Jungheinrich bringt seine neue Staplergeneration EFG 2i/3i mit einer KI-Kamera auf den Markt, die Fußgänger im Fahrweg selbst erkennt. Der Verkauf der ersten Variante startet zu Beginn des dritten Quartals 2026. Spannend wird es unterhalb der Produktschau, denn der Konzern setzt KI längst auch in der eigenen Entwicklung ein.

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Jungheinrichs neue KI-Stapler sollen den gefährlichsten Moment im Lager entschärfen, das Rückwärtsfahren mit verstelltem Blick. Bis zu 65 Prozent weniger toten Winkel verspricht der Hamburger Konzern für die neue EFG-Generation[1], dazu eine Kamera, die Personen erkennt, statt nur auf den Fahrer zu vertrauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die neue EFG 2i/3i erkennt Personen im Fahrweg per KI-Kamera (addedVIEW) und warnt zonenbasiert vor Kollisionen (zoneCONTROL).
  • Traglast 1,4 bis 2,0 Tonnen, bis zu 15 Prozent mehr Flächeneffizienz, Marktstart der Variante drive&liftPLUS ab dem dritten Quartal 2026.
  • Jungheinrich nutzt KI auch in der Batterieentwicklung und spart damit physische Prototypen.
  • Ab dem 20. Januar 2027 regelt die EU-Maschinenverordnung erstmals KI-Sicherheitsbauteile, und das trifft genau solche Assistenzsysteme.

Was kann die neue EFG-Generation?

Ein Gabelstapler von STILL mit einem riesigen Roboterauge und dem Schild „Ich sehe dich“
EFG 2i/3i mit 2,0-Tonnen-Kapazität, 65% weniger toter Winkel durch schräge B-Säule und KI-Kamera zur Personenerkennung. drive&liftPLUS startet Q3 2026

Die EFG 2i/3i trägt bis zu 2,0 Tonnen, senkt den toten Winkel um bis zu 65 Prozent und erkennt Personen im Fahrweg per KI-Kamera. Der Verkauf der Variante drive&liftPLUS startet zu Beginn des dritten Quartals 2026, zwei weitere Ausbaustufen folgen 2027.

Sicherheit zuerst: Die schräg gestellte B-Säule verkleinert beim Rückwärtsfahren den toten Winkel, das Kamerasystem addedVIEW erkennt Personen im Fahrweg, und zoneCONTROL warnt zonenbasiert vor Kollisionen. Der Wenderadius schrumpft um bis zu 300 Millimeter, was die Flächeneffizienz um bis zu 15 Prozent hebt.

Technische Basis: Die Stapler fahren im 48-Volt-Segment, wahlweise mit Lithium-Ionen-Akkus in drei Kapazitäten oder Bleibatterie, der Brennstoffzellenbetrieb ist vorbereitet. Damit gehört die Serie zur breiten Automatisierung der Intralogistik, in der Kameras und Sensoren zunehmend die Rolle des mitdenkenden Beifahrers übernehmen, ähnlich wie bei Robotern, die sich mit einer einzigen Kamera orientieren.

Warum steckt die KI auch in der Entwicklung?

Jungheinrich trainiert seit April 2026 KI-Modelle des Softwarehauses Monolith auf Batterie-Testdaten und sagt Kapazität, Effizienz und Alterung früh voraus. Das spart physische Prototypen und Testreihen, laut McKinsey beschleunigen datengetriebene Ansätze die Entwicklung in komplexen Industrien um 20 bis 80 Prozent.

Doppelter Hebel: Die eigentliche Neuigkeit ist der zweite Einsatzort. KI sitzt nicht nur im Produkt, sie verkürzt auch dessen Entstehung, weil weniger reale Muster gebaut und mehr Entscheidungen vorab am Modell getroffen werden.

Wettlauf der Branche: Jungheinrich steht damit nicht allein. Kion kauft Robotikkompetenz von Colruyt zu, während Deutz den Bodenroboter Gereon in Serie baut. Auch Bosch und Schunk entwickeln gemeinsam die Roboterhand, und der Sprung von der Fernsteuerung zur Physical AI läuft quer durch die deutsche Industrie.

Der eigentliche Umbruch steckt nicht in der Kamera am Stapler, sondern darin, dass Jungheinrich KI längst in die eigene Produktentwicklung zieht und Prototypen einspart. Assistenzsysteme verkaufen sich ab 2027 nur noch, wenn ihre KI die Maschinenverordnung besteht, und genau diese Hürde entscheidet über den Markt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Beschaffung und Recht?

Ab dem 20. Januar 2027 behandelt die EU-Maschinenverordnung KI-Sicherheitsbauteile wie physische Bauteile, samt Bewertung der Lernphase. Käufer sollten Assistenzsysteme auf diese Konformität prüfen und den Betriebsrat einbinden, sobald Kameras Beschäftigte erfassen.

Neue Rechtslage: Die Verordnung (EU) 2023/1230 löst die alte Maschinenrichtlinie ab und behandelt Software, die Sicherheitsfunktionen übernimmt, rechtlich wie ein physisches Sicherheitsbauteil[2]. Hersteller müssen die Lernphase einer KI in der Risikobeurteilung berücksichtigen und ihre Grenzen vorab absichern.

Betriebliche Folgen: Eine Kamera, die Personen erkennt, berührt zugleich die Mitbestimmung des Betriebsrats und den Beschäftigtendatenschutz, sobald sie Mitarbeiter erfassen kann. Diese Debatte hängt eng an der Frage, ob Automatisierung wirklich Jobs verdrängt oder vor allem die Arbeit sicherer macht.

Für Flottenbetreiber lohnt der genaue Blick ins Lastenheft: Ein Assistenzsystem, das heute glänzt, muss ab 2027 die Maschinenverordnung bestehen und den Betriebsrat überzeugen. Am besten werden Konformitätsnachweise und Update-Zusagen schon bei der Beschaffung schriftlich fixiert.

Jungheinrichs neue KI-Staplergeneration in Zahlen
Die EFG 2i/3i verbindet Fahrerassistenz per Kamera mit einem engeren Wenderadius.
bis 65 %
weniger toter Winkel beim Rückwärtsfahren
bis 15 %
mehr Flächeneffizienz durch engeren Wenderadius
1,4 bis 2,0 t
Traglast der EFG-2i/3i-Serie
Q3 2026
Marktstart der Variante drive&liftPLUS, weitere 2027
Ab 20. Januar 2027: EU-Maschinenverordnung
Die Verordnung (EU) 2023/1230 behandelt KI-Sicherheitsbauteile wie physische Bauteile und verlangt, die Lernphase der KI in der Risikobeurteilung abzusichern.

Quellen

[1] Jungheinrich: „New EFG 2/2i & 3/3i electric counterbalance trucks“

[2] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen

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