Die EU-Kommission entscheidet bis zum 2. Oktober, ob der chinesische Handelskonzern JD.com die MediaMarkt-Saturn-Mutter Ceconomy vollständig schlucken darf. Erstmals wird eine Übernahme dieser Größe am neuen EU-Subventionsrecht gemessen. Für europäische Verkäufer entsteht damit eine zweite Genehmigungshürde neben der nationalen Investitionskontrolle.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Ceconomy-Übernahme durch JD.com hängt an einem Datum: dem 2. Oktober 2026. Bis dahin muss die Kommission ihre vertiefte Prüfung abschließen. Dass Brüssel den 2,2-Milliarden-Deal überhaupt so genau untersucht, liegt an einem Instrument, das erst seit 2023 scharf ist.
Das Wichtigste in Kürze
- JD.com hält nach der Annahmefrist 59,8 Prozent an Ceconomy und will den Rest zu 4,60 Euro je Aktie übernehmen.
- Die EU-Kommission prüft den Deal seit dem 28. Mai nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen.
- Im Kern geht es um Finanzierungen, Steuervorteile und Zuschüsse, die möglicherweise dem chinesischen Staat zuzurechnen sind.
- Die Entscheidung fällt bis spätestens 2. Oktober 2026, möglich sind Freigabe, Auflagen oder Verbot.
Warum prüft Brüssel eine längst besiegelte Übernahme?

Kein Kartellfall: Ceconomy ist der Dachkonzern von MediaMarkt und Saturn, mit rund 1.000 Standorten in Europa und rund 50.000 Beschäftigten. JD.com hat sich im Angebot zu 4,60 Euro je Aktie nach der Annahmefrist 59,8 Prozent gesichert und will nun auf 100 Prozent gehen. Der Anteil ist eingesammelt, die Kontrolle steht, und trotzdem liegt der Deal auf dem Prüftisch der Kommission.
Andere Frage: Die klassische Fusionskontrolle fragt nach Marktanteilen. Die Verordnung über drittstaatliche Subventionen fragt etwas anderes: ob staatliches Geld aus einem Nicht-EU-Land den Wettbewerb im Binnenmarkt verzerrt.[1] Genau hier hakt Brüssel ein und untersucht Finanzierungen zu Vorzugsbedingungen, Steueranreize und Zuschüsse, die möglicherweise der Volksrepublik China zuzurechnen sind.
Realer Einsatz: Für die beiden Elektronikketten geht es um mehr als eine Formalie. Dass Ceconomy längst am eigenen Modell schraubt, zeigt der Umbau an der Kasse, etwa als MediaMarkt den Gang zur Kasse abschaffte. Über diese Investitionen entscheidet am Ende Brüssel.
Was macht das neue Subventionsrecht zum eigentlichen Hebel?
Herkunft statt Marktmacht: Die Verordnung greift seit dem 13. Juli 2023 und zieht, sobald ein EU-Ziel mindestens 500 Millionen Euro Umsatz macht und die Beteiligten binnen drei Jahren mindestens 50 Millionen Euro an drittstaatlichen Finanzbeiträgen erhielten. Nicht der Marktanteil zählt, sondern die Frage, wessen Staatskasse den Käufer trägt.
Präzedenz vorhanden: Neu ist das Instrument, nicht folgenlos. Im ersten vertieften Fusionsfall zwang die Kommission 2024 den Emirate-Konzern e& bei der Übernahme von PPF Telecom zu Auflagen und ließ eine unbegrenzte Staatsgarantie streichen, verbindlich für mindestens zehn Jahre. Das Muster ist klar: Brüssel setzt die Verordnung selten, aber gezielt gegen staatlich gestütztes Kapital ein.
Kein Einzelfall: Der Fall reiht sich in eine Serie von Eingriffen ein. Auch national wird gebremst, wie zuletzt, als eine Staatsaktie Hapag-Lloyds ZIM-Übernahme stoppte. Und dass Brüssel bei Zusammenschlüssen wie Uber und Delivery Hero jede Schwelle mitzählt, prägt jede große Transaktion.
Die Fusionskontrolle fragt, wem der Markt gehört. Das Subventionsrecht fragt, wessen Staatskasse den Käufer trägt. Für jeden deutschen Verkäufer mit einem Investor aus Peking oder vom Golf ist das der neue, unterschätzte Prüfstein.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Firmen und Verkäufer?
Zwei Verfahren: Deutschland hat die Übernahme über die Investitionskontrolle bereits unter Auflagen freigegeben. Die EU-Subventionsprüfung läuft davon getrennt in Brüssel weiter. Ein staatsnaher Investor aus einem Nicht-EU-Land bringt seit 2023 also zwei Genehmigungen ins Spiel statt einer, und einen deutlich längeren Zeitplan.
Konkrete To-dos: Für den Mittelstand, der an einen Käufer aus China oder vom Golf verkaufen will, heißt das: drittstaatliche Finanzbeiträge früh dokumentieren, die Schwellen von 500 und 50 Millionen Euro im Deal-Screening prüfen und ein Auflagen-Szenario einplanen. Bei MediaMarkt und Saturn hängt am Ausgang die Kontrolle über rund 1.000 Filialen und 50.000 Stellen.
Quelle
[1] Europäische Kommission: „Drittstaatliche Subventionen: Kommission leitet eingehende Untersuchung zur geplanten Übernahme von CECONOMY durch JD.com ein“ ↩
Wann die EU-Subventionsprüfung greift
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