Kaufland verwandelt normale Einkaufswagen per Klemm-Gerät in Smart Carts, samt zwei Kameras und Selbstscan. Im ersten Praxistest fiel jedoch auf, dass nicht gescannte Ware unbemerkt durchwandert. Für den Handel ist das weniger ein Kamera-Problem als eine Grundsatzfrage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Kaufland Smart Cart startet nicht als futuristischer Spezialwagen, sondern als Aufsatz, den das Personal an vorhandene Einkaufswagen klemmt. Seit Mitte Juni 2026 läuft der Test in einer einzigen Filiale in Baden-Württemberg. Genau dieser Nachrüst-Ansatz entscheidet über die Wirtschaftlichkeit, nicht die Technik im Gerät.
Das Wichtigste in Kürze
- Kaufland testet in Jettingen-Oberjettingen einen Clip-on-Aufsatz des Herstellers Hanshow, der klassische Einkaufswagen zu Smart Carts macht.
- Das Gerät hängt am bestehenden Selbstscan-System K-Scan; Kundinnen und Kunden brauchen die Kaufland Card Xtra oder die App und zahlen am Self-Checkout.
- Zwei Sensorkameras sollen das Scannen überwachen, reagierten im Praxistest aber nicht auf ungescannte Ware im Wagen.
- Das Frontend entwickelten Schwarz IT und Hanshow gemeinsam, die Kassenanbindung liefert der Anbieter Gebit.
Was steckt im smarten Einkaufswagen von Kaufland?

Der Smart Cart ist kein Neukauf, sondern ein Clip-on-Aufsatz des Herstellers Hanshow, der vorhandene Einkaufswagen nachrüstet und sie in das Selbstscan-System K-Scan einbindet.
Kundinnen und Kunden koppeln den Aufsatz mit der Kaufland Card Xtra oder der App, scannen die Ware selbst und bezahlen am Self-Checkout. Die bisherigen Handscanner von Zebra verschwinden nicht, das Gerät ergänzt sie nur. Entwickelt hat das Frontend die konzerneigene Schwarz IT zusammen mit Hanshow.
Zwei Sensorkameras sitzen am Aufsatz und beobachten in Echtzeit, was in den Wagen wandert. Nachrüsten statt Neukauf senkt die Kosten pro Wagen deutlich, weil kein teurer Spezial-Trolley mit fest verbauter Elektronik nötig ist.
Warum übersieht die Kamera die nicht gescannte Ware?
Die beiden Kameras verifizieren nur den Scanvorgang und prüfen kein Gewicht. Legt jemand einen Artikel ungescannt in den Wagen, schlägt das System nicht an.
Ein Gewichtssensor, wie ihn manche Kassensysteme nutzen, fehlt. Diebstahlschutz bleibt damit vorerst ein Versprechen, kein Merkmal. Das Handelsportal Retail Optimiser fuhr den Test selbst und meldete, dass ungescannte Ware im Wagen unbemerkt blieb[1].
Der eigentliche Fortschritt liegt nicht in der Kamera, sondern im Verzicht auf teure Spezialwagen. Solange die Erkennung ungescannte Ware durchwinkt, verkauft Kaufland Bequemlichkeit, nicht Diebstahlschutz.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Ansatz reiht sich in eine Serie ein. Amazons Dash Cart und die KI-Wagen von Instacart wurden als teure Spezialgeräte gebaut; Edeka und Rewe testen ähnliche Konzepte, und Rewe verlagert die Kontrolle sogar an die Kamera an der Kasse. Hanshows Aufsatz lief zuvor bereits bei Bartels-Langness im Famila-Markt.
Was Händler aus dem Retrofit-Ansatz lernen
Für Entscheider im Handel zählt die Rechnung dahinter. Selbstscan senkt Personalkosten, erhöht aber die Inventurdifferenzen, sobald die Kontrolle nicht greift. Wie zäh der Weg zur Fläche ist, zeigt auch die schleppende KI-Integration im Mittelstand.
Datenschutz kommt hinzu: Kameras im Wagen filmen den Scanbereich und die Hände der Kundschaft, die Kopplung läuft über die Kaufland Card. DSGVO-konforme Speicherung und klare Löschfristen gehören deshalb in jedes Pilotkonzept, bevor die Technik in die Fläche geht. Die jüngste Datenpanne bei Lidl zeigt, wie schnell aus Bequemlichkeit ein Risiko wird.
Filialtechnik plant man heute besser klein und misst hart: Erkennungsrate, Schwund und Kundenakzeptanz nebeneinander. Kauflands Aufsatz beweist, dass der günstige Weg machbar ist; den Nachweis für den Diebstahlschutz muss die nächste Softwareversion aber erst noch liefern.
Quelle
[1] Retail Optimiser: „Kaufland testet Hanshows Smart Cart Clip-on“ ↩
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