ATProto Spaces stehen seit dem 20. August 2026 als Alpha bereit und bringen dem Bluesky-Protokoll erstmals Daten, die nicht jeder lesen darf.[1] Bisher landete jeder Post, jeder Follow, jedes Like und jeder Block im öffentlichen Datenstrom, den beliebige Server abgreifen können. Protokollentwickler Daniel Holmgren nennt die Erweiterung das größte Update seit dem Start des Protokolls. Verschlüsselt wird darin trotzdem nichts.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Alpha von ATProto Spaces läuft seit dem 20. August 2026; den vollständigen Start kündigt das Projekt noch für dieses Jahr an.
  • Ein Space regelt den Zugriff über ein Credential, das eine Space Authority ausstellt. Die Datensätze selbst liegen im Klartext.
  • Die Signatur eines Commits deckt den Inhalt bewusst nicht ab, damit ein durchgereichter Datensatz nichts beweist.
  • Moderationsdienste sehen einen Space erst, sobald die Authority sie als Leser zulässt.

Warum verschlüsselt das Protokoll die neuen Daten nicht?

Absperrpfosten mit orangefarbenem Seil und Schild vor Aktenordnern in Vitrine
Space bietet Zugriffskontrolle statt Verschlüsselung; Server und autorisierte Apps können Daten für Suche, Indexierung und Moderation auslesen

Ein Space liefert Zugriffskontrolle, keine Vertraulichkeit. Der Entwurf hält ausdrücklich fest, dass sowohl der Personal Data Server als auch autorisierte Anwendungen die Daten lesen, die sie verarbeiten.[2] Genau darauf beruhen Suche, Indexierung, Benachrichtigungen, Aggregation und Moderation auf der Serverseite. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt außerhalb des Vorschlags und allenfalls Sache der Anwendung.

Die Datensätze liegen je Nutzer und je Space in einem eigenen Repository auf dem Server des Autors. Ein Relay entfällt; Anwendungen ziehen die Daten direkt von den Hosts. Zur Bauweise passt, dass das Protokoll ohne feste Instanzen auskommt. Der Klartext landet damit bei jedem Betreiber, der einen Space hostet.

Was macht die Signatur so ungewöhnlich?

Die Signatur eines Commits deckt den Inhalt absichtlich nicht ab. Unterschrieben werden nur 32 frische Zufallsbytes pro Commit, ein symmetrischer MAC bindet den Hash des Repositorys daran.[2] Jeder, der so einen Commit weiterreicht, kann für einen beliebigen Hash einen gültigen MAC berechnen. Ein durchgestochener Datensatz belegt deshalb nur, dass jemand einen Kontext signiert hat, nicht was darin stand.

Im öffentlichen Teil des Protokolls gilt das Gegenteil: Dort ist jeder Datensatz ein archivierbarer Beweis. Diesen Kompromiss gehen dezentrale Netze seit Jahren ein. Mastodon warnt in der eigenen Dokumentation, dass private Erwähnungen nicht verschlüsselt sind und die Datenbank-Administratoren beider Server an den Text kommen können.[3] Bluesky startete die Direktnachrichten am 22. Mai 2024 ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und kündigte an, das später nachzuholen.[4]

Öffentlicher Datenstrom und Space im Vergleich
Vier Eigenschaften, in denen sich der neue Space vom bisherigen öffentlichen Teil des Protokolls unterscheidet.
Öffentlicher Datenstrom
Repositoryeines je Nutzer
Signaturweiterverbreitbar und archivierbar
Zugriffoffen für jeden
Verteilungüber den globalen Relay
Permissioned Space
Repositoryeines je Nutzer und Space
Signaturbeim Weiterreichen abstreitbar
Zugriffnur mit Space-Credential
Verteilungdirekt vom PDS, ohne Relay

Vier Zahlen zur Alpha

20.08.2026
seit diesem Tag läuft die Alpha; den vollständigen Start kündigt das Projekt noch für 2026 an
32
Zufallsbytes signiert jeder Commit; der Hash des Inhalts bleibt außen vor
3
unabhängige PDS-Implementierungen aus dem Umfeld setzen den Entwurf bereits um: ZDS in Zig, atproto-crates und rsky in Rust
1
Credential genügt, um einen ganzen Space zu lesen; ausgestellt von der Space Authority

Zugriffskontrolle ist kein Datenschutz. Solange die Daten eines ATProto Space im Klartext liegen, entscheidet nicht das Protokoll über die Vertraulichkeit, sondern der Vertrag mit dem Betreiber.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Betreiber im DACH-Raum?

Ein selbst betriebener Server mit Mitgliederdaten macht den Betreiber zum Verantwortlichen im Sinne der DSGVO. Artikel 32 Absatz 1 Buchstabe a nennt „die Pseudonymisierung und Verschlüsselung personenbezogener Daten“ ausdrücklich als Maßnahme nach dem Stand der Technik. Davon erfüllt ein Space keine. Für ein geschlossenes Forum mit Klarnamen, Adressen oder Gesundheitsangaben genügt die Zugriffsgrenze allein nicht. Wie wenig die großen Plattformen von Datensparsamkeit halten, zeigt der Vergleich von Instagram, TikTok und Co.

Löscht eine Authority ihren Space, erfahren die Repo-Hosts der Mitglieder davon nichts. Deren Datensätze liegen weiter auf dem Server und werden lediglich unlesbar.[2] Für die Alpha nennt das Projekt zudem selbst die Grenzen: kein Sicherheitsreview, keine Backups, Schema-Änderungen ohne saubere Migration und ein gehosteter Server, der nach dem Alpha-Ende verschwindet.[1]

Für Lesezeichen, Entwürfe, Mute-Listen und Einstellungen taugen Spaces heute schon. Personenbezogene Mitgliederdaten brauchen dagegen eine eigene Verschlüsselungsschicht in der Anwendung. Bis zum vollen Start bleibt dafür allein der Testbetrieb auf einem selbst gehosteten Server mit Testdaten vertretbar.

Quellen

[1] AT Protocol: „The Atproto Spaces Alpha is Live“

[2] Bluesky Social: „0016 Permissioned Data“

[3] Mastodon: „Posting on Mastodon“

[4] Bluesky: „Just shipped: Bluesky Direct Messages!“

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