Das US-Justizministerium und TikTok haben einen Streit um die Daten von Kindern mit 400 Millionen Dollar beigelegt, rund 348 Millionen Euro. 100 Millionen davon zahlt der Konzern allein dafür, dass ein Gericht eine alte Auflage gegen die Vorgänger-App Musical.ly aufhebt. Der Vergleich setzt einen neuen Höchstwert im Kinderdatenschutz und zeigt europäischen Plattformbetreibern, wie teuer eine schwache Alterskontrolle wird.

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400 Millionen Dollar, aber kein Schuldeingeständnis: Mit dieser Summe kauft sich TikTok aus einem Verfahren um Kinderdatenschutz heraus, das seit 2024 in Kalifornien lief. Das Justizministerium in Washington wirft der Plattform vor, Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern Konten und die Sammlung ihrer Daten ermöglicht zu haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • 400 Millionen Dollar (rund 348 Millionen Euro) Vergleichssumme, davon 300 Millionen sofort und 100 Millionen für die Aufhebung einer alten Musical.ly-Verfügung.
  • Vorwurf nach dem US-Kinderschutzgesetz COPPA: Konten für unter 13-Jährige und Datensammlung im „Kids Mode“ ohne elterliche Einwilligung.
  • Laut Justizministerium einer der höchsten Beträge, die je in einem COPPA-Fall erzielt wurden; der bisherige Rekord lag bei Epic Games mit 275 Millionen Dollar.
  • Für den DACH-Raum ist der Fall ein Warnsignal: DSGVO Artikel 8 und der Digital Services Act verlangen wirksamen Schutz Minderjähriger.

Wofür zahlt TikTok 348 Millionen Euro?

Schild mit Preisangabe 348 Mio. Euro und Baustein mit Text Kinder-Datenschutz-Paket an einer Kordel
400-Millionen-Dollar-Zahlung an die USA: 300 Millionen sofort fällig, 100 Millionen nach Aufhebung einer Gerichtsverfügung gegen Musical.ly

Gespaltene Zahlung. Von den 400 Millionen Dollar werden 300 Millionen sofort fällig, umgerechnet rund 261 Millionen Euro beim Kurs von 0,87 am 22. August 2026. Die restlichen 100 Millionen fließen erst, sobald ein Gericht eine Verfügung gegen Musical.ly aufhebt, den Vorläufer, den ByteDance 2017 übernahm und in TikTok überführte. Der Konzern bezahlt also einen Aufpreis, um eine Altlast aus dem Jahr 2019 loszuwerden.

Der Kern des Vorwurfs. Das Kinderschutzgesetz COPPA verpflichtet Anbieter, vor jeder Datenerhebung bei unter 13-Jährigen eine überprüfbare Einwilligung der Eltern einzuholen. Laut Klage ließ TikTok Kinder trotzdem Konten anlegen und sammelte selbst im abgesicherten „Kids Mode“ deren Daten. Wie sparsam soziale Netzwerke mit den Daten ihrer Nutzer umgehen, steht ohnehin in der Kritik. Weil kein Gericht über die Schuld entschieden hat, bleiben die Vorwürfe rechtlich unbewiesen, wie das Ministerium ausdrücklich betont.[1]

Warum ist das der teuerste Kinderdaten-Fall?

Neuer Höchstwert. Associate Attorney General Stanley Woodward nennt den Vergleich „einen großen Sieg für amerikanische Kinder und Eltern“. Der bisher höchste COPPA-Betrag stammte von Epic Games, das 2022 wegen der Daten junger Fortnite-Spieler 275 Millionen Dollar zahlte. Davor markierten YouTube mit 170 Millionen und ausgerechnet Musical.ly mit 5,7 Millionen Dollar die Bestmarken. Die Kurve zeigt steil nach oben, weil die Behörden Kinderdaten inzwischen wie die Rekordforderungen gegen Meta als eigenständigen Bußgeld-Hebel behandeln.

