Über eine Million Servicebuchungen liefen 2025 über TRAVIS, die Buchungsplattform von Knorr-Bremse. Auf der Automechanika in Frankfurt zeigt der Bremsenhersteller ab dem 8. September 2026, wie eng er Werkstätten, Flotten und Telematik zu einem vernetzten Aftermarket verknüpft. Aus dem Ersatzteilgeschäft wird eine Datenplattform. Über den Zugriff auf diese Daten entscheidet seit einem Jahr auch der EU Data Act.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Knorr-Bremse bündelt auf der Automechanika 2026 Diagnose, Telematik und Werkstattsteuerung in der CVS Service Platform.
- Die Buchungsplattform TRAVIS zählte 2025 mehr als eine Million Buchungen, das Partnernetz umfasst über 1.100 Werkstätten.
- Predictive Maintenance macht aus Bremsdaten planbare Reparaturen und senkt die Standzeit der Flotte.
- Der EU Data Act gibt Flottenbetreibern seit September 2025 ein Zugriffsrecht auf die selbst erzeugten Fahrzeugdaten.
Warum die Bremse zur Datenquelle wird

Eine moderne Bremse liefert heute mehr Daten als Bremskraft. Aktive Raddrehzahlsensoren und Systeme wie iTEBS X oder Jaltest Telematics erfassen Verschleiß, Temperatur und Last in Echtzeit. Knorr-Bremse sammelt diese Ströme in der CVS Service Platform und verbindet Werkstätten, Händler und Fuhrparks über eine gemeinsame Oberfläche.[1] Aus dem einzelnen Ersatzteil wird ein laufender Datenstrom. Der Wert wandert vom Blech in die Software. „Der entscheidende Unterschied liegt in der intelligenten Kombination aus hochwertigen Produkten, Diagnose-Kompetenz und digitalen Diensten“, sagt Bernd Spies, Vorstandsmitglied und Leiter der Nutzfahrzeugsparte bei Knorr-Bremse.
Vom Zulieferer zum Plattformbetreiber
Knorr-Bremse steht mit dem Umbau nicht allein. Der Konkurrent SAF-Holland bündelt Achse, Bremse und Telematik zum vernetzten Fahrwerk, der Schienenbefestiger Vossloh kaufte sich über Cordel in die KI-gestützte Streckenüberwachung ein. Das Muster wiederholt sich: Der Hersteller der Sensoren kontrolliert den Datenzugang und bindet Kunden an die eigene Plattform. Bei rund 7,8 Milliarden Euro Konzernumsatz und mehr als 1.100 Partnerwerkstätten wird aus einem Zulieferer ein Betreiber. Das erklärte Ziel, bis 2030 auf zehn Milliarden Euro zu wachsen, stützt sich genau auf dieses Servicegeschäft.
Die Bremse verkauft der Hersteller einmal, am Datenstrom der Bremse verdient er über Jahre. Der eigentliche Umbau steckt in der Software, nicht im Blech.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Dieselbe Verschiebung zeigt sich bei Baumaschinen: Liebherr bündelt seine Maschinendaten auf einer Plattform, seit der EU Data Act die Datenhoheit neu verteilt. Der Zugriff auf die erzeugten Daten wird so zum eigentlichen Wettbewerbsfeld.
Wem gehören die Bremsdaten? Der EU Data Act antwortet
Den Zugriff auf die Fahrzeugdaten regelt seit dem 12. September 2025 der EU Data Act. Die Verordnung (EU) 2023/2854 gibt den Nutzern vernetzter Produkte, also auch Flottenbetreibern, ein Recht auf ihre Daten und auf deren Weitergabe an Dritte.[2] Für Werkstätten und Fuhrparks bedeutet das: Der Plattformbetreiber darf den Datenzugang nicht mehr allein kontrollieren. Den Streit ums Recht auf Reparatur kennt der freie Teilemarkt bereits, etwa aus dem FTC-Vergleich mit John Deere.
Drei Schritte sichern Flottenbetreibern die eigene Position im vernetzten Aftermarket:
- Die Datenzugriffsrechte aus dem Data Act aktiv einfordern.
- Bestehende Serviceverträge auf Datenportabilität prüfen.
- Offene Telematik-Standards statt proprietärer Insellösungen verlangen.
Was ist die CVS Service Platform von Knorr-Bremse?
Die CVS Service Platform ist die digitale Aftermarket-Plattform von Knorr-Bremse TruckServices. Sie verbindet Werkstätten, Flottenbetreiber, Händler und Servicepartner über eine gemeinsame Oberfläche und bündelt Diagnose, Telematik, Terminplanung und Ersatzteilbestellung. Ziel ist eine höhere Fahrzeugverfügbarkeit durch planbare statt ungeplanter Reparaturen.
Wem gehören die Daten aus vernetzten Nutzfahrzeugen?
Seit dem 12. September 2025 gibt der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854) den Nutzern vernetzter Produkte ein Recht auf die selbst erzeugten Daten. Bei einem Nutzfahrzeug ist das der Flottenbetreiber, nicht allein der Hersteller der Bauteile. Der Betreiber darf den Zugang zu diesen Daten verlangen und sie an Dritte wie freie Werkstätten weitergeben.
Was ändert der EU Data Act für Flottenbetreiber?
Flottenbetreiber können Zugriff auf ihre Fahrzeug- und Telematikdaten einfordern und die Weitergabe an Werkstätten oder Softwareanbieter ihrer Wahl verlangen. Das begrenzt die Bindung an eine einzige Herstellerplattform. Betreiber sollten Verträge auf Datenportabilität prüfen und offene Telematik-Standards statt geschlossener Insellösungen verlangen.
Quellen
[1] Knorr-Bremse: „Knorr-Bremse TruckServices auf der Automechanika 2026: Produkte, Services und Daten intelligent vernetzt“
[2] Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act)
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