellt Halle, Netzanschluss und Wasserkraft, investiert 435 Mio. €

Energieeffizienz im Vergleich

Tydal, gemeldeter PUE1,1
Pflicht in Deutschland für Neubauten ab Juli 2026max. 1,2
Pflicht für Bestandsanlagen ab Juli 2027max. 1,5

Was heißt das für deutsche Rechenzentren?

Jedes Rechenzentrum, das in Deutschland ab dem 1. Juli 2026 den Betrieb aufnimmt, muss binnen zwei Jahren einen Jahres-PUE von höchstens 1,2 erreichen und mindestens 10 Prozent der Energie wiederverwenden, ab Juli 2027 sind 15 Prozent fällig.[2] Tydal meldet einen PUE von rund 1,1 und ausschließlich erneuerbaren Strom, die deutsche Effizienzhürde wäre also genommen.[1] Der Engpass liegt hierzulande woanders, beim Industriestrompreis und beim Anschlusstermin. Wie weit die Debatte inzwischen reicht, zeigt der Vorstoß von RWE zur Beteiligung am Netzausbau. Immerhin bleibt Tydal im Europäischen Wirtschaftsraum, anders als die von Volta geplanten Standorte in Texas und Wyoming.

Für den Einkauf von Colocation-Fläche folgt daraus eine kurze Prüfliste. Fragen Sie zuerst nach dem Termin der Netzanschluss-Zusage statt nach der verfügbaren Fläche und lassen Sie PUE-Nachweis sowie Abwärmequote nach § 11 Energieeffizienzgesetz vertraglich zusichern. Bei zugekauften KI-Diensten gehört zusätzlich der Rechtsraum der Inferenz in den Vertrag. Wie sich 121 Megawatt zu den heimischen Anlagen verhalten, zeigt die Übersicht der zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Quellen

[1] Bitdeer Technologies Group: „Bitdeer Announces $4.7 Billion, 16-Year AI/HPC Data Center Lease for Tydal, Norway Campus“, 4. August 2026

[2] Bundesamt für Justiz: „§ 11 Energieeffizienzgesetz, Anforderungen an Rechenzentren“

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