Das BMW Group Werk Landshut übernimmt die zentrale Software-Entwicklung für humanoide Robotik in der Komponentenfertigung. Statt Roboter von der Stange zu kaufen, setzt der Autobauer auf offene Plattformen und selbst trainierte KI-Modelle.

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Humanoide Robotik entsteht bei BMW künftig nicht am Reißbrett für Mechanik, sondern am Datenhandschuh. Am Werk Landshut streift ein Ingenieur einen Motion-Capture-Anzug über, greift nach einem Bauteil, und jede Bewegung wird zum Trainingsdatum.[1] Der Konzern macht den Standort zur zentralen Software-Schmiede für KI-gestützte Roboter und baut damit nicht die nächste Maschine, sondern ihre Steuerung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Landshut wird BMWs zentrale Entwicklungsstelle für die Software KI-gestützter, humanoider Robotik.
  • Der Ansatz kombiniert deterministische Programmierung mit Vision-Language-Action-Modellen; trainiert wird per Demonstration mit Motion-Capture-Anzügen und Datenhandschuhen.
  • Offene Plattformen sollen Roboter verschiedener Hersteller einbinden, statt an einen Anbieter zu binden.
  • Die Arbeit ergänzt Pilotprojekte in Leipzig und Spartanburg; Partner sind Athenyx Robotics und die Hochschule Landshut.

Warum entwickelt BMW die Software selbst?

Ein Roboterarm mit Aufkleber
Humanoidale Roboter scheitern nicht an der Mechanik, sondern an der Intelligenz. Software muss Umgebungen wahrnehmen und Bewegungen eigenständig ableiten

In der humanoiden Robotik ist nicht die Mechanik der Engpass, sondern die Intelligenz. Arme, Hände und Gelenke liefern inzwischen mehrere Anbieter in Serie. Über den Nutzen entscheidet die Software, die eine Umgebung wahrnimmt, die Lage eines Bauteils bewertet und daraus selbstständig eine Bewegung ableitet.

Technisch verbindet BMW zwei Welten. Deterministische Programmierung sorgt für verlässliche Abläufe, während Vision-Language-Action-Modelle Bild, Sprache und Roboterhandlung in einem einzigen Modell zusammenführen. Die mechanische Seite überlassen andere: Bosch und Schunk bauen gemeinsam die mechanische Roboterhand, Landshut liefert die Intelligenz, die sie steuert.

Trainiert wird demonstrationsbasiert. Ein Mensch führt die Aufgabe im Motion-Capture-Anzug und mit Datenhandschuhen vor, das System lernt aus Kamerabildern ein eigenes Verhaltensmodell. Die große Bauteil- und Prozessvielfalt der Komponentenfertigung liefert dafür besonders reichhaltige Daten.

„Im BMW Group Werk Landshut verbinden wir Softwarekompetenz mit der industriellen Praxis unserer Komponentenfertigung. So können wir neue Technologien frühzeitig testen und ihren Nutzen für die Produktion fundiert bewerten“, sagt Dr. Wolfgang Blümlhuber, Bereichsleiter Technologie Fahrdynamik und Inhouse-Komponentenfertigung.

Ist BMWs Vorstoß ein Alleingang oder Branchenmuster?

Es ist ein Muster. Reihenweise Industriekonzerne wandeln sich vom Roboter-Käufer zum Software-Entwickler und behandeln die Hardware als austauschbare Ware. BMW erprobt Humanoide bereits in den Werken Leipzig und Spartanburg, und der Wettlauf verschiebt sich vom Blech zum Verhaltensmodell.

Den Begriff dafür liefert die Branche gleich mit: Physical AI, also KI, die in der physischen Welt handelt. Japan bündelt dafür schon eine nationale Recheninfrastruktur für die Robotik, während Start-ups wie Figure oder Unitree die Körper liefern.

Zwischen Zukaufen und Selbstbauen wählt BMW bewusst den Mittelweg. Der Gabelstapler-Konzern Kion hat kürzlich lieber Colruyts fertige Fahrroboter übernommen, statt eigene zu entwickeln. BMW dagegen nutzt fremde Roboter-Hardware, behält aber die steuernde Software im eigenen Haus.

Nicht der Roboter ist die eigentliche Investition, sondern die Software, die ihn klug macht. Genau diese Schicht auszulagern hieße, den entscheidenden Wettbewerbsvorteil aus der Hand zu geben.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Landshut als Software-Zentrale für humanoide Robotik
Wie BMW die Intelligenz seiner Roboter selbst entwickelt
4
Entwicklungsfelder in Landshut
2
Pilotwerke: Leipzig & Spartanburg
2
Partner: Athenyx Robotics & Hochschule Landshut
Offene Plattformen
Roboter verschiedener Hersteller flexibel einbinden statt Anbieter-Bindung.
Trainingsdaten
Daten aus der realen Fertigung generieren, aufbereiten und bereitstellen.
Simulation & Bewegung
Abläufe simulieren und präzise Bewegungen im Voraus planen.
Robotertraining
Systeme so trainieren, dass sie ihre Umgebung erfassen und bewerten.
So lernt der Roboter

Deterministische Programmierung sorgt für verlässliche Abläufe, Vision-Language-Action-Modelle verbinden Bild, Sprache und Handlung. Trainiert wird per Demonstration: mit Kamerasystemen, Motion-Capture-Anzügen und Datenhandschuhen.

Was heißt das für den deutschsprachigen Mittelstand?

Der Hebel liegt nicht im Kauf eines Humanoiden, sondern in Daten, Simulation und Integrationskompetenz. Vor der Anschaffung steht die Frage, welche flexiblen, feinmotorischen Aufgaben sich überhaupt lohnen. Offene Plattformen halten dabei die Tür zu mehreren Herstellern offen und beugen der Abhängigkeit von einem Anbieter vor.

Den Nutzen zuerst zu prüfen, ist auch bei BMW die Leitlinie. „Wir prüfen nicht nur, was technisch möglich ist, sondern wo humanoide Robotik in der Komponentenfertigung tatsächlich einen belastbaren Nutzen bringen kann“, sagt Christoph Jagoda, Projektleiter Physical AI im Werk Landshut. Der rechtliche Rahmen wird ohnehin enger: Ab Januar 2027 erfasst die neue EU-Maschinenverordnung erstmals auch KI-gestützte Sicherheitsfunktionen, und die Haftung für Fehlverhalten bleibt beim Betreiber.

Für Entscheider heißt das konkret: zuerst die eigenen Prozesse auf feinmotorische Engpässe abklopfen und erst dann nach Hardware suchen. Der eigentliche Wert steckt in der Datenaufbereitung und in der Simulation, und offene Schnittstellen sind die Bedingung, um nicht dauerhaft an einem Anbieter zu hängen. Ob sich ein eigener Roboter überhaupt rechnet, klärt der Überblick, wer 2026 wirklich einen Roboter braucht.

Quelle

[1] BMW Group: „BMW Group Werk Landshut entwickelt Software für humanoide Robotik in der Komponentenfertigung“

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