Ein nicht börsennotierter Zahlungsdienstleister greift nach dem börsennotierten Marktführer: Stripe und der Finanzinvestor Advent wollen PayPal laut Reuters für mehr als 53 Milliarden Dollar übernehmen, umgerechnet rund 46 Milliarden Euro. Für den deutschen Onlinehandel steht damit die meistgenutzte Bezahlmethode zur Disposition.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPayPal soll für 60,50 Dollar je Aktie den Besitzer wechseln, rund 28 Prozent über dem letzten Schlusskurs, berichtet Reuters unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Bestätigt hat den Vorstoß bislang keine der beteiligten Firmen. Pikant ist der Bieter: Mit Stripe greift ausgerechnet der Infrastruktur-Rivale nach PayPal, der bislang vor allem im Hintergrund die Zahlungen der Händler abwickelte.
Das Wichtigste in Kürze
- Stripe und der Finanzinvestor Advent bieten laut Reuters mehr als 53 Milliarden Dollar (rund 46 Milliarden Euro), gestützt auf etwa 50 Milliarden Dollar zugesagte Bankkredite.
- Der Preis liegt bei 60,50 Dollar je Aktie, rund 28 Prozent über dem letzten Schlusskurs; die PayPal-Aktie sprang vorbörslich zweistellig nach oben.
- Beide Käufer wollen zu gleichen Teilen einsteigen und PayPal als Ganzes erhalten statt es zu zerschlagen.
- PayPal ist mit 28,5 Prozent Umsatzanteil die Nummer eins im deutschen Online-Bezahlmarkt.
Was bieten Stripe und Advent für PayPal?

Stripe und der Finanzinvestor Advent bieten laut Reuters mehr als 53 Milliarden Dollar (rund 46 Milliarden Euro) für PayPal, finanziert über etwa 50 Milliarden Dollar zugesagte Bankkredite. Das formelle Angebot ist in diesem Monat eingegangen, einen ersten Vorstoß hatte es bereits im April gegeben.
Ungewöhnlich ist die Konstellation. Nicht der große Konzern schluckt den kleinen, sondern ein privates Unternehmen greift nach dem größeren, börsennotierten Namen und will ihn von der Börse nehmen. Stripe wird in jüngsten Finanzierungsrunden mit rund 159 Milliarden Dollar bewertet, eine testierte Bilanzzahl ist das als Privatunternehmen nicht.
PayPal hat sich laut Reuters nicht geäußert, auch Stripe und Advent haben keine Stellungnahme abgegeben. An der Börse hat allein der Bericht gereicht, um die PayPal-Aktie vorbörslich um rund 16 Prozent steigen zu lassen.
Warum will Stripe den größeren Rivalen?
Stripe ist stark bei der technischen Abwicklung für Händler, schwach beim Endkunden. Genau diese Lücke füllt PayPal mit nach eigenen Angaben rund 440 Millionen aktiven Konten, einer bekannten Wallet und der bei jüngeren Nutzern beliebten Bezahl-App Venmo.
Der zweite Hebel liegt bei Stablecoins. Stripe hat 2024 den Infrastruktur-Spezialisten Bridge gekauft, PayPal betreibt mit PYUSD einen eigenen dollarbasierten Coin. Zusammen entstünde die seltene Kombination aus Abwicklungstechnik und direkter Endkundenreichweite.
Dahinter steht Stripes eigentliche Wette: das agentenbasierte Bezahlen, bei dem KI-Assistenten selbst einkaufen. Die Kontrolle über Identität, Zahlungsquelle und Betrugssignale der Verbraucher entscheidet über diese Schicht des Marktes. Dieselbe Logik treibt Visas Agentic Commerce in Europa und die Debatte, ob solche Systeme die Onlineshops entmachten.
Stripe kauft mit PayPal nicht Umsatz, sondern die Kasse von Millionen Verbrauchern. Diese Kontrolle entscheidet, wie Europa in fünf Jahren im Netz bezahlt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Deal für den deutschen Onlinehandel bedeutet
Für deutsche Shopbetreiber ist das keine ferne Wall-Street-Nachricht. PayPal ist hierzulande mit 28,5 Prozent Umsatzanteil die meistgenutzte Online-Bezahlmethode, vor Rechnungskauf und Lastschrift[1].
Ein Eigentümerwechsel über diesen Bezahl-Knopf berührt Konditionen, Gebühren und Datenflüsse von Hunderttausenden Händlern. Zugleich dürfte ein Zusammenschluss zweier Zahlungsriesen die EU-Wettbewerbshüter beschäftigen, die den Zahlungsmarkt ohnehin scharf beobachten, siehe Mastercards Verkauf der britischen Zahlungsschiene Vocalink.
Die Konsequenz für den Mittelstand ist unabhängig vom Ausgang klar: Ein Checkout allein auf PayPal bindet den Shop an einen möglichen neuen Eigentümer. Ein zweites, unabhängiges Verfahren im Bezahlmix des eigenen Shops senkt dieses Risiko spürbar.
Quelle
[1] EHI Retail Institute: „Paypal festigt Spitzenposition“ (Studie Online-Payment 2025) ↩
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