BYD kündigt den Bau eines eigenen Werks im malaysischen Tanjung Malim auf und lässt seine Autos dort künftig bei einem lokalen Auftragsfertiger zusammensetzen. In Europa steckt der Konzern rund vier Milliarden Euro in eine eigene Fabrik, in Südostasien genügt ihm die Halle eines Partners. Hinter dem Doppelkurs steht eine klare Rechnung: Wo hohe Zölle drohen, baut BYD selbst, wo nicht, mietet der Konzern sich ein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- BYD verwirft das geplante eigene Werk in Tanjung Malim und lässt seine Fahrzeuge stattdessen bei einem etablierten Auftragsfertiger in Malaysia montieren.
- Auslöser ist Malaysias neue Einfuhrregel für fertig importierte Elektroautos, die seit Juli 2026 gilt und lokale Montage gegenüber dem reinen Import bevorzugt.
- In Europa fährt BYD die Gegenstrategie: In Ungarn entsteht für rund vier Milliarden Euro ein eigenes Werk, um den EU-Antisubventionszoll von 17 Prozent zu umgehen.
- Im August 2026 verkaufte BYD über 180.000 Fahrzeuge im Ausland; der Export treibt das Wachstum, der Heimatmarkt steckt im Preiskrieg.
Warum BYD das eigene Werk in Malaysia stoppt

Ausschlaggebend ist ein politischer Kurswechsel in Kuala Lumpur. Malaysia ließ seine Anreize für importierte Elektroautos zum Juli 2026 auslaufen und drängt die Hersteller zur Montage im Land. BYD reagiert, indem es die 2025 angekündigte eigene Fabrik streicht und die Endmontage einem erfahrenen lokalen Auftragsfertiger überlässt, mit dem die Verträge nach Konzernangaben kurz vor dem Abschluss stehen.
BYD stellt klar, dass der Rückzug kein Rückzug aus Malaysia sei. „Das Werk in Tanjong Malim wird nicht kommen. Diese Entscheidung bedeutet aber nicht, dass BYD seine Pläne für eine lokale Montage in Malaysia aufgegeben hat“, sagte Jacob Ma, Geschäftsführer von BYD Malaysia. Statt Kapital in eine neue Halle zu binden, nutzt der Konzern einen Montagepartner, der dort seit Jahren auch für europäische Marken fertigt. In Japan sammelt BYD zugleich Vorbestellungen für sein erstes Kei-Car ein, ein Beleg für die selektive Auslandsstrategie.
Europa gegen Südostasien: zwei Strategien, ein Konzern
Der Kontrast zu Europa könnte schärfer kaum sein. In Ungarn baut BYD im Alleingang ein Werk für rund vier Milliarden Euro, die Serienfertigung läuft 2026 an, die Wagen gelten dann als europäisch. Der Grund liegt im Zoll: Auf importierte chinesische Elektroautos erhebt die EU seit Ende Oktober 2024 einen Antisubventionszoll, für BYD 17 Prozent zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent.[1]
Ein eigenes Werk lohnt sich für BYD deshalb nur in Europa, wo die Abgabe jeden Import verteuert und die Ursprungsregeln eine lokale Lieferkette erzwingen. In Malaysia fehlt eine solche Mauer, also genügt die günstigere Auftragsmontage. Dasselbe Muster zeigt sich bei den Rivalen: Leapmotor lässt seit Herbst in Spanien fertigen, statt Autos aus China zu verschiffen.
Wo ein Zoll die Einfuhr verteuert, baut BYD eine eigene Fabrik, wo keiner droht, reicht die Halle eines Partners. Der europäische Schutzzoll holt genau die Produktion ins Land, die er draußen halten sollte.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Doppelkurs für Europa bedeutet
Für den europäischen Markt zählt vor allem das Werk in Ungarn. Der Zoll, der BYD draußen halten sollte, zieht die Fertigung nach Europa und verschärft den Wettbewerb für Volkswagen, Stellantis und Renault direkt vor der Haustür. BYD verkaufte im August 2026 über 180.000 Fahrzeuge außerhalb Chinas, der Auslandsabsatz treibt das Wachstum, während der Gewinn im heimischen Preiskrieg schrumpft.
Entscheider im DACH-Raum sollten den Kostenvorteil nüchtern einordnen. Ein in Ungarn montiertes BYD-Modell unterläuft den Importzoll legal und tritt preislich gegen europäische Elektroautos an, während deren Hersteller ebenso wie Chinas eigene Elektro-Newcomer um jede Marge ringen. Bei der Flottenplanung steht damit bald nicht mehr Import gegen Heimmarke, sondern ein europäischer BYD gegen einen europäischen Volkswagen.
Wie Zölle über die Fabrikstrategie entscheiden (Stand September 2026)
FAQ: BYD verwirft sein eigenes Werk in Malaysia und montiert beim Partner
Wo lässt BYD seine Autos künftig in Malaysia montieren?
BYD gibt die Endmontage an einen etablierten lokalen Auftragsfertiger ab, der in Malaysia seit Jahren auch für europäische Marken produziert. Ein eigenes Werk in Tanjung Malim baut der Konzern nicht mehr; die Verträge mit dem Partner stehen nach Konzernangaben kurz vor dem Abschluss.
Wie hoch ist der EU-Zoll auf chinesische Elektroautos?
Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU einen Antisubventionszoll auf importierte E-Autos aus China, für BYD 17 Prozent zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent. Je nach Hersteller reichen die Zusatzsätze bis 35,3 Prozent.
Wo baut BYD in Europa ein eigenes Werk?
BYD errichtet im ungarischen Szeged für rund vier Milliarden Euro sein erstes europäisches Werk. Die Serienfertigung läuft 2026 an. Die dort gebauten Autos gelten als in Europa produziert und umgehen so den EU-Antisubventionszoll auf chinesische Importe.
Warum baut BYD in Europa selbst, in Malaysia aber nicht?
In Europa verteuert der Antisubventionszoll jeden importierten Wagen, ein eigenes Werk hinter der Zollmauer rechnet sich. In Malaysia gibt es keine solche Abgabe, deshalb genügt BYD die günstigere Montage bei einem lokalen Partner statt einer eigenen Fabrik.
Quelle
[1] Europäische Kommission: „EU imposes duties on unfairly subsidised electric vehicles from China“ (30. Oktober 2024)
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