MediaMarkt und Saturn wollen den Gang zur Kasse abschaffen. Unter dem Namen Pay-on-Shopfloor sollen Kundinnen und Kunden künftig direkt im Beratungsgespräch bezahlen. Dahinter steckt eine Wette auf Vertrauen statt auf Kameratechnik.

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Pay-on-Shopfloor heißt das Konzept, mit dem MediaMarktSaturn die klassische Kassenzone auflösen will. Vorgestellt hat die Ceconomy-Tochter den Schritt auf ihrem Strategy Day am 9. Juli 2026, eingebettet in ein Milliardenziel für das Geschäftsjahr 2028/29. Spannend ist für den Handel vor allem, wie das gelingen soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pay-on-Shopfloor schließt den Kauf direkt auf der Verkaufsfläche ab, der Weg zur Kasse entfällt.
  • Der Schritt gehört zum Strategy Day vom 9. Juli 2026: Ceconomy peilt bis 2028/29 ein bereinigtes EBIT von 800 Mio. € und rund 24 Mrd. € Umsatz an.
  • Anders als Amazons „Just Walk Out“ arbeitet MediaMarkt nicht mit einem Kamera-Netz, sondern mit der mobilen Kasse in der Hand der Beratung.
  • Für deutsche Händler bleibt die Kassensicherungsverordnung auch an der mobilen Kasse Pflicht.

Was ändert MediaMarkt an der Kasse?

Alte Registrierkasse mit Miniatur-Urlauber und Schild: „Kasse geht 2026 in Rente“
MediaMarktSaturn ermöglicht Direktzahlung auf der Verkaufsfläche. Der Verkäufer schließt den Kauf während der Beratung ab, statt Kunden zur Kasse zu schicken

Das direkte Bezahlen auf der Fläche zählt MediaMarktSaturn zu den Bausteinen seiner Shopping Experience, neben KI-Produktfinder und 90-Minuten-Lieferung.[1] Der Verkäufer schließt den Kauf dort ab, wo er berät, statt die Kundschaft in eine separate Schlange zu schicken.

Getragen wird der Umbau von 50.000 Mitarbeitenden in über 1.000 Märkten. Ähnlich wie bei Edeka soll KI die Beratung stützen, nicht ersetzen. Wie das technisch läuft, nennt der Konzern noch nicht, der Start in Deutschland soll zeitnah folgen.

Eingebettet ist der Schritt in ein größeres Renditeziel: Bis zum Geschäftsjahr 2028/29 will die Ceconomy-Tochter das bereinigte EBIT um 60 % auf 800 Mio. € heben und den Umsatz auf rund 24 Mrd. € steigern. Unter den größten Händlern des Landes setzt MediaMarkt damit klar auf Wachstum.

Warum kopiert der Händler nicht Amazons Kassenlos-Technik?

Kassenlos bedeutet bei MediaMarkt etwas anderes als bei Amazon. Der US-Konzern hat in seinen Amazon-Fresh-Läden auf „Just Walk Out“ gesetzt: Kameras und Sensoren haben jeden Griff ins Regal erfasst, abgerechnet wurde automatisch beim Verlassen.

Genau dieses Modell hat Amazon 2024 aus seinen US-Supermärkten zurückgezogen. Die Abrechnung lief nicht in Echtzeit, Branchenberichten zufolge haben mehr als tausend Kräfte in Indien die Videobilder manuell nachgeprüft, und wirtschaftlich ist die Rechnung nicht aufgegangen.

MediaMarkt geht den umgekehrten Weg. Statt eines Kamera-Netzes wandert die Kasse als mobiles Gerät in die Hand der Beratung. Der Kaufabschluss wird Teil des Gesprächs, nicht sein Abbruch an der Schlange.

Die wirtschaftliche Logik liefert Ceconomy gleich mit: Kunden, die dem Händler vertrauen, kommen häufiger wieder und kaufen mehr. Die Quote der Stammkunden soll von rund 50 % auf 54 % steigen, der Zufriedenheitswert NPS von 61 auf 66 Punkte.

Kassenlos einkaufen: zwei Wege, ein Ziel
Wie MediaMarktSaturn den Gang zur Kasse abschafft und warum Amazon einen anderen Weg wieder verließ.

Zwei Modelle im Vergleich

Amazon „Just Walk Out“
2024 aus den US-Fresh-Läden zurückgezogen

Kameras und Sensoren erfassen jeden Griff ins Regal, abgerechnet wird automatisch beim Verlassen. Die Rechnung kam nicht in Echtzeit, der Betrieb blieb teuer.

MediaMarkt „Pay-on-Shopfloor“
Start in Deutschland angekündigt

Die Kasse wandert als mobiles Gerät in die Hand der Beratung. Der Kaufabschluss wird Teil des Gesprächs, ganz ohne Kundenbeobachtung per Kamera.

Die Zahlen hinter dem Umbau

50.000
Mitarbeitende in über 1.000 Märkten
800 Mio. €
EBIT-Ziel 2028/29, nach 500 Mio. € heute
24 Mrd. €
angepeilter Umsatz bis 2028/29
50 → 54 %
Zielquote der wiederkehrenden Kunden

Auch mobil gilt Kassenrecht: In Deutschland braucht jedes Kassensystem seit 2020 eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung und einen Beleg für jeden Verkauf, das Tablet des Verkäufers eingeschlossen.

Die eigentliche Neuerung ist nicht die verschwundene Kasse, sondern wer sie ersetzt: der Mensch, der ohnehin schon berät. MediaMarkt verkauft Bequemlichkeit als Vertrauensbeweis, während Amazon dieselbe Idee an der Kameratechnik scheitern sah.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet Pay-on-Shopfloor für den deutschen Handel?

Für deutsche Händler ist die mobile Kasse kein rechtsfreier Raum. Seit 2020 verlangt die Kassensicherungsverordnung für jedes Kassensystem eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung und einen Beleg für jeden Verkauf. Das Tablet in der Hand des Verkäufers fällt genauso darunter wie die feste Kasse.

Den Datenschutz-Vorteil spielt das Konzept dagegen klar aus. Wo Kaufland Kameras am Einkaufswagen testet und Rewe Kameras an der Kasse einsetzt, kommt Pay-on-Shopfloor ohne Kameras aus. Der EU AI Act zieht der biometrischen Erfassung im Laden ohnehin enge Grenzen.

Für kleinere Betriebe rückt das Modell näher, als viele denken. Mobile Kartenterminals machen den Kaufabschluss am Regal auch ohne Konzern-IT möglich. Wichtig bleibt die saubere Anbindung der Sicherheitseinrichtung, sonst wird aus dem Service schnell ein Kassenrisiko.

Quelle

[1] Ceconomy: „MediaMarktSaturn macht Vertrauen zum entscheidenden Wachstumstreiber“ (Pressemitteilung, 9. Juli 2026)

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