Rewe hat das Bieterverfahren um die insolvente Allgäuer Supermarktkette Feneberg gewonnen und setzt sich damit gegen Edeka durch. 72 Filialen und rund 3.000 Beschäftigte wechseln den Eigentümer, aufgeteilt auf zwei Erwerber. Der Fall zeigt, wie eng der Spielraum für regionale Filialisten zwischen den vier Handelsriesen geworden ist.

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Die Supermarktkette Feneberg hat am 9. Januar 2026 Insolvenz angemeldet, ein halbes Jahr später steht der Käufer fest. Rewe übernimmt große Teile des Traditionshändlers aus Kempten, den Rest führt eine neu gegründete Gesellschaft unter dem alten Namen weiter. Hinter dem Zuschlag steckt mehr als eine Rettung: eine Lehrstunde über Marktmacht im Lebensmittelhandel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rewe gewinnt das Bieterverfahren um Feneberg gegen Edeka; der Gläubigerausschuss hat bereits zugestimmt.
  • 72 Filialen und rund 3.000 Beschäftigte mit über 500 Mio. € Jahresumsatz gehen an zwei Erwerber.
  • Rund die Hälfte der Standorte übernimmt Rewe direkt, die andere Hälfte die neue LEH Allgäu GmbH unter der Marke Feneberg.
  • Bundeskartellamt und Gläubigerversammlung müssen dem Insolvenzplan noch zustimmen.

Wie teilt sich Feneberg auf?

Voller Einkaufswagen auf Weiß mit einem Schild, das die Aufschrift „Übernommen“ trägt
Rewe Group übernimmt 36 Feneberg-Filialen direkt, LEH Allgäu GmbH führt die restlichen 36 weiter. Zentrale und Logistik in Kempten bleiben bestehen

Rund die Hälfte der 72 Filialen übernimmt die Rewe Group direkt, die andere Hälfte führt die neu gegründete LEH Allgäu GmbH unter der Marke Feneberg weiter. Zentrale und Logistik in Kempten bleiben erhalten, die Arbeitsverträge in den Märkten laufen unverändert weiter.

Die drei Beteiligten haben dazu eine gemeinsame Investorenvereinbarung unterzeichnet, der Gläubigerausschuss hat grünes Licht gegeben.[1] Rund 3.000 Beschäftigte und über 500 Mio. € Jahresumsatz wechseln so den Eigentümer, in der Verwaltung fallen dennoch Stellen weg.

Warum geraten Regionalketten unter Druck?

Anhaltende Verluste, hohe Pensionslasten und ein Investitionsstau haben Feneberg die Luft genommen. Rund 200 Mio. € Schulden lasten auf dem Händler, allein etwa 100 Mio. € entfallen auf Pensionsverpflichtungen, die seit der Zinswende schwerer auf der Bilanz liegen.

Der eigentliche Nachteil liegt tiefer. Ein Regionalhändler mit 72 Märkten verhandelt bei Lieferanten nie die Konditionen, die Edeka oder Rewe über ihre Zentralen durchsetzen. Fehlt diese Skalengröße, bleibt kaum Marge, um in Modernisierung, Energieeffizienz oder KI-gestützte Kassensysteme zu investieren.

Feneberg ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Konzentrationswelle. Vier Konzerne, Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi, vereinen heute rund 88 % des deutschen Lebensmittelhandels auf sich; 1995 lag ihr Anteil noch bei 55 %.[2]

Feneberg ist nicht an schlechten Läden gescheitert, sondern an einem Markt, in dem vier Konzerne die Einkaufskonditionen diktieren. Für den Mittelstand im Handel heißt die Übernahme, dass Eigenständigkeit inzwischen mehr kostet, als viele Familienunternehmen aufbringen können.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Rewe übernimmt Feneberg: die vier Zahlen zum Deal
Wie die Rettung einer Allgäuer Traditionskette die Marktmacht im deutschen Handel spiegelt.
72
Filialen
wechseln den Eigentümer, aufgeteilt auf Rewe und die neue LEH Allgäu GmbH.
3.000
Beschäftigte
arbeiten bei Feneberg; die Verträge in den Märkten laufen unverändert weiter.
200 Mio.
Euro Schulden
lasten auf dem Händler, rund 100 Mio. € davon sind Pensionsverpflichtungen.
88 %
Marktanteil
halten die vier größten Ketten heute; 1995 lag ihr Anteil noch bei 55 %.

Was bedeutet die Übernahme für den Wettbewerb?

Der Deal steht noch unter Vorbehalt: Erst muss ein Insolvenzplan das Amtsgericht Kempten passieren und die Gläubigerversammlung zustimmen, dann das Bundeskartellamt. Die Aufteilung auf zwei Erwerber senkt die Hürde, weil kein einzelner Konzern alle 72 Standorte einer Region bündelt.

Genau auf regionale Marktanteile achten die Wettbewerbshüter inzwischen, nicht nur auf den Bundesdurchschnitt. Auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse im Handel geraten häufiger unter Prüfvorbehalt. Für Rewe wächst die Präsenz im Süden, ohne dass ein Konzern das Allgäu allein kontrolliert.

Für Lieferanten, Kommunen und Beschäftigte lohnt der Blick auf den Insolvenzplan, sobald das Amtsgericht Kempten ihn veröffentlicht. Dort steht, welche Standorte gesichert sind und unter welchem Namen sie weiterlaufen.

Quellen

[1] REWE Group: „REWE Group, Eigenverwaltung der Feneberg Lebensmittel GmbH und LEH-Allgäu GmbH unterzeichnen Investorenvereinbarung“

[2] Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: „Erhebungen zur Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel“

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