Digitale Stellwerke sollen verhindern, dass ein einzelner Kabelbrand gleich 200 Züge lahmlegt. Solche Systeme messen den Zustand der Strecke laufend und melden eine Störung, bevor die Technik ausfällt. Genau diese Bausteine führt Knorr-Bremse ab dem 22. September auf der Berliner InnoTrans vor.[1]

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wayside-Plattform: Knorr-Bremse zeigt auf der InnoTrans (22.–25. September, Berlin) das System ElectroLogIXS für digitale Stellwerke und Streckenüberwachung.
  • Datengesteuertes Stellwerk: Sensoren an der Strecke erfassen den Zustand der Infrastruktur und ermöglichen vorausschauende Wartung statt Reparatur nach dem Ausfall.
  • Nur 2 % digital: In Deutschland läuft erst ein Bruchteil des Netzes digital, während über 1.100 Relaisstellwerke aus den 1950er- und 1960er-Jahren weiter Weichen und Signale steuern.
  • Das Nadelöhr: Selbst fertige Technik trifft auf einen Ausbau, der sich bis in die 2030er-Jahre zieht.

Was steckt hinter Knorr-Bremses Wayside-Technik?

Alter Weichenhebel mit Notizzettel neben modernem Sensor auf Schiene, weißer Hintergrund
Knorr-Bremse ElectroLogIXS: Plattform für Signaltechnik, Stellwerkslogik und Datenauswertung mit Vital Logic Controller und Wayside Data Management

Das Herzstück ist die Plattform ElectroLogIXS, auf der Knorr-Bremse Signaltechnik, Stellwerkslogik und Datenauswertung auf gemeinsamer Hardware bündelt. Ein Vital Logic Controller schaltet die sicherheitskritischen Fahrwege, während eine Data Acquisition Unit die Betriebsdaten direkt an der Strecke abgreift. Ausgewertet werden diese Daten im Wayside System Data Management Module, das Rückschlüsse auf den Zustand von Weichen, Signalen und Bahnübergängen erlaubt.[1]

Der eigentliche Sprung liegt im datengesteuerten Stellwerk. Statt starrer Relaislogik verketten IP-basierte Objektcontroller die Feldelemente und melden Verschleiß, bevor ein Bauteil ausfällt. Aus reaktiver Reparatur wird geplante, vorausschauende Wartung. Diese Zustandsdaten sind auch der Rohstoff, aus dem Vossloh mit dem Zukauf von Cordel ein eigenes Überwachungsgeschäft aufbaut.

Warum hängt die Bahn ein Jahrzehnt zurück?

Die Technik steht bereit, das Netz nicht. Nach Zahlen der Digitalen Schiene Deutschland sind erst rund 2 Prozent des Streckennetzes mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet.[2] Den Betrieb halten weiter über 1.100 Relaisstellwerke mit Drucktasten- und Spurplantechnik aus den 1950er- und 1960er-Jahren am Laufen, dazu mehrere Hundert mechanische und elektromechanische Anlagen.

Der Umbau kommt langsam voran. Für den Digitalen Knoten Stuttgart ist die Inbetriebnahme von digitalen Stellwerken und ETCS erst bis mindestens Ende 2032 angesetzt, weitere Abschnitte folgen später im Jahrzehnt.[2] Parallel bündelt die Bahn die Sanierung hochbelasteter Strecken in Korridore, die etappenweise ans Netz gehen. Zur strategischen Frage wird dabei auch, welcher Hersteller die Stellwerkslogik liefert, wie der Vorstoß Chinas mit heimischen Prozessoren in der Bahnsicherung zeigt.

Die Aussteller in Berlin verkaufen vorausschauende Wartung, doch erst 2 Prozent des Netzes sind überhaupt dafür gerüstet. Der Engpass liegt nicht im Katalog der Hersteller, sondern im Tempo, mit dem die Bahn ihn abarbeitet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Betreiber und Zulieferer?

