ZTE meldet für das erste Halbjahr 2026 den höchsten Umsatz der Firmengeschichte und im selben Atemzug einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte. Beide Zahlen stammen aus demselben Umbau: Chinas zweitgrößter Netzausrüster verkauft immer mehr KI-Server und immer weniger margenstarke Funktechnik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz steigt im ersten Halbjahr auf 78 Milliarden Yuan, rund 10 Milliarden Euro, ein Plus von gut 9 Prozent.
- Der Nettogewinn fällt zugleich um 46 Prozent auf umgerechnet 352 Millionen Euro.
- Rechenleistung, also Server und Rechenzentrumstechnik, macht schon 35 Prozent des Umsatzes aus und wächst um 55 Prozent.
- In Europa gilt ZTE im 5G-Netz als Hochrisiko-Anbieter, der KI-Umbau verlagert dieselbe Sicherheitsdebatte auf ein neues Feld.
Wie kann ein Rekordumsatz den Gewinn halbieren?

Der Gewinn bricht ein, weil ZTE massenhaft margenschwache KI-Server gegen die margenstarke Funktechnik tauscht. Der Umsatz kletterte auf 78,03 Milliarden Yuan, rund 10 Milliarden Euro, ein Rekord und ein Plus von gut 9 Prozent.[1] Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte im selben Zeitraum um 45,57 Prozent auf 2,75 Milliarden Yuan, etwa 352 Millionen Euro.
Der Grund liegt im Produktmix. Server und Rechenzentrumstechnik werfen deutlich weniger Marge ab als 5G-Basisstationen mit ihrem hohen Softwareanteil. Je mehr Kisten ZTE verkauft, desto dünner wird die Rendite. Denselben Zielkonflikt aus Wachstum und schrumpfender Marge zeigte zuletzt Baidu bei seinem KI-Umbau.
Was treibt den Umbau zum KI-Ausrüster?
Chinas Mobilfunkmarkt ist gesättigt, der 5G-Ausbau weitgehend abgeschlossen. ZTE lenkt seine Kapazität deshalb in die Rechenleistung: Der Bereich steht schon für 35,1 Prozent des Umsatzes, nach 27 Prozent im ersten Quartal. Server und Speicher legten um fast 60 Prozent zu, reine Rechenzentrumsprodukte um über 90 Prozent.
Die Abnehmer sind die staatlichen Netzbetreiber China Mobile, China Telecom und China Unicom, die ihre eigenen KI-Rechenzentren hochziehen. Ein ähnliches Muster zeigte Kingsoft Cloud, wo zuletzt erstmals über die Hälfte des Cloud-Umsatzes aus der KI kam. Zugleich steckt ZTE 10,93 Milliarden Yuan, 1,40 Milliarden Euro, in Forschung und eigene Beschleuniger, um unabhängiger von Nvidia zu werden.
So viel steckt ZTE im Halbjahr in Forschung und Entwicklung, auch in eigene KI-Beschleuniger, um unabhängiger von Nvidia zu werden. Die Kehrseite der Server-Offensive: dünne Margen drücken trotz Rekordumsatz auf den Gewinn.
ZTE verkauft künftig Server in großer Stückzahl, wo früher margenstarke Funktechnik stand. Genau diese Verschiebung erklärt, warum der Netzausrüster kräftig wächst und trotzdem ärmer wird.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet ZTEs KI-Wende für Europa?
Für Europa verlagert der Umbau eine alte Sicherheitsfrage auf ein neues Feld. Im 5G-Netz gilt ZTE längst als Hochrisiko-Anbieter: Die Bundesregierung vereinbarte 2024 mit Telekom, Vodafone und Telefónica, Komponenten von Huawei und ZTE bis Ende 2026 aus dem Kernnetz und bis 2029 aus den Verwaltungssystemen zu entfernen.[2]
Wandert derselbe Hersteller nun in KI-Server und Rechenzentrumstechnik, stellt sich die Frage nach Lieferkette und Vertrauen erneut, diesmal für Betreiber kritischer Rechenzentren unter BSI-Aufsicht und NIS2. Beim Einkauf von Rechenzentrumshardware zählt die Herkunft der Komponenten inzwischen so viel wie beim Mobilfunk.
Entscheider in IT und Rechenzentren prüfen chinesische KI-Hardware deshalb früh auf ihre regulatorische Angreifbarkeit und planen Alternativen ein. Die EU baut mit den AI-Gigafactories des EuroHPC-Programms an einer eigenen Recheninfrastruktur. Wie schmal die deutsche Basis dafür noch ist, zeigt sich daran, dass Nvidia für solche KI-Fabriken bisher nur fünf deutsche Systemhäuser zertifiziert hat.
FAQ: ZTE, der Gewinn und die KI-Server
Was macht ZTE?
ZTE ist nach Huawei Chinas zweitgrößter Hersteller von Telekommunikationstechnik und baut Mobilfunknetze, Smartphones und zunehmend KI-Server. Der Konzern ist in Shenzhen und Hongkong börsennotiert und beliefert vor allem die staatlichen chinesischen Netzbetreiber.
Warum ist ZTE in Deutschland umstritten?
ZTE gilt in Deutschland als Hochrisiko-Anbieter. Die Bundesregierung vereinbarte 2024 mit den Netzbetreibern, Komponenten von Huawei und ZTE bis Ende 2026 aus dem 5G-Kernnetz und bis 2029 aus den Verwaltungssystemen zu entfernen. Auslöser sind Sicherheitsbedenken und mögliche Abhängigkeiten.
Was bedeutet Rechenleistung in ZTEs Bilanz?
Rechenleistung fasst bei ZTE Server, Speicher und Rechenzentrumstechnik für KI-Anwendungen zusammen. Der Bereich stand im ersten Halbjahr 2026 für 35,1 Prozent des Umsatzes und wuchs um 55 Prozent, während das klassische Mobilfunkgeschäft kaum noch zulegt.
Steckt ZTE-Technik in europäischen Rechenzentren?
Öffentlich bestätigte Großaufträge für ZTE in europäischen KI-Rechenzentren sind bislang selten. Betreiber kritischer Infrastruktur unterliegen aber der BSI-Aufsicht und der NIS2-Richtlinie, die Herkunft und Vertrauenswürdigkeit von Hardware bewerten. Die 5G-Debatte liefert dafür die Blaupause.
Quellen
[1] ZTE: Halbjahresbericht 2026, Meldung vom 21. August 2026
[2] Bundesministerium des Innern: „Stärkung der Sicherheit und technologischen Souveränität der deutschen 5G-Mobilfunknetze“ (11. Juli 2024)
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