Kingsoft Cloud hat im zweiten Quartal 2026 zum ersten Mal einen operativen Gewinn ausgewiesen. Der Umsatz kletterte mit 393 Millionen Euro auf einen Rekordwert. Mehr als die Hälfte des öffentlichen Cloud-Geschäfts stammt inzwischen aus KI-Rechenleistung.[1]

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Damit gelingt einem unabhängigen Anbieter zwischen den großen Hyperscalern eine Wende, die vor einem Jahr noch fern schien. Die eigentliche Frage lautet, wie stabil dieser Gewinn ist, wenn ein einzelnes Quartal mehr Geld in neue Rechenzentren steckt, als es an Umsatz einbringt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Quartalsumsatz stieg um 30,8 Prozent auf 393 Millionen Euro, das öffentliche Cloud-Geschäft allein um 45,1 Prozent.
  • Die KI-Rechenleistung erreichte 170 Millionen Euro und stellt erstmals 56 Prozent des öffentlichen Cloud-Umsatzes.
  • Der Nettoverlust schrumpfte um 79,6 Prozent auf 11,9 Millionen Euro, operativ steht erstmals ein kleines Plus.
  • Die Investitionen lagen mit 422 Millionen Euro über dem gesamten Quartalsumsatz.

Was hat Kingsoft Cloud gemeldet?

Stapel Metallgewichte hält Wattebausch; Schild zeigt
Kingsoft Cloud erzielte im Q2 Rekordumsatz von 393 Millionen Euro, plus 30,8 Prozent YoY. Public Cloud wuchs um 45,1 Prozent auf 302 Millionen Euro

Kingsoft Cloud verbuchte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von 393 Millionen Euro, ein Plus von 30,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[1] Das öffentliche Cloud-Geschäft wuchs um 45,1 Prozent auf 302 Millionen Euro, das Geschäft mit Branchenkunden gab leicht auf 91 Millionen Euro nach.

Unterm Strich fiel der Nettoverlust um 79,6 Prozent auf 11,9 Millionen Euro. Operativ steht der erste Gewinn der Firmengeschichte. Denselben Sog aus der KI-Nachfrage zeigt der Blick auf Alibaba, wo das Cloud-Geschäft boomt und der Gewinn zugleich einbrach.

Woher kommt das Wachstum?

Das Wachstum kommt fast vollständig aus der KI-Rechenleistung. Diese Umsätze sprangen um 82 Prozent auf 170 Millionen Euro und stellen erstmals 56 Prozent des öffentlichen Cloud-Geschäfts.[1] Kingsoft Cloud gehört zum Verbund um den Elektronikhersteller Xiaomi und den Softwarekonzern Kingsoft.

Die Nachfrage kommt gewissermaßen frei Haus. Autos, Smartphones und die Büro-KI von Kingsoft brauchen Rechenzeit, die der Anbieter nicht erst am Markt einwerben muss. „Wir setzen weiter auf hochwertiges, nachhaltiges Wachstum und vertiefen die Zusammenarbeit mit Kunden innerhalb und außerhalb unseres Ökosystems“, sagt Vorstandschef Tao Zou.

Diesen Vorsprung erkauft sich der Konzern teuer. Die Bruttomarge liegt bei 15,2 Prozent. Die Investitionen in Grafikprozessoren erreichten 422 Millionen Euro in einem einzigen Quartal, mehr als der gesamte Umsatz. Das bereinigte Ergebnis vor Abschreibungen von 141 Millionen Euro sieht stark aus, doch die Abschreibungen auf die neuen Chips kommen erst noch. Dieselbe Wette auf teure Rechenleistung treibt gerade milliardenschwere Finanzierungen quer durch die KI-Branche.

Ein Cloud-Anbieter, dessen größter Kunde der eigene Konzern ist, wächst schnell und günstig. Ob daraus ein Geschäft wird, das auch außerhalb des Ökosystems Bestand hat, entscheidet sich erst nach der nächsten Abschreibungsrunde.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Kingsoft Cloud im zweiten Quartal 2026

Rekordumsatz, KI-Anteil und Investitionen, umgerechnet in Euro

393 Mio. €
Quartalsumsatz im zweiten Quartal 2026, ein Rekord und 30,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor
56 %
Anteil der KI-Rechenleistung am öffentlichen Cloud-Umsatz, nach einem Sprung von 82 Prozent
422 Mio. €
Investitionen in einem einzigen Quartal, mehr als der gesamte Umsatz einbrachte
11,9 Mio. €
Verbliebener Nettoverlust, 79,6 Prozent kleiner als im Vorjahresquartal
Der erste operative Gewinn steht, doch die Abschreibungen auf die neu gekauften Grafikprozessoren kommen erst noch.

Was heißt das für europäische Entscheider?

Das Muster, das Kingsoft Cloud vormacht, kennen europäische Entscheider aus eigener Anschauung. KI-Infrastruktur entsteht auch hier vor allem dort, wo ein Konzern die eigene Nachfrage mitbringt, etwa beim Rechenzentrum von Schwarz Digits in Lübbenau.

Für Kunden zählt weniger der Rekord als die Abhängigkeit. Datenstandort, Ausstiegsklauseln und Übertragbarkeit klärt man besser vorab; wie schnell ein verschwundener Cloud-Anbieter zum Notfall wird, hat sich gerade erst gezeigt.

Ab dem 12. Januar 2027 verbietet der EU Data Act Wechselentgelte zwischen Cloud-Anbietern und schreibt offene Schnittstellen vor.[2] Das senkt die Hürde für einen Wechsel, ersetzt aber keine eigene Prüfung, ob europäische Alternativen die nötige KI-Rechenleistung liefern.

FAQ: Kingsoft Cloud und das KI-Cloud-Geschäft

Was ist Kingsoft Cloud?

Kingsoft Cloud ist ein chinesischer Cloud-Anbieter, der an der US-Börse Nasdaq und in Hongkong notiert ist. Das Unternehmen gehört zum Verbund um den Softwarekonzern Kingsoft und den Elektronikhersteller Xiaomi und stellt Rechenleistung für öffentliche Cloud- und Branchenkunden bereit.

Ist Kingsoft Cloud profitabel?

Im zweiten Quartal 2026 erzielte Kingsoft Cloud mit rund 2,9 Millionen Euro erstmals einen operativen Gewinn. Unterm Strich blieb allerdings noch ein Nettoverlust von 11,9 Millionen Euro, der gegenüber dem Vorjahr um 79,6 Prozent schrumpfte.

Warum wächst das KI-Cloud-Geschäft so schnell?

Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung stieg im zweiten Quartal um 82 Prozent und macht nun 56 Prozent des öffentlichen Cloud-Umsatzes aus. Ein großer Teil dieser Nachfrage stammt aus dem eigenen Konzernumfeld von Xiaomi und Kingsoft, das Rechenzeit ohne Vertriebsaufwand abnimmt.

Was bedeutet das für europäische Cloud-Kunden?

Cloud-Kunden sollten Datenstandort, Ausstiegsklauseln und Übertragbarkeit vorab klären. Ab dem 12. Januar 2027 verbietet der EU Data Act Wechselentgelte zwischen Cloud-Anbietern und schreibt offene Schnittstellen vor, was den Anbieterwechsel erleichtert.

Quellen

[1] Kingsoft Cloud: „Kingsoft Cloud Announces Unaudited Second Quarter 2026 Financial Results“, 19. August 2026

[2] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act), Artikel 23 bis 29 zum Wechsel zwischen Datenverarbeitungsdiensten

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