Ein Londoner Start-up namens Humanoid ist zu Europas erstem reinen Humanoiden-Einhorn aufgestiegen. Bemerkenswert an der Milliardenbewertung ist aber nicht der Firmensitz in London, sondern Süddeutschland: Bosch fertigt die Roboter, Schaeffler wird zum ersten Großkunden.

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Ein humanoider Roboter hat kürzlich eine komplette Achtstundenschicht in einer Siemens-Fabrik in Erlangen absolviert, 60 Transportbehälter pro Stunde, Trefferquote über 90 Prozent. Hinter dem Prototyp steht Humanoid, ein gerade zwei Jahre altes Unternehmen mit einer frischen Series-A-Runde über rund 132 Millionen Euro. Die Bewertung von rund 1,17 Milliarden Euro macht den Newcomer zum ersten europäischen Humanoiden-Einhorn.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Humanoid sammelt rund 132 Millionen Euro ein und kommt auf eine Bewertung von rund 1,17 Milliarden Euro, das erste reine Humanoiden-Einhorn Europas.
  • Bosch übernimmt über Robert Bosch Robotics die Serienfertigung, Schaeffler beteiligt sich als Investor und künftiger Großkunde.
  • Die Beta-Auslieferung an erste Kunden beginnt im vierten Quartal 2026.

Wie wird ein zwei Jahre altes Start-up zum Einhorn?

Keramik-Einhorn mit Bauhelm und Schild vor weißem Hintergrund
Unternehmer Artem Sokolov gründete Humanoid im Mai 2024 und investierte 30 Millionen Euro Eigenkapital. Die Gesamtfinanzierung beläuft sich auf 235 Millionen Euro

Gegründet hat Humanoid der Unternehmer Artem Sokolov im Mai 2024, kurz nach dem Verkauf seines milliardenschweren Schmuckgeschäfts. Rund 30 Millionen Euro eigenes Kapital hat Sokolov zum Start hineingesteckt, inzwischen summiert sich die Gesamtfinanzierung auf rund 235 Millionen Euro.

Das Kernprodukt heißt HMND 01 und kommt in zwei Bauformen, einer radbasierten und einer zweibeinigen. Gesteuert wird die Hardware von einer hauseigenen KI-Plattform namens KinetIQ. Kapital und Software allein bauen aber keine Roboter in Serie, und genau an diesem Punkt kommt die deutsche Industrie ins Spiel. Wie schnell dieser Markt reift, ordnet der Überblick zur Robotik im Jahr 2026 ein.

Warum steckt die deutsche Industrie hinter Humanoid?

Robert Bosch Robotics übernimmt die Auftragsfertigung, dazu Hardware-Design, Produktionskapazität und Lieferkette. Ein 250-Personen-Start-up erhält damit auf einen Schlag Zugang zu einem der größten Fertigungsnetze Europas. Bosch selbst baut dabei keine eigenen Roboter, sondern liefert Fertigung und Zulieferstruktur.

Schaeffler wiederum zeichnet nicht nur als Geldgeber, sondern hat sich zur größten öffentlich bekannten Abnahmevereinbarung der Branche verpflichtet, tausende Roboter in der eigenen Produktion. Der Wälzlager-Konzern kämpft in seinen rund um die Uhr laufenden Werken mit Fachkräftemangel und holt bereits humanoide Maschinen in die Fertigung. Für Humanoid entsteht damit ein garantierter Absatzmarkt, bevor der Vertrieb überhaupt anläuft.

Die eigentliche Nachricht steckt in dieser Rollenverteilung. Während US-Firmen wie Figure und chinesische Anbieter wie Unitree den Markt mit Kapital fluten, hat Europa lange keinen eigenen Champion hervorgebracht. Deutschlands Trumpf ist nicht das Wagniskapital, sondern die Fertigungstiefe: Konzerne wie Bosch und Schaeffler vermieten ihre industrielle Muskelkraft an das junge Unternehmen, statt selbst ein Einhorn zu bauen.

Dass humanoide Roboter längst in deutschen Werken arbeiten, zeigen die AEON-Modelle bei BMW in Leipzig ebenso wie der Walker S2 im Verteilzentrum von Rossmann.

Europas Robotik-Zukunft entsteht nicht im Reinraum eines Start-ups, sondern am Fließband der alten Industrie. Bosch und Schaeffler liefern genau das, was Kapital allein nicht kaufen kann.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Humanoid: Europas erstes Roboter-Einhorn in Zahlen

Ein Londoner Start-up wird zur Milliarde bewertet, gebaut wird in Deutschland.

132 Mio. €
Series-A-Runde im Juli 2026
1,17 Mrd. €
Bewertung nach der Runde
Q4 2026
Start der Beta-Auslieferung
235 Mio. €
Gesamtfinanzierung in zwei Jahren
250+
Ingenieure und Forscher weltweit
8 Stunden
autonome Schicht bei Siemens in Erlangen

Die Rollenverteilung hinter dem Einhorn

Bosch fertigt die Roboter über Robert Bosch Robotics und liefert Hardware-Design und Lieferkette.
Schaeffler beteiligt sich als Investor und bestellt als erster Großkunde tausende Maschinen.

Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?

Ab Januar 2027 gilt die neue EU-Maschinenverordnung, und diese Verordnung nimmt erstmals KI-gestützte Sicherheitsfunktionen ausdrücklich in den Blick. Betreiber, die humanoide Roboter neben Menschen in die Fertigung stellen, tragen die Verantwortung für Risikobewertung und Konformität. Zusätzlich greift der EU AI Act, sobald die Steuerung sicherheitskritische Entscheidungen trifft.

Vor dem ersten Robotereinsatz lohnt der nüchterne Blick auf zwei Fragen. Passen die eigenen Hallen und Wege zu radbasierten Robotern, die flachen Untergrund brauchen? Und reicht die Sicherheitsinfrastruktur für den Mischbetrieb von Mensch und Maschine? Erst danach zählt der eigentliche Business Case, also die Aufgaben, die den Robotereinsatz vor der Serienreife rechtfertigen.

Der Start von Humanoid macht vor allem einen Punkt deutlich: Europas Weg in die humanoide Robotik führt über die bestehende Industrie, nicht an ihr vorbei. Beobachten Sie, welche Aufgaben Schaeffler ab 2026 tatsächlich an die Maschinen übergibt, denn diese Pilotläufe liefern die belastbaren Zahlen, die heute noch fehlen.

Quelle

[1] Humanoid: „Humanoid Raises $152 Million at $1.35 Billion Post-Money Valuation, Becoming Europe’s First Pure-Play Humanoid Robotics Unicorn“

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