Kinderdaten sind zum härtesten Bußgeld-Hebel der Aufsicht geworden. Eine schwache Alterskontrolle kostet am Ende mehr als jeder Cookie-Verstoß.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
TikToks Kinderdaten-Vergleich in Zahlen
400 Millionen Dollar Gesamtsumme, umgerechnet rund 348 Millionen Euro (Kurs 0,87, Stand 22. August 2026).
348 Mio. €
Gesamtsumme des Vergleichs
261 Mio. €
sofort fällig (300 Mio. Dollar)
87 Mio. €
nur für die Aufhebung der Musical.ly-Verfügung

Die höchsten COPPA-Strafen im Vergleich

TikTok 2026
348 Mio. €
Epic Games 2022
239 Mio. €
YouTube 2019
148 Mio. €
Musical.ly 2019
5 Mio. €

Was bedeutet der Fall für den DACH-Raum?

Europäischer Rahmen. In der EU regelt die DSGVO in Artikel 8 die Einwilligung von Kindern, in Deutschland ab 16 Jahren. Der Digital Services Act verpflichtet sehr große Plattformen wie TikTok zusätzlich zu wirksamem Schutz Minderjähriger. Die irische Datenschutzkommission verhängte bereits 2023 wegen der Kontoeinstellungen für Teenager 345 Millionen Euro und 2025 wegen Datentransfers nach China 530 Millionen Euro.

Was Betreiber jetzt prüfen. Für Anbieter im DACH-Raum zählt vor allem die Altersabfrage nach dem Grundsatz der Datenminimierung, also ein schlichtes „über 16, ja oder nein“ statt hochgeladener Ausweise. Ebenso wichtig bleibt eine dokumentierte elterliche Einwilligung, sobald Minderjährige mitmachen. Der teuerste Fehler sitzt selten im Cookie-Banner, sondern in der Frage, ob Kinder überhaupt hätten teilnehmen dürfen.

FAQ: TikTok zahlt 348 Millionen Euro im Verfahren um Kinderdaten

Warum zahlt TikTok 400 Millionen Dollar?

TikTok und ByteDance legen mit rund 348 Millionen Euro einen Streit mit dem US-Justizministerium um den Datenschutz von Kindern bei. Die Behörde warf der Plattform vor, Kindern unter 13 Jahren ohne elterliche Einwilligung Konten und Datensammlung ermöglicht zu haben. Ein Schuldeingeständnis ist der Vergleich nicht.

Was ist COPPA?

COPPA steht für Children’s Online Privacy Protection Act, das US-Gesetz zum Datenschutz von Kindern im Netz. Es verpflichtet Anbieter, vor jeder Erhebung personenbezogener Daten von unter 13-Jährigen eine überprüfbare Einwilligung der Eltern einzuholen. Verstöße ahndet die Federal Trade Commission, in schweren Fällen das Justizministerium.

Betrifft der Vergleich auch europäische Nutzer?

Nein, der Vergleich betrifft ausschließlich US-Recht und US-Nutzer. In Europa gelten die DSGVO und der Digital Services Act. Die irische Datenschutzkommission hat TikTok bereits 2023 wegen der Kontoeinstellungen für Teenager mit 345 Millionen Euro belegt und 2025 wegen Datentransfers nach China mit 530 Millionen Euro.

Was war Musical.ly?

Musical.ly war eine Lipsync-Video-App, die ByteDance 2017 übernahm und in TikTok überführte. Gegen Musical.ly erging 2019 eine COPPA-Auflage samt einer damaligen Rekordstrafe von 5,7 Millionen Dollar. 100 Millionen Dollar des neuen Vergleichs zahlt TikTok allein dafür, dass ein Gericht diese alte Verfügung aufhebt.

Quelle

[1] US-Justizministerium: „Justice Department Secures $400M Settlement with TikTok and ByteDance to Resolve Children’s Privacy Litigation“

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