Bei Bahnbetreibern und Industrie verschiebt sich der Wettbewerb von der Hardware zur Software und zu den Daten. Der Auftrag steckt nicht mehr allein im Signal, sondern im Zustandsdatenstrom, den Plattformen wie ElectroLogIXS erzeugen und den Dritte auswerten können.

Für Zulieferer zählt deshalb, ob ihre Systeme offene, standardisierte Schnittstellen zu ETCS und zur Digitalen Schiene mitbringen. Verlader und Pendler wiederum spüren den Nutzen erst dort, wo digitale Technik wirklich verbaut ist, weil vorausschauende Wartung nur dann Ausfälle senkt. Vor jeder Beschaffung von Fahrzeugen oder Infrastruktur lohnt der frühe Blick auf die ETCS-Interoperabilität, statt sie später teuer nachzurüsten.

Digitale Schiene: Technik da, Netz nicht
Was Knorr-Bremse auf der InnoTrans 2026 zeigt und wie weit die Bahn beim Umbau ist
2 %
des deutschen Streckennetzes laufen mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik
1.100+
Relaisstellwerke aus den 1950er- und 1960er-Jahren steuern weiter Weichen und Signale
2032
frühestes Ziel für digitale Stellwerke und ETCS im Digitalen Knoten Stuttgart
22.–25. Sept.
Knorr-Bremse zeigt seine Wayside-Plattform auf der InnoTrans in Berlin
Vom Sensor zur vorausschauenden Wartung
Schritt 1
Messen
Die Data Acquisition Unit erfasst Betriebsdaten direkt an Weichen, Signalen und Bahnübergängen.
Schritt 2
Auswerten
Das Wayside System Data Management Module verdichtet die Daten zum Zustandsbild der Strecke.
Schritt 3
Warten
Verschleiß wird sichtbar, bevor ein Bauteil ausfällt, und Reparaturen laufen geplant statt im Störfall.

FAQ: Digitale Stellwerke bei der Bahn

Was ist ein digitales Stellwerk?

Ein digitales Stellwerk (DSTW) steuert Weichen und Signale über eine IP-basierte, verteilte Architektur statt über mechanische oder Relaistechnik. Digitale Objektcontroller schalten die Feldelemente über gesicherte Netze, lassen sich leichter erweitern und bilden die Grundlage für Automatisierung und für das europäische Zugsicherungssystem ETCS.

Wie viel des deutschen Bahnnetzes ist schon digitalisiert?

Erst rund 2 Prozent des Streckennetzes sind mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Den größten Teil steuern weiter über 1.100 Relaisstellwerke aus den 1950er- und 1960er-Jahren sowie mehrere Hundert mechanische und elektromechanische Anlagen. Der Umbau zieht sich bis weit in die 2030er-Jahre.

Was ist vorausschauende Wartung an der Bahnstrecke?

Vorausschauende Wartung nutzt Sensordaten von der Strecke, um Verschleiß an Weichen, Signalen oder Bahnübergängen zu erkennen, bevor ein Bauteil ausfällt. Statt nach einer Störung zu reparieren, planen Betreiber den Eingriff vorab. Das senkt ungeplante Ausfälle und Streckensperrungen, sobald die nötige digitale Technik verbaut ist.

Was zeigt Knorr-Bremse auf der InnoTrans 2026?

Knorr-Bremse zeigt vom 22. bis 25. September 2026 in Berlin seine Wayside-Plattform ElectroLogIXS für die Strecke. Darauf laufen datengesteuerte Stellwerkslogik, Signaltechnik und die Zustandsüberwachung der Infrastruktur auf gemeinsamer Hardware, ergänzt um Lösungen für Bahnübergänge.

Quellen

[1] Knorr-Bremse: „The Future of Rail Starts Now: Knorr-Bremse at InnoTrans 2026“

[2] Digitale Schiene Deutschland: „Digitale Stellwerke (DSTW)“

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