Uber verhandelt nach Informationen von Bloomberg über die vollständige Übernahme von Delivery Hero[1]. Eine Einigung könnte noch in dieser Woche fallen. Die interessantere Frage ist nicht, ob der US-Konzern zahlen kann, sondern warum ihm seine bisherigen 37 Prozent plötzlich nicht mehr genügen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Aktie von Delivery Hero hat am 14. Juli 2026 um mehr als fünf Prozent auf 38,93 Euro zugelegt, das Uber-Papier hat knapp drei Prozent nachgegeben. Der Markt rechnet damit bereits mit einer Offerte deutlich über den 33 Euro je Aktie, die Uber im Mai geboten hatte.
Das Wichtigste in Kürze
- Uber hält bereits 36,83 Prozent der Stimmrechte an Delivery Hero und verhandelt jetzt über den Rest.
- Die EU-Kommission hat große Minderheitsbeteiligungen am Wettbewerber zuletzt zweimal beanstandet, einmal per Bußgeld, einmal per Auflage.
- Delivery Hero ist ein Berliner MDAX-Konzern, der in Deutschland praktisch kein Geschäft mehr betreibt.
- Der Kurierstatus bei der Tochter Glovo wird bis Dezember 2026 zum Haftungsposten.
Warum genügen Uber 37 Prozent nicht mehr?

Zwitterstellung. Seit Ende Mai hält Uber 36,83 Prozent der Stimmrechte an Delivery Hero, davon 24,99 Prozent direkt und 11,84 Prozent über zwei Total Return Swaps mit Laufzeit bis Mai 2028[2]. Gleichzeitig konkurriert Uber Eats in Südeuropa mit Glovo, und Glovo gehört Delivery Hero.
Kartellrisiko. Ein Großaktionär, der dem eigenen Beteiligungsunternehmen im selben Markt Kunden abjagt, sitzt genau in der Konstruktion, die Brüssel inzwischen als Wettbewerbsproblem behandelt. Der Aufbau dieser Beteiligung, den wir Anfang Juli beschrieben haben, war deshalb nie ein Endzustand, sondern eine Zwischenstufe.
Was hat Brüssel bereits entschieden?
Präzedenzfall. Im Juni 2025 hat die EU-Kommission Delivery Hero und Glovo mit 329 Millionen Euro belegt, weil beide sich gegenseitig keine Mitarbeiter abwarben, Märkte aufteilten und sensible Informationen tauschten[3]. Ermöglicht hat das eine Minderheitsbeteiligung: Delivery Hero hatte sich 2018 in Glovo eingekauft und über diesen Zugang Einfluss und Einblick gewonnen.
Muster. Wenige Monate später musste Prosus seine Delivery-Hero-Beteiligung von rund 28 Prozent auf einen einstelligen Wert senken, als Auflage für die 4,1 Milliarden Euro schwere Übernahme von Just Eat Takeaway. Brüssel duldet die Doppelrolle also weder im Nachhinein noch im Voraus, ähnlich hartnäckig wie zuletzt bei SAPs Wartungsmarkt. Für Uber bleiben damit zwei Wege: ganz kaufen oder verkaufen.
Uber kauft hier keine Wachstumsfantasie, sondern beendet eine Konstruktion, die in Brüssel längst als Kartellrisiko gilt. Der Preisaufschlag ist die Rechnung für diese Klarheit.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was ändert sich für den deutschen Markt?
Kaum etwas. Delivery Hero ist ein Berliner Konzern im MDAX, der sein Deutschlandgeschäft mit Lieferheld, pizza.de und foodora bereits 2018 an Takeaway.com verkauft hat. Uber übernimmt also foodpanda in Asien, talabat im Nahen Osten, PedidosYa in Lateinamerika und Glovo in Südeuropa, während Lieferando hierzulande unbehelligt bleibt. Die Konsolidierung folgt demselben Drehbuch wie im Handel, wo die großen Plattformen die kleineren aufsaugen.
Haftung. Spannender wird die Personalfrage. Bis zum 2. Dezember 2026 setzen die Mitgliedstaaten die EU-Plattformarbeitsrichtlinie um, die bei Kurieren im Zweifel ein Arbeitsverhältnis vermutet. Uber erbt mit Glovo damit ein Kostenrisiko, das dem deutschen Streit um die Scheinselbstständigkeit ähnelt, nur eine Größenordnung darüber.
Für Entscheider, die über solche Plattformen verkaufen oder liefern lassen, lohnt jetzt ein Blick in die Verträge. Nach einer Fusion dieser Größe werden Provisionssätze und Kündigungsfristen neu verhandelt, und wie stark eine Marktbereinigung die Konditionen verschiebt, zeigt der Fall MediaMarktSaturn gerade im Handel.
Quellen
[1] Bloomberg: „Uber Is Said to Be In Advanced Talks on Delivery Hero Takeover“ ↩
[2] Delivery Hero Investor Relations: Stimmrechtsmitteilungen und Angebotsunterlagen ↩
[3] Europäische Kommission: „Commission fines Delivery Hero and Glovo €329 million for participation in online food delivery cartel“ ↩
Mehr Newshunger?
- Zehn Milliarden für Delivery Hero: Warum Uber die eigene Europa-Expansion stoppt
- Galaxus überholt Zalando in der Schweiz: Warum das Marktplatz-Modell gewinnt
- Zalando schließt das Logistikzentrum Erfurt: Konsolidierung nach der About-You-Übernahme
- JD.com übernimmt MediaMarkt und Saturn: Warum die EU-Subventionsprüfung den China-Deal bremst
- DHL hebt die Prognose an: Was der Gewinnsprung für den E-Commerce bedeutet
- Die 20 größten E-Commerce-Giganten Deutschlands