Die Generalsanierung des deutschen Schienennetzes verliert an Tempo. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte an, künftig nur noch zwei bis drei Korridore pro Jahr komplett zu sanieren statt der geplanten vier. Ein festes Zieljahr für das Gesamtprogramm nannte sie nicht mehr.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Statt vier plant die Deutsche Bahn künftig zwei, in Ausnahmen drei Generalsanierungen pro Jahr.
  • Als Gründe nannte Palla das begrenzte Finanzierungsvolumen und die Netzkapazität, die vier parallele Vollsperrungen zu stark senken.
  • Das bisherige Zieljahr 2036 für das Programm aus rund 40 Korridoren steht damit infrage.
  • Das überarbeitete Konzept stimmt die Bahn derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium ab.

Was ändert die Bahn am Sanierungsplan?

Sanduhr auf Bahnschiene mit Schild „Später“, auf weißem Grund
Bahn reduziert Vollsanierungen von vier auf zwei Korridore pro Jahr nach Überprüfung des Konzepts

Bislang wollte die Bahn jährlich vier hoch belastete Korridore komplett sperren und in einem Zug erneuern, von Gleisen und Weichen über die Oberleitung bis zu Signaltechnik und Bahnhöfen.[1] Dieses Tempo korrigierte Palla nach unten. Eine Überprüfung des Konzepts habe gezeigt, dass vier Vollsanierungen pro Jahr zu viel seien, sagte die Vorstandsvorsitzende. Künftig sollen es zwei sein, bei besonderer technischer Dringlichkeit drei.

Das Programm umfasst rund 40 Streckenabschnitte, die ursprünglich bis Anfang der 2030er Jahre erneuert sein sollten, zuletzt galt das Jahr 2036. Schon zuvor hatte die Bahn ihr Vorgehen geändert und lässt sanierte Korridore inzwischen in Etappen ans Netz gehen statt am Stück.

Warum waren vier Korridore pro Jahr zu viel?

Zwei Engpässe zwangen zum Umsteuern. Der eine ist das Geld. Die Bahn koppelt die Zahl der Sanierungen künftig an das verfügbare Finanzierungsvolumen des Bundes, das für die kommenden Jahre nicht gesichert ist. Der andere ist die Kapazität: Vier zeitgleiche Vollsperrungen entzogen dem ohnehin knappen Netz zu viele Trassen, sodass Umleitungen und der Güterverkehr an Grenzen stießen.

Die erste Generalsanierung, die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, ging Ende 2024 nach fünf Monaten Vollsperrung wieder ans Netz und lieferte die Erfahrungswerte für die Korrektur.[1]

Ein Netz, das nur so schnell saniert wird, wie das Geld reicht, plant nicht mehr nach dem Bedarf, sondern nach der Kassenlage. Zwei Korridore im Jahr sind ehrlicher als vier auf dem Papier, verschieben die Zumutungen aber tief in die 2030er.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Reisende und Güterverkehr?

Für Fahrgäste und Verlader verschiebt sich die Aussicht auf ein verlässliches Netz weiter nach hinten. Das Ziel eines Hochleistungsnetzes, in dem gebündelte Baustellen die Zahl der Störungen senken, rückt in die zweite Hälfte des Jahrzehnts und darüber hinaus.

Zugleich hängt die Modernisierung nicht nur an Gleisen und Brücken, sondern an der Leit- und Sicherungstechnik. Ohne flächendeckend digitale Stellwerke und das europäische Zugsicherungssystem ETCS bleibt die Kapazität begrenzt, die eine Sanierung überhaupt heben kann. Für Logistiker bedeutet die gestreckte Planung längere Vorlauf- und Ausweichzeiten, weil einzelne Korridore weiter für Monate komplett ausfallen.

Bahn-Generalsanierung: gedrosseltes Tempo
Was die Deutsche Bahn an ihrem Sanierungsprogramm ändert
4 → 2
Generalsanierungen pro Jahr, bisher geplant gegenüber künftig (in Ausnahmen drei)
rund 40
Korridore umfasst das Gesamtprogramm
2036
bisheriges Zieljahr, jetzt ohne festen Termin
2024
erster fertiger Korridor: die Riedbahn

Unternehmen, die auf die Schiene angewiesen sind, sollten die neue Korridorliste abwarten und ihre Planung an den gestreckten Zeitplan anpassen. Die Bahn stimmt die Liste derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium ab und will sie bald vorstellen.

Quelle

[1] Deutsche Bahn: „Gemeinsam zum Hochleistungsnetz mit den Generalsanierungen“

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