AMD sichert sich mit einem Doppelschlag aus Kapital und Chips einen festen Platz im KI-Rechenzentrum: bis zu 4,35 Milliarden Euro Beteiligung an Anthropic, dazu Aufträge über 2 Gigawatt eigener Rechenleistung. Der Deal rüttelt an Nvidias Vormacht bei KI-Beschleunigern.

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AMD und Anthropic haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, die dem Chiphersteller erstmals einen Ankerkunden für seine schnellsten KI-Beschleuniger verschafft. Der eigentliche Aufhänger ist nicht der Preis, sondern die Struktur: AMD bezahlt einen Kunden dafür, dass dieser AMD-Chips kauft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic setzt bis zu 2 Gigawatt AMD Instinct MI450 ein, der erste Ausbauschritt startet Anfang 2027.
  • AMD beteiligt sich mit bis zu 4,35 Milliarden Euro (5 Milliarden US-Dollar, Kurs 0,87 zum 22.07.2026) an Anthropic.
  • Beide Firmen optimieren mit Claude die AMD-Software ROCm, den eigentlichen Engpass gegenüber Nvidia.
  • Für europäische Claude-Kunden entsteht eine zweite Chipquelle neben dem knappen Nvidia-Angebot.

Was genau haben AMD und Anthropic vereinbart?

Schloss mit Origami-Euro-Schlüssel und AMD-Anhänger vor weißem Hintergrund
AMD liefert Anthropic bis zu 2 Gigawatt Rechenleistung mit Instinct-MI450-GPUs und investiert bis zu 4,35 Milliarden Euro in das KI-Labor

AMD liefert Anthropic bis zu 2 Gigawatt Rechenleistung auf Basis der Instinct-MI450-GPUs und investiert im Gegenzug bis zu 4,35 Milliarden Euro in das KI-Labor. Der erste Ausbauschritt über ein Gigawatt beginnt in der ersten Hälfte 2027.

Vollausbau. Die Rechenleistung steckt in AMDs Helios-Racks mit Instinct-MI455X-Beschleunigern, dazu kommen EPYC-Prozessoren der Reihe „Venice“, Pensando-Netzwerktechnik und die Software ROCm. Anthropic bezieht einen Teil der Kapazität für eigene Rechenzentren, den Rest über Cloud-Anbieter.[1]

O-Ton. „Wir bringen Anthropics Spitzenposition in der KI mit der vollen Stärke des Hochleistungsrechnens von AMD zusammen“, sagt AMD-Chefin Lisa Su. Für AMD ist der Abschluss der bislang größte Einzelkunde für die Instinct-Reihe, die gegen Nvidias marktbeherrschende H- und B-Chips antritt.

Warum bezahlt AMD einen Kunden fürs Kaufen?

Nvidias Vorsprung liegt nicht nur in schnelleren Chips, sondern in der Software CUDA, an die sich Entwickler jahrelang gebunden haben. AMD kauft sich mit Kapital und einem Vorzeigekunden die Reife der eigenen Plattform ROCm, die diesen Rückstand schließen soll.

Softwarehebel. Kern der Vereinbarung ist eine gemeinsame Entwicklung: Anthropic optimiert mit seinen Claude-Modellen die Arbeitslasten für AMD-Chips und treibt ROCm voran. Genau diese Software, nicht die reine Rechenkraft, hat Nvidia bisher unangreifbar gemacht. Wie stark der Kostendruck auf teure KI-Rechner wirkt, zeigt auch Googles eigener Chip nur für Gemini.

Zirkelgeschäft. Das Muster ist nicht neu: Der Geldgeber beteiligt sich am Kunden, der Kunde kauft dessen Chips. Nvidia hat mit seinem Milliardeneinstieg bei OpenAI dieselbe Mechanik vorgeführt, und AMD selbst rüstet bereits Microsofts Azure-Cloud mit Helios-Systemen aus. Parallel fordert AMD Nvidia mit der neuen Vera-CPU-Generation auch bei den Hauptprozessoren heraus.

Der Wettbewerb um KI-Chips entscheidet sich nicht am schnellsten Silizium, sondern an der Software drumherum. AMD kauft sich mit diesem Deal genau die Reife ein, die ihm bisher fehlte.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Deal für Europa?

Europas KI-Rechenzentren hängen fast vollständig an zwei US-Chipherstellern. Ein zweiter ernsthafter Lieferant senkt das Klumpenrisiko und könnte den Preisdruck bei GPU-Kapazität mindern, von der auch deutsche Claude-Kunden abhängen.

Kapitalrisiko. Solche Mehrjahres-Zusagen binden gewaltige Summen, bevor ein einziger Chip läuft. Die Ratingagentur S&P hat Oracle wegen seines KI-Auftragsbergs bereits auf BBB- herabgestuft, eine Stufe über Ramschniveau. Mit 2 vorfinanzierten Gigawatt geht AMD genau dieselbe Wette ein.

Handlungsrahmen. Für Unternehmen im DACH-Raum, die auf Claude oder andere Frontier-Modelle setzen, zählt vor allem Verfügbarkeit. Eine zweite Silizium-Quelle mindert das Risiko, dass knappe Nvidia-Kapazität Projekte ausbremst. Prüfen Sie bei Cloud-Verträgen, ob Ihr Anbieter auf AMD Instinct ausweichen kann, und beobachten Sie, wie sich Anthropics geplanter Börsengang auf die Preisgestaltung auswirkt.

AMD und Anthropic: der Milliarden-Pakt in Zahlen
Kapital und Chips im Tausch gegen einen Platz an Nvidias Seite
2 GW
Rechenleistung mit AMD Instinct MI450, die Anthropic abnimmt
4,35 Mrd. €
Beteiligung von AMD an Anthropic (bis zu 5 Mrd. US-Dollar)
2027
Start des ersten Ausbaus über 1 Gigawatt, erste Jahreshälfte
Warum der Deal mehr ist als ein Chipverkauf
01
Hardware
Helios-Racks mit Instinct-MI455X-Beschleunigern und EPYC-Prozessoren „Venice“.
02
Software
Anthropic verbessert mit Claude AMDs ROCm, den Engpass gegenüber Nvidias CUDA.
03
Kapital
AMD beteiligt sich am Kunden, der Kunde kauft AMD-Chips: ein Zirkelgeschäft.

Fazit. Der Abschluss macht aus AMD zum ersten Mal einen ernsthaften Herausforderer im Geschäft mit KI-Training. Ob daraus echter Wettbewerb wird, hängt nicht an der Rechenkraft, sondern daran, ob ROCm bis 2027 zu Nvidias CUDA aufschließt. Beim Einkauf von Cloud-Kapazität gehört die zweite Quelle schon heute in die Planung.

Quelle

[1] AMD: „AMD and Anthropic Announce Strategic Partnership to Deploy Up to 2 Gigawatts of AMD Instinct MI450 Series GPUs“